Unser erster 4000er: Lagginhorn


Publiziert von Tasaio , 18. Januar 2012 um 10:22.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:24 September 2011
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 909 m
Abstieg: 909 m
Strecke:Hohsaas->Lagginhorn (Normalroute)->Hohsaas

Schon lange waren Hochtouren bzw das Bergsteigen Teil unserer Planung, doch nie ging es wirklich voran. Verschiedene Einzelprojekte wie unsere Sarek-Tour, Klettern oder Eisklettern, standen immer im Vordergrund. Diesen Sommer jedoch, Elminster fiel leider aus, zog Tasaio eine Woche Hochtouren Ausbildung bei einer Grindelwalder Bergschule in der Schweiz durch und lernte die Grundlagen der eigenständigen Planung sowie die Durchführung und Leitung einer Hochtour. Doch die Saison ging dann auch für dieses Jahr schon schnell dem Ende entgegen und wir einigten uns auf den letzten plausiblen Termin, auch wenn wir nicht mehr dran glaubten dieses Jahr noch einen Gipfel der Alpen zu erstürmen, war doch das Wetter in den vorherigen Wochen konstant mies.

Tasaio hatte schon ein wenig Erfahrung sammeln können (u. A. La Luette und Strahlegghorn) und so war das ganze kein absolutes Neuland. Für die Planung und das Ziel sahen wir daher und aus simplen Prestigegründen vom Breithorn ab, welches ja im Allgemeinen als DER Pussy-4000er in den Alpen angesehen wird und entschieden uns für das 4010 Meter hohe Lagginhorn. Der Plan sah vor am ersten Tag das Jegihorn (3206m) über den gleichnamigen Klettersteig zu besteigen und uns somit etwas an die Höhe zu akklimatisieren um am nächsten Tag dann unseren ersten 4000er anzugehen. Als der Termin dann immer näher rückte und die Wetterprognose nur Sonne versprach überdachten wir noch einmal unser geplantes Vorgehen. Realistisch gesehen würden wir keine Chance auf Eingewöhnung haben und somit machte es keinen Unterschied ob wir direkt mit dem Lagginhorn anfingen oder nicht. Nun hatten wir für den zweiten Tag die Wahl zwischen Klettersteig oder des Weissmies und somit die Option an einem Wochenende zwei 4000er anzugehen. Die Entscheidung war schnell gefällt!

Wir fuhren bei bestem Wetter Freitags los bis nach Saas-Grund um von dort aus mit der (fast) letzten Seilbahn bis zur Hohsaas zu gelangen. Wir überlegten einen Teil des Aufstiegs zu Fuß zu bewältigen doch trafen die richtige Entscheidung lieber von der Hütte aus schon einmal den Teil des Weges abzulaufen, den wir Tags drauf in der Dunkelheit zu bewältigen haben werden würden.  Wir checkten also schnell ein und machten uns sofort auf. Da die Steinmännchen uns recht gut den Weg wiesen war die Linie über Blöcke und Schutt relativ gut zu finden und wir kamen recht zügig am Sicherungskabel an, das ein Band am unteren Westgrat des Lagginhorn entschärfte, welches es zu queren gilt, möchte man auf den eigentlichen Zustieg über den Westsüdwestgrat gelangen.. Danach noch ein wenig Blockkletterei und der weitere Verlauf wurde fürs erste klar und wir drehten um, um Rechtzeitig zum Abendessen einzukehren.

Die Hohsaashütte ist Luxus pur! Durch die Lage als oberste Skistation mit Blick auf den Triftgletscher  ist die Infrastruktur eher für diese Art Touristen vorgesehen als für den gemeinen Bergsteiger. Neben dem modernen Restaurant gibt es komfortable 6er und 8er Zimmer mit abgetrennten Betten. Es gibt sogar warmes Wasser, auch in den Duschen (die allerdings leider defekt waren)…! Das Essen war durchgehend gut auch wenn es ein wenig an lokalen Genüssen mangelte. Trotz des riesigen Speisesaals  wurden, in alter Hüttentradition (gerne reden wir uns ein, dass die Gründe nicht putztechnisch bedingt waren), am Abend und zum Frühstück mit allen zusammen an einem oder zwei Tischen gespeist, was natürlich den Austausch mit dem anderen Gästen förderte. Nach zwei Gläsern Rivella ging es dann nicht allzu spät ins Bett um am nächsten Morgen um 5:30h aufzustehen und um 6:00h abmarschbereit zu sein.  Diese Planung funktionierte recht gut so dass wir mit vollem Magen gegen 6:10h loslegten.

Die Normalroute auf das Lagginhorn über den Westsüdwestgrat ist ein relativ einfacher Anstieg mit wenig Gefahrenpotential.  Die Route von der Hohsaas führt zunächst durch Blockfelder zum bereits beschriebenen Band. Danach steht eine Querung des durch den Klimawandel arg in Mitleidenschaft gezogenen Lagginhorngletschers an um zum Einstieg auf den WSW-Grat zu gelangen. Gut, dass wir den Vortag genutzt hatten um die Route zu erkunden, denn in der Dunkelheit waren wir froh in bekanntes Gebiet vorzustoßen und konnten im Notfall auf die gesetzten GPS-Referenzpunkte zurückgreifen. Kurz vor dem Eiskontakt löste sich die Mischabelgruppe mit Alphubel, Täschhorn, Dom, und Nadelhorn aus der Dunkelheit und wir begannen die Gletscher-Querung im Hellen. Dank der vielen festgefrorenen Steine, des Mangels and Schnee und verdeckten Spalten konnten wir auf Steigeisen und Seil verzichten.  Vorsichtig suchten wir uns unseren Weg an ein paar tiefen Schlünden vorbei und kamen endlich an den Fuß des WSW-Grates, der über seine flache Schulter vom Gletscher erreicht werden kann. Nach einem Geröllfeld wurde es blockiger und plattiger. Eine Stunde Marsch später, kurz nach einem markanten Gendarmen, konnten wir endlich einmal das Panorama auf der Rückseite des Grates genießen; über dem schönen Fletschhorn-Gletscher thront der Gipfel des Fletschhorns mit seinen (nur) 3984m. Die kleine Pause die wir dann einlegten tat gut und wir bereiteten uns vor die letzten steilen 450 Höhenmeter zu bewältigen.  Die Kletterei im Gneis erwies sich angenehmer als erwartet denn die großen recht glatten Platten waren mit großen Rissen durchzogen, die für einen guten Halt sorgten. Auch der restliche Fels war weniger brüchig als weiter unten und die (Tritt-)Sicherheit wuchs mit jedem Meter. Dennoch, es war kein Rennen und wir passten auf, eine langsame Geschwindigkeit beizubehalten und die Herzfrequenz so niedrig zu halten um im aeroben Bereich zu bleiben, was sich höhenbedingt als nicht einfach erwies – in Gipfelnähe war der Puls je nach Klettereinlage bei 170 und nicht bei den angestrebten 150.  Hundert Meter vor dem Gipfel begann das Gipfel-Firnfeld, oder zumindest war es das einmal. Durch die andauernde Trockenheit war nur noch aperer Firn vorhanden mit stellenweisem Blankeis.  Schön wäre etwas anderes gewesen!  Mit Steigeisen tasteten wir und langsam und sicher die letzten Züge hinauf bis hin zum Gipfelkreuz.  Vom Mone Rosa bis zum Jungfraumassiv war die Sicht frei, nur auf der Südseite der Alpen herrschte Stau und die ganze italienische Ebene blieb tief unter uns unter einer Wolkendecke verborgen. In der Sonne waren die Temperaturen auch in der dünnen Luft sehr angenehm und wir verweilten etwas länger am Gipfel um unseren ersten 4000er zu genießen. Neben Mittagessen und Siegerfotos hatten wir auch noch Handyempfang.

Eine Bergtour ist bekanntlich dann erst zu Ende wenn man wieder in der Hütte sitzt und so machten wir uns auf den Rückweg. Durch angeschmolzene Stellen im Firn war der Abstieg dort ein gutes Stück einfacher und wenig später kletterten wir die Platten ab. Unsere Wegfindung war jedoch suboptimal und wir verbrauchten recht viel Zusatzkraft. Endlich am unteren Ende des Grates angekommen legten wir eine kleine Pause ein, Wolken verdeckten nun den Gipfel und das Steinbombardement aus der Westwand wurde immer heftiger. Wir waren schon spät dran! Das am Morgen noch zusammengefrohrene Geröll war nun komplett instabil und bei der Überquerung der ersten Schneebrücke rollte gleichzeitig ein tonnenschwerer Block darüber in eine Spalte. Zum Glück hielt alles Stand. Der Steinschlag hatte sich ebenfalls beruhigt und so überschritten wir zügig das ebene Gelände auf dem Gletscher, dass im Vergleich zum Morgen viel rutschiger geworden war. Endlich erreichten wir auch das Kabel und schleppten uns den letzten Kilometer Richtung kühler Rivella. Kurz vor Ziel ließ ein kleiner Anstieg noch einmal den Puls unkontrolliert hochschlagen und es dauerte seine Zeit ihn wieder unter Kontrolle zu bringen aber es war vollbracht.

Ziemlich erschöpft warteten wir bis zum Abendessen, Tasaio war merklich fitter; der Schlafmangel hatte bei Elminster seinen Tribut gezollt. Die Zahl der Gäste war angestiegen doch viele wollten am nächsten Morgen auf das Lagginhorn oder zum Weissmies.

Tourengänger: Tasaio, Elminster


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