La Ruinette 3875m (Versuch)
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Immer wenn ich in meinem heissgeliebten Tourenbuch "die 100 schönsten Hochtouren im Wallis" blätterte, gab es ein Unternehmen, das mich besonders reizte: Die Ruinette. Eine wunderbare Felspyramide im hintersten Eck des Val des Bagnes, im Schatten seines majestätischen Nachbarns, dem Grand Combin.
Was diese Tour für mich so reizvoll machte, war die Möglichkeit, dieses Unterfangen auch als relativ unerfahrener Berggänger solo durchführen zu können, angesichts der beschrieben Schwierigkeiten im Führer kein Problem. Doch die geographische Distanz hielt mich bisher davon ab, die Ruinette in Angriff zu nehmen. Dies änderte sich schlagartig, als ich auf den Tourenbericht von Fenek stiess, der die alte Leidenschaft wieder aufflammen liess.
Da ich just Ende Oktober eine (wohlverdiente) Woche Ferien in Aussicht hatte, entschloss ich mich an einem sonnigen Mittwoch ins Wallis aufzubrechen. Hätte ich die Ereignisse der kommenden Stunden vorausgesehen, wäre ich wohl kurz nach der Tagwache um 6 Uhr wieder ins Bett gekrochen anstatt mühsam mein Frühstück hinunter zu würgen. Nach dieser obligaten Pflichtübung bahnte sich bereits das erste Unheil an. Gerade als ich meinen mit 25kg beladenen Aldi-Rucksack schultern wollte, riss der Tragriemen. Da zu dieser Zeit noch kein Sportgeschäft offen hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als aufzubrechen und mir dann schlussendlich in Martigny einen neuen Rucksack zu besorgen, inklusive Umladeaktion im Sportgeschäft. Gütigerweise wurde dann mein alter Rucksack mit dem Kauf des Neuen gleich entsorgt, das ersparte mir die Mühe ihn in 1000 Stücke zu reissen. Lehre daraus: Nie mehr Aldi-Billigware !!!
Doch auch der weitere Verlauf der Anreise gestaltete sich suboptimal. Ab Orsières blockierte ein Milchtransporter die Fahrbahn und liess mich, im Schneckentempo fahrend, seine Auspuffsgase inhalieren. Selbstverständlich besass dieser nette Chauffeur nicht die Güte, mich passieren zu lassen. Richtig nervtötend wurde es, als die Kurven zunahmen. Im Schatten hatte die Fahrbahn nämlich bereits einen leichten Eisfilm erhalten, worauf der Transporter mehrere Versuch unternehmen musste, um weiter fahren zu können. Da die Fahrbahn mittlerweile sehr eng geworden war, bestand kaum mehr die Möglichkeit zu passieren. Erst kurz vor Orsières erlöste mich der Chauffeur des Milchtransporters aus dem Martyrium, indem er sich in eine andere Richtung aus dem Staube machte. Ich wünschte ihm von Herzen, dass seine Milch sauer geworden sein möge...
Mit knapp 2h Verspätung erreichte ich um 12 Uhr Mauvoisin und den Staudamm. Bereits jetzt wurde mir bewusst, dass ich meinen ursprünglichen Plan, auf dem Gletscher bei Pt. 3470 zu übernachten verwerfen konnte. Nichtsdestotrotz machte ich mich schwer bepackt mit meiner gesamten Outdoor-Ausrüstung sofort auf den Weg Richtung Col de Tsoiferet, am linken Ufer des Stausees entlang. Immer wieder musste ich Acht geben, dass ich nicht von herunterstürzenden Eiszapfen getroffen wurde, welche unter dem Einfluss des Tauwetters von den steilen Felswänden fielen. Richtig mulmig wurde es mir, als ein Meter hinter mir faustgrosse Eisbrocken auf den Weg stürzten. Nach dieser heissen Phase folgte ich dem mehrheitlich sanft ansteigenden Weg in Richtung Col de Tsoiferet (2628 m. ü. M.). Bei den Bergseen hatte ich die Möglichkeit noch einmal meine Wasservorräte aufzufüllen. Als ich von der Passhöhe aus den weiteren Verlauf der Route erblickte, entschied ich mich bereits jetzt meinen Schlafplatz einzurichten, denn anschliessen würde sich der Weg in Richtung Col de Lire Rose steil hinaufschlängeln und in Schräglage im Geröll zu übernachten, war definitiv nicht meine Intention. So fand ich kurz nach dem Col de Tsoiferet auf einer Höhe von ca. 2700m einen schönen, windgeschützten Rastplatz.
Die zunehmende Bewölkung hatte mir zwar bereits beim Anmarsch etwas Kopfzerbrechen bereitet, ich dachte mir aber nichts dabei. Als ich am nächsten Morgen um 4.30 Uhr aufwachte, war die Enttäuschung riesig. Über Nacht hatte es einen kleinen Wintereinbruch gegeben. Nichts dramatisches, aber wie würde es wohl höher oben aussehen? Ich nahm die verschneiten Felsabschwünge in meiner Nähe unter die Lupe und entschied für mich, die Tour aufgrund der bereits in dieser Höhenlage unsicheren Verhältnisse abzubrechen, denn schliesslich würden mich in Gipfelnähe noch einige Felskletterstellen (III) erwarten. Ich legte mich also frustriert in den Schlafsack und schlief noch bis 9 Uhr, bevor ich stinksauer wieder auf dem gleichen Weg zurück nach Mauvoisin aufbrach. Bei meinem Ausgangspunkt angekommen, staunte ich nicht schlecht über den strahlend blauen Himmel. Zu einem späteren Zeitpunkt verrierten mir Einheimische, dass das Wetter ganz im Tal hinten immer etwas eigenwillig ist, während im ganzen Wallis die Sonne scheint.
Das einzig Positive, was ich von dieser verkorksten Tour mitnahm war, dass meine Ausrüstung auch das taugte, was sie gekostet hatte. Sowohl die Daunenmatte als auch der Daunenschlafsack in Kombination mit der Gore Tex Biwakhülle liessen mich bei Minustemperaturen und trotz Schneefall absolut konfortabel und trocken übernachten. Mit diesem positiven Testergebnis im Kopf konnte ich die Rückfahrt mit dem Auto doch noch einigermassen versöhnlich antreten, insbesondere als ich mir einen alten Berführer-Spruch in Erinnerung rief der in etwa so lautet: "Der Berg ist kein Frosch, er hupft dir nicht davon". Hoffen wir, dass dem so ist, denn dann werde ich im Sommer 2008 noch einmal einen Versuch unternehmen und darauf vertrauen, dass die Ruinette mir nicht nochmals die Nerven ruiniert...












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