Grosser Diamantstock Ostgrat


Publiziert von Alpin_Rise , 9. Oktober 2011 um 13:02.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum: 2 Oktober 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: V- (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Räterichsbodensee
Unterkunftmöglichkeiten:Bächlitalhütte SAC

„Mittellegigrat des Haslitals“ wird die Kletterei am Gross Diamantstock Ostgrat zuweilen gelobt. Auch wenn der Paradegrat am Eiger in Sachen Länge und Ausgesetztheit ein ganz anderes Kaliber ist, verdient die Granitkletterei im Bächlital das Prädikat „Sonderklasse“. Die Tour bietet in der Tat alles, was zu einer zugänglichen, trotz allem alpinen Kletterei gehört: Zugang und Abstieg über Gletscher, gute Absicherung und der phänomenale Granit ziehen in der Saison (zu) viele Seilschaften auf den Gross Diamantstock; man tut also gut daran, ein staufreundliches Zeitmanagement oder ein Trip in der Nebensaison zu planen.
 
Grandioser Grimselgranitgenuss!
 
Zustieg Von der sehr komfortablen, charmant geführten Bächlitalhütte geht’s zuerst auf gutem Pfad querend zum Gletscherboden hinunter. In einer halben Stunde erreicht man die Gletscherzunge und steigt in der Mitte, oben rechts (südlich) haltend auf Moränenschutt bis zum Gletscherbecken auf 2600m auf. Dank freundlichem Split und Geröll ohne Steigeisen machbar. Dort peilt man die Moräne (Beginn ca. bei 662.475/160.425) an und steigt den Steinmännchen folgend in einem Bogen westwärts ausholend, im Mittelteil steil, zum Einstieg in die Undri Bächlilicken. 1:30 bis 2 Stunden ab Hütte.
 
Kletterei Der erste Gratturm serviert gleich die schwierigste Länge, eine Einzelstelle beim ersten Borhaken ist vor allem in Bergschuhen nicht ganz ohne (5-). Stand unter der Turmspitze, die mit einem originellen Move bzw. den vorhandenen Reepschnüren A0 knapp unter der Spitze gequert wird.
Jetzt folgt ein leichteres Gratstück, mit Passagen im 2. und 3. Grat bis zu einer kurzen 5m Abseilstelle (kann auch im 5. Grad abgeklettert werden), wo auf der Gegenseite wieder fantasievoll hinaufgeklettert wird. Weiter in einer sehr schönen Länge auf der Südseite traversierend wieder auf den Grat. Blockgrat bis zum 3. Grad zur hübsch ausgesetzten, berühmten Passage vor dem Notausstieg, welche erst auf der Südseite traversiert und dann an der scharfen Kante abgeklettert wird (4. Grad).
Nun folgen zwei bis drei phänomenal schöne Längen im vierten Grad an der Schneide bzw. in der Südflanke. Nun ists nicht mehr weit zum Gipfel, am besten bleibt man direkt am Grat (nicht wie wir, wir leisteten uns einen kleinen Verhauer in die Südflanke ) und erklettert die letzten 15 Meter entweder
a) durch einen cleanen Riss (3-4) auf der Südseite oder
b) über leichtes Blockgelände in der Nordflanke.
Am kleinräumigen Gipfel herrliche Aussicht zu den Berner Riesen und in den Gaulikessel!
 
Abstieg über den SW-Grat (II-III, schöne Kraxelei) oder in auf und ab auf Bändern in der Westflanke (T5, Steinmänner) bis zu einer blockigen Passage, wo der Grat nach Süden verlassen werden kann. Steil, dann durch eine Rinne, bald flacher über eine Terasse nach Nordosten zu einer Gruppe Steinmännern. Dort beginnt das Band bzw. später die Rinne, die zum Gletscher hinunterführt. Die Abseilstelle am Ende kann auch abgeklettert (II-III) werden. Über den Gletscherrest (oben bis 35° steil!) nach Nordosten, danach über Schliffplatten und Blockwerk bis man auf 2700m das zum Einstiegsweglein antrifft. 
 
Absicherung: in den schwierigeren Stellen im 4. Grad nach Plaisir „gut“ abgesichert, dazwischen hats aber wenig fixes Material.
 
Material: Wir benötigten keine Friends oder Keile und sicherten im Blockgelände mit Schlingen oder entsprechender Seilführung am halblangen Seil. Schlingen, zwei, drei kleinere Friends und ein kleines Keilset genügen. Falls sie die Abseilstellen im Abstieg abklettert werden, genügt ein 35m Seil, sonst 50m.  (Leicht-)Steigeisen und Pickel sind für den steilen Gletscherrest obligatorisch, ausser man trifft auf guten Trittschnee.
 
Zum Zeit- und Staumanagement: Der Grat ist zu Recht sehr beliebt, allein ist man selten unterwegs. Zudem prädestiniert die relativ anspruchsvolle Einstiegslänge für einen ordentlichen Stau. Entweder steht man früh auf, dann ist der Zustieg im Dunkeln nicht ganz einfach zu finden, oder reiht sich ein.
Ein Hoch auf die Bächlitalhütte: Dort lässt sich die Frühstückszeit frei wählen, die einen gingen nach 4 Uhr los, andere um 5, wir starteten kurz vor 6 Uhr, damit wir bei Sonnenaufgang um 7.30 einsteigen können. Das heisst könnten, denn es stehen bereits 3 Seilschaften bereit.
Um 8 steigen wir dennoch ein, direkt auf die Überholspur, um bei der Abseilstelle – vielen Dank! - als erste passieren zu dürfen. Gipfel um 10.30 (inkl. einer längeren Pause, wir waren mit einer reinen Kletterzeit von gut 2 Stunden für den ganzen Grat bestimmt eine der schnelleren Seilschaften).
Den kleinräumigen Gipfel geniessen wir eine halbe Stunde lang – bei Kaiserwetter und T-Shirttemperaturen Anfangs Okotober!
Die 5-6 Stunden des SAC Gebietsführers von der Hütte bis Gipfel sind realistisch. Hingegen sind die 5-6 Stunden reine Kletterzeit und  4-5 Stunden Abstieg im Plaisir West - für Seilschaften, die dem Gelände gewachsen sind – vermessen lange. Der Abstieg zur Hütte braucht ohne Trödeln gute 2 bis 3 Stunden.

Tourengänger: Alpin_Rise


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Kommentare (3)


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kleopatra hat gesagt: Wow ...
Gesendet am 9. Oktober 2011 um 16:39
da juckt's ja ordentlich in den Fingern bei diesem tollen Grat. Die Kombination mit 'Sir Elias' ergibt ja ein perfektes Wochenende auf der Bächlitalhütte. Danke für die schönen Berichte! lg kleo

Alpinist hat gesagt: Cooli Tuur
Gesendet am 23. Januar 2012 um 19:48
Hab erst jetzt gesehen.

Super Tuur, gratulierä.

Gruess cornel

Alpin_Rise hat gesagt: Hin mit euch!
Gesendet am 24. Januar 2012 um 09:47
Die Tour würde euch bestimmt gefallen - abgesehen von der Einstiegslänge und den wenigen Viererstellen geht das für euch wie am (laufenden) Schnürchen (bzw. gar ganz ohne "Schnürchen"?).
Einfach auf eine gute Logistik achten bzw. auf einen wenig frequentierten Tag warten.

G, Rise


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