Oberaarhorn 3625m bei zweifelhaftem Wetter


Publiziert von Lulubusi , 20. Juli 2012 um 08:46.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:15 Juli 2012
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via Grimselpass zum Berghaus Oberaarhorn. Achtung: Strecke Grimsel-Berghaus Oberaar-Grimsel ist zeitlich beschränkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Grimselpass, Berghaus Oberaar, Oberaarjochhütte
Kartennummer:LK 1:25000 BL1250 Ulrichen

 

Oberaarhorn 3629m bei zweifelhaftem Wetter

 

Das Oberaarhorn ist ein Gipfel der schnell und leicht zu besteigen ist, zumindest was den Weg ab der Oberaarhornhütte betrifft. Die Tour als solches ist schon eher der recht lange Hüttenweg der mehrheitlich über Gletscher führt.

 

Aufstieg zur Oberaarhornhütte

Auf Grund des Wetterberichtes, haben wir eine geplante Tour abgesagt und eine Alternative hatte ich nicht geplant. So kam es, dass ich mich durch das wesentlich bessere Wetter als vorhergesagt, sehr spontan eine Tour in Angriff nahm. Um die Mittagszeit noch organisieren und los. Die bescheidene Wettervorhersage ermöglichte es mir einen der begehrten Schlafplätze in der Oberaarhornhütte zu ergattern.

 

Um 14:45 Uhr startete ich schliesslich vom Parkplatz unterhalb des Berghaus Oberaar P.2338 welchen ich mit dem Auto erreichte.

Unter etwas Zeitdruck machte ich mich auf den Weg. 4 1/2 – 5 1/2 Stunden werden für den Hüttenzustieg veranschlagt. Nachtessen gibt es um 18:30 Uhr zu der ich wenn irgendwie möglich pünktlich eintreffen wollte. So blieb mir leider nicht wirklich Zeit die zur Zeit voll in der Blüten stehende Alpwiese zu geniesen.

 

Vom Parkplatz unterhalb der Berghaus Oberaar wandere ich erstmal über die Staumauer und anschliessend dem sehr gut angelegten Bergwanderweg folgende, am nördlichen Ufer des Oberaarsees entlang, bis zum Oberaargletscher. Am Ende ca. bei P.2315 des Bergweges weisst ein blau weisser Wegweiser den Weg zur Hütte.

Von hier sind auf einem Felsrücken einige grosse „Steinmandli“ erkennbar, die den weiteren Weg weisen. Trotz andere Aussagen ist dies der richtige Weg!

Einfach geht es über mehrere Felsrücken empor. Sind diese zu ende gibt es zwei Aufstiegsvarianten.

 

Variante 1: Man hält sich rechts an den Felsen und steig über die Moräne hoch, am Gletschertor vorbei und bei nächster Gelegenheit nach dem Tor auf den Gletscher, um den kleinen Moränen die auf dem Eis liegen zu folgen oder

 

Variante 2: Man Überquert möglichst bald nach den Felsrücken den Gletscherbach und gelangt so schon relativ früh auf den Gletscher. Die Überquerung des Baches kann je nach Wasserstand nicht ganz trivial sein. Nun folgt man den kleinen Moränen auf dem Gletscher aufwärts.

 

Ich wähle die Variante zwei, da diese für mich sehr viel angenehmer zum Gehen aussieht. Dies sollte sich auch bewahrheiten, dazu aber mehr am Schluss des Berichtes.

 

Ich Überquere also den Gletscherbach nach den Felsrücken nach links und gelange so auf den Oberaargletscher. In diesem Bereich ist dieser bereits ausgeapert und mit sehr viel Schutt überdeckt. Der Schutt hat einen antirutschefekt, was mir mit etwas Vorsicht ermöglicht, sehr lange ohne Steigeisen an Höhe zu gewinnen. Auf dem Gletscher gehe ich ca. in dessen Mitte, stets in westlicher bis südwestlicher Richtung hinauf bis zum Oberaarjoch P.3289.

Auf einer Höhe von etwa 2500m montiere ich schiessliche die Steigeisen. Der auf dem Gletscher liegende Schnee ermöglichte zwar ein problemloses Vorankommen auch ohne der Eisen, ich fühlte mich aber einfach wohler mit den Dingern an den Füssen.

 

Zurzeit ist ungefähr ab halber Strecke das Eis noch mit einer gut gesetzten Schneedecke überdeckt, was den Gletscher ungefährlicher erscheinen lässt als er wirklich ist. Allerdings wird es nicht mehr lange dauern und die Schneebrücken über die Spalten werde unzuverlässig. Die erst Spalten öffenen sich und die vorhandenen Schneebrücken hätten wahrscheinlich nicht mehr alle einem Härtetest standgehalten.

 

Auf dem Joch angekommen schwenkt man nach rechts „Norden“ ab. Wegspuren folgend steigt man die ersten paar Meter über Schuttgelände zu den Felsen hoch. Hier trifft man auf eine Leiter. Über dies auf ein schmales Felsband (Hüttenweg) und diesem folgend und in wenigen Metern zur Hütte.

Dieser kurze Wegteil ist stark Steinschlag gefährdet. Obwohl er gut mittels Fangnetzen und Gallerie geschützt ist, sollte man hier nicht wirklich verweilen.

 

Dank der guten, auf dem Gletscher liegenden Schneedecke kam ich sehr gut voran und war sogar 45 Minuten vor dem Nachtessen bei der Oberaarjochhütte P.3256 angelangt. Eine willkommene Verschnaufpause vor dem Essen.

 

Nach einem gemütlichen Hüttenabend mit einem ausgezeichneten Nachtessen, lege ich mich ins Bett.

 

Aufstieg Oberaarhorn

Da das Wetter eine recht bescheidene Aussicht verspricht, starte ich nicht allzu früh zum Gipfel. Um 5:00 Uhr geht es los. Für eine Hüttentour eigentlich bereits ausschlafen.

 

Westlich zwischen Hütte und Materialschuppen beginnt die Tour zum Gipfel. Wegspuren und rote Markierungen weisen den Weg. Diesen folgt man in nördlicher Richtung über steile und lose Schieferplatten, Geröll und brüchigen Gneis bis zum Firnfeld. Über dieses empor bis zum Gipfel des Oberaarhorn P.3629. Am Gipfel sollte man sich vor Wächten in Acht nehmen!

 

Abstieg

Der Abstieg erfolgt grösstenteils über die Aufstiegsroute. Erst als ich auf den ausgeaperten Teil des Gletschers gelange verlasse ich meine Aufstiegsspur und halt mich ganz an den linken Rand und die dort liegenden Moränen und Schuttablagerungen des Gletschers.

Auf dem Weg den anscheinend einige als wählen steige ich abwärts. Eine echt Nerv aufreibende Sache. In dem losen und rutschigen Gelände kommt man nur sehr mühsam vorwärts. Mensch bin ich froh dass es abwärts geht. Aufwärts nein Danke! Drei Schritte vor einer zurück wäre definitiv nicht mein Ding.

Aber alles hat mal ein Ende. Als ich mich beim Gletschertor befinde, weiss ich, dass das übelste vorbei ist. Kurze Zeit später wandere ich zügig auf dem Wanderweg zurück zum Parkplatz, steige ins Auto und kann gerade noch so zur Grimsel fahren.

 

Die Befahrung der Strecke Grimsel-Berghaus Oberaar-Grimsel ist zeitlich beschränkt. Man darf jeweils je 10 Minuten lang zur vollen Stunde zum Berghaus und zur halben Stunde zur Grimsel zurück fahren.

 

Fazit: Steigt auf die Felsrücken, grosse Steinmänner zeigen den Weg und überquert wenn irgend wie möglich, vor dem Gletschertor, den Bach. Ab hier bereits mittig über den Gletscher oder den Moränen folgend hoch. Auf dem Rückweg das selbe. Ist definitiv angenehmer zum Gehen.

Tour alleine.

 

Hütte

Die Oberaarhornhütte liegt auf einer Höhe von 3258m südwestlich des Oberaarhorns. Erreichbar ist diese vom Grimselpass oder Münster, aus dem Fieschertal und vom Jungfraujoch her. Der einfachste und schnellste Zugang erfolgt vom Grimselpass.

Sie verfügt über 56 Betten. 22 davon können als Winterlager genutzt werden.

Bewartetet wird sie von Ende März bis Ende Mai und von Anfang Juli bis Ende September.

 

Startpunkt

Parkplatz unterhalb Berghaus Oberaar 2338m

 

Ziel

Oberaarhorn 3629m

 

Anforderungen

Der Gletscher ist nirgends wirklich steil, durch den jährliche Rückgang ist dieser vor allem im Oberen Teil recht zerrissen und es zeigen sich einige beträchtliche Spalten und sollte daher nur mit Erfahrung begangen werden.

Das Blockgelände oberhalb der Hütte stellt keine grosse Schwierigkeiten dar. „Kletterschwierigkeit 1-2a“ Der Felsaufschwung zur Hütte ist mit einer Leiter entschärft.

Steilheit der Firnflanke liegt nie über 30°.

 

Material

Übliche Hochtouren-, Gletscherausrüstung

 

Zusätzliche Info

http://www.grimselpass.ch/

http://www.vs-wallis.ch/wallis/huetten/oberaarjoch.html

http://www.gruppenhaus.ch/objekte/d/394.html

 

In meinem SAC-Führer wird Tour als L angegeben. Ich persönlich würde diese Tour zwischenzeitliche (Gletscherrückgang) als WS je nach Verhältnissen auf dem Gletscher sogar WS+ bewerten.

 

Fazit

  • Tolle nicht all zu schwere Tour.
  • Mehrheitlich auf Gletscher und Firn.
  • Gletscher recht zerrissen mit einigen grösseren Spalten. Vorsicht!
  • Einmaliger Rundblick auf dem Oberaarhorn.
  • Walliser Hochgebirge zum greifen nahe.
  • Bester Blick zum Finsteraarhorn.
  • Zu Beginn des Gletscher etwas mühsam zum gehen.
  • Wanderweg am Oberaarsee entlang führt durch wunderschöne Blumenwiesen.
  • Kleine gemütliche Hütte mit super freundlicher Hüttencrew.

 

Genaue Route

Berghaus Oberaar P.2338, Nordseite Oberaarsee, P.2315, Oberaargletscher, Oberaarjoch P.3212, Oberaarjochhütte P.3256, Firnflanke, Oberaarhorn P.3629, zurück auf gleichem Weg.

 

Alternativ:

Studerhorn, Altmann, Galmihorn, Wasenhorn, Wannenhorn sind alles relativ einfach zu besteigende Gipfel.

Der Klassiker Finsteraarhorn.


Tourengänger: Lulubusi


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