Le cycle d'orientation


Publiziert von Henrik Pro , 5. Januar 2012 um 22:15.

Region: Welt » Schweiz » Freiburg
Tour Datum: 3 Januar 2012
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-FR 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 150 m
Abstieg: 250 m
Strecke:Le Chatelard - Maules - Vaulruz
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Kartennummer:map wanderland

 .... nicht allzu zeitig unterwegs sein zu müssen, geht durchwegs gut, hält man sich z. B. an den Kollegen Zaza, der einen immer wieder vormacht, dass bei entsprechender ÖV-Vorbereitung auch noch ab dem mittleren Morgen eine gute Tagestour durchführbar ist, die nicht gleich vor der Haustüre liegt. Und mit dieser neuen Verbindung rückt z. B. Bulle und seine Umgebung ins Zeitfenster unter zwei Stunden ab Basel, dann liegt ein Mittagessen noch drin (also TuTen) und hernach 3 Stunden gemütliches Wandern, mit Rückankunft in Basel (bei fehlerfreiem Umsteigen vorausgesetzt) um 19 Uhr!  Zuerst hatte ich noch einen Arzttermin zu gewärtigen, anschliessend sass ich bereits um halb zehn im Zug nach Bern, danach im Interregio nach Fribourg, dann im Sprinter (der neu nach Bulle fährt) nach Romont und einige Minuten später im Bus nach Le Châtelard (Kanton Freiburg). Ich gab mir keine Mühe, mich den alugebürsteten Abfalleimern der SBB auf deren Perrons wie z. B.  in Romont zuzuwenden, was ich bei den Touren nach Rue bzw. Montbovon früher mal gemacht habe. Stattdessen suchte ich auf dem Bahnhofsplatz nach dem Bus, denn gleich 8 standen dort, doch die 471 fand ich nicht sogleich. Die Suche lag im Detail. Und im guten Gehör umstehender Chauffeure – so kam ich dann in kurzer Zeit nach  Le Châtelard. An Fahrgästen brauchte es bloss eine Hand! Was sich mir aber sofort eröffnete, war eine berauschende Landschaft, zumal es am 3. Januar schweizweit ein Prachtswetter war mit vielen Föhnfischen und mystischen Stimmungen. Der Bus schlängelte sich durch die Hügel um oder vor Romont, denn die Dörfer tragen den Zusatz „-devant“ oft im Namen wie z. B. eben auch Le Châtelard-devant-Romont. Gleich die zweite Haltestelle nach dem Bahnhof inspirierte mich zum Titel: Le cycle d’orientation – diesen Namen las ich auf dem funktionalen Blechhäuschen, das die Busstation auswies. Danach fuhr der Bus in X-Windungen durch kleine Weiler und Dorfgemeinschaften. Ich bat den Chauffeur mir zu bedeuten, wann das Dorfzentrum erreicht sein würde, obwohl auch eine digitale Anzeige im Innern vorhanden war. Ich wollte mir nicht erlauben, hier vorbeigefahren zu sein, nämlich mein Mittagsziel, das Hotel du Lion d’Or, das ich am 1. Januar auf meiner Inspektionsfahrt entdeckt habe, das Lokal mit dem Licht einer goldenen Mähne. Ich trat ein und erschrak ein wenig: ich war der einzigste Gast! Aufgetischt wurde banal aber sättigend ein Jambon d’os mit Pommes, als Nachtisch gab es ein Sterneis, mit Schoggi-Schnee drauf. Ich enthielt mich des Weingenusses, so alleine in einer Beiz war mir danach erstaunlicherweise nicht zumute. Das Lokal wird von einer arabischen Frau geführt, das seit 2000.
 
 .... ich schnürte meine Sherpajacke hoch, Handschuhe hervorgekramt und Wollmütze auf den Kopf und trat hinaus auf den Dorfplatz. Nach einigen Bildern der Umgebung stapfte ich los. Mein Kartenwerk steckte in einer Klarsichthülle, im Rucksack dabei aber die 50 000er Umgebungskarte.  Zwei Autos kreuzten noch meinen Weg bis auf Weiteres, danach war ich 2 ½ Stunden alleine unterwegs – niemanden begegnete ich, nicht mal in den beiden Dörfern, durch die ich kam..... 

 .... bedeutend irritierender war zu Beginn und das verhiess auch die Info einer Wanderung auf der Wandersite, dass in dieser Region die Wegbeschilderungen schlicht und ergreifend Zufallsbegegnungen seien...in der Tat, ich habe lediglich oberhalb Maules eins gesehen und gleich fotografiert! Aber, ich komme manchmal sehr gut zurecht ohne die gelben Rhomben – dieser Spaziergang heute war so einer, in der ich schliesslich zugeben kann, dass das Fehlen eigentlich ein Gewinn war. Denn ich wanderte romantisch gesprochen über Stock und Stein bzw. Feld und Wiese bzw. Moor und Eisenbahntrasse. Ich traf einen zum Glück an der Leine bellenden Hund, und aber keine Spur von dessen Herrlein...ich traf auf Pferde, die nicht in einer Koppel gefesselt waren, ich traf auf zwei Küngel, die das Weite suchten, als sie mich entdeckten, ich traf auf Eichelhäher, die miteinander krächzten und ich fand Stimmungen wieder, die ich so schon lange nicht mehr so wahrgenommen habe. Kurz, ein bedeutender Tag, der Dritte im ersten Monat des 2012 – was für ein fulminanter Beginn... Seegers Neujahrsvorsatz: „The right people in the right time“...ich würde auch schreiben: the right landscape on time. So wanderte ich von Le Châtelard nach Maules, an einsamen Landwirtschafts-gebäuden vorbei, eine Buvette (fermé l’hiver), durch gepflegten und eher wilden Wald, entlang eines Sumpfgebietes und kreuzte auch Wirtschaftswege, auf denen ich einen Fahrradfahrer entdeckte. Später, als ich Maules im Süden des Weilers verliess, eröffnete sich das Bassin, in dem Bulle lag und dahinter die wuchtige Masse des Molésons, nebst auch ein paar Dents und Vanils. Beim Holzkreuz schlug ich mich rechts haltend hinüber zum Weiler Vers chez Seydoux, an dessen Rand ich mir noch Les Mosses ansehen wollte – allerdings kam ich mit meinem heutigen Schuhwerk (siehe Pic) nicht weit, es gluckste und spritzte, hier wäre ich mit meinen Gummistiefeln eindeutig besser beraten gewesen. Im Rückzug, der sich daraus ergab, ergab sich ein Fotofinish, auf den ich hätte verzichten müssen, wäre ich im Moos stecken geblieben: die Kulisse der Berge, davor eine Cargo-Lok der SBB wie auch der RomonterSprinter hätte ich nie abbilden können.  Auch die mystischen Bilder gegen die Sonne wären gar nie in den Kasten gekommen. Ich näherte mich dem Ort Vaulruz, der gleich von zwei Linienbedient wird. Neu wieder die aktivierte Linie der SBB und der TPF (Palézieux – Bulle – Montbovon), letztere als Schmalspurstrecke, mit sehr altem Rollmaterial, aber mit dem Reiz des „Rumpelns“ und der Nachhaltigkeit, was eben das Material betrifft... Ich war ziemlich mit dem Fötele beschäftigt, sodass mir das „Züglein“ nach Bulle durch die Latten rasselte – daher nahm ich eine halbe Stunde später den nach Palézieux, und kam damit erneut in den Genuss des Abendrotes, das die Freiburger Voralpen beglühte. Im Zug Schüler und Erwerbstätige, die sich nach halb fünf Uhr auch schon wieder auf dem Heimweg befanden. Die Weiterfahrt gestaltete sich ideenreich: ich nahm zuerst den IC nach Romont, dann den Pendlerzug nach Fribourg, danach erneut einen IC bis Bern, dort den EC nach Basel und schliesslich die Tram Nr. 11, vom Aeschenplatz zum Denkmal wie täglich den 15er....überall waren müde Gesichter anzutreffen, sicher haben wenige das Abendglühen in sich aufnehmen können, die, die könnten, lassen sich bedröhnen und die, die weder das eine noch das andere können, schlafen ein...nebst ihren Lasten in den Gesichtern, lasten schwere Taschen und digitales Gerät auf Bänken, Sitzen und Lounges – „Bitte alle Billets“ ...erschallt es aus tiefer Kehle, ein Bariton?
 
 .... nach längerer Zeit bin ich erstmals wieder alleine losgezogen und habe eine Landschaft vorgefunden, die nach Vertiefung ruft..... 



Tourengänger: Henrik


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Kommentare (2)


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Pfaelzer hat gesagt: Genial
Gesendet am 5. Januar 2012 um 22:34
Tolle Bilder einer tollen Landschaft!
Da muss ich auch mal hin...

LG
Wolfgang

Henrik Pro hat gesagt: ..ja, ich war ja schon ein
Gesendet am 5. Januar 2012 um 22:36
wenig geeicht darauf...aber diese Weite und Dichte ist wirklich eindrucksvoll....hatten wir ja auch schon bei unserer Wanderung nach Rue erlebt...


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