3x Horn: Üssers Barrhorn (3610m) / Inners Barrhorn (3583m) / Schöllihorn (3499.8m)


Publiziert von Mistermai , 13. September 2011 um 21:05.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:10 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV bis Visp - mit reservationspflichtigem Bus bis Turtmann - Seilbahn - Bus bis Gruben
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Autostopp bis Leuk - ÖV via Visp zurück in den Aargau

An diesem Wochenende stand das für uns der angeblich höchste Wandergipfel Europas (ich weiss, es gibt da einige Diskussionen...) auf dem Programm.

1.Tag (Gruben-Turtmannhütte mit Abstecher Turtmanngletscher)

Nach einer fast schon abenteuerlichen ÖV-Anreise bis Gruben VS (In einem VW-Büsschen von Visp nach Turtmann und danach mit einer Selbstbedienungsgondel weiter) stiegen wir 500m hinauf auf den Höhenweg in Richtung Turtmannhütte. Dieser Weg ist sehr schön und abwechslungsreich. Er führt ohne grosse Höhenunterschiede bis zur "Talstation" des Materialbähnchens für die Turtmannhütte. Wir deponierten hier 2 unserer 3 Rucksäcke und stiegen hinab zum Stausee, wollten wir uns doch noch das Gletschertor des Turtmanngletscher anschauen.

Vom See führt zuerst ein Weg in Richtung Turtmanngletscher, dieser verliert sich dann aber relativ bald und man muss sich selbst einen Weg suchen. Dieses Vorhaben dürfte bei normalen Verhältnissen auch nicht so schwierig sein. Da es am Samstag aber sehr warm war, war der gletschergespiesene Bruneggbach ziemlich angeschwollen und das Überqueren erforderte einiges an Sprungkraft...

Das Gletschertor selbst war dann wenig spektakulär, da es eingestürzt war, trotzdem ist die Gletscherzunge eindrücklich, auch wenn sie aus einiger Distanz ziemlich verkümmert aussieht. Für uns ging es bald in Richtung Turtmannhütte, wollten wir da ja noch vor dem Nachtessen einen Geo-Cache suchen...

Der Aufstieg zur Turtmannhütte ist nicht weiter nennenswert, ebenso wenig wie der Geo-Cache den wir in nicht mehr als 5 Minuten gefunden hatten :(
Am Abend konnten wir von der Hütte aus noch 2 kleinere Gletscherabbrüche am Turtmanngletscher beobachten, deren akustisches Ausmass weit eindrücklicher war, als das, was man wirklich sah.

Um 8 Uhr (2h nach dem Nachtessen) traf noch ein Wanderer in der Hütte ein, der den Weg von Turtmann (630m) bis zur Hütte (2519m) ziemlich unterschätzt hatte...

2.Tag (Turtmannhütte  - Üssers- & Inners Barrhorn - Schöllihorn - Vorderes Sänntum)

Wir entschieden uns, wie auch etwa 10 weitere Barrhorn-Wanderer, bereits um 5 Uhr zu frühstücken, da die Wetterprognosen für den Nachmittag nicht gerade rosig waren.
Wir machten aber einen taktischen Fehler: Da wir es recht gemütlich nahmen mit dem Morgenessen, starteten wir praktisch als letzte dieser Morgeness-Schicht. Kurz vor dem Gässi hatten wir dann zu einem Grüppchen aufgeschlossen, das die ganze Sache sehr gemütlich anging und da Überholen kurz vor, im und kurz nach dem Gässi kaum Möglich ist (es sei denn die Vorderen machen Platz, was bei uns nicht der Fall war) waren wir gezwungen die ersten 20min der Wanderung ziemlich gemütlich zu nehmen.

In der Folge wählten wir auf 3090m, anders als alle Anderen, den direkten Aufstieg zum Üssere Barrhorn und waren nach 8:30 als erste auf dem Gipfel. Trotz kalter Temperaturen genossen wir einen ausführlichen Gipfelrast mit Ausblick auf den Mont Blanc, den Dom, das Bietschhorn, das Weisshorn, das Bishorn (wo wir eine Gruppe aus der Hütte, die um 2:30 gestartet war beim letzten Aufstieg beobachten konnten) und vieles mehr.

Die Wege sind auch auf dieser Höhe sehr gut unterhalten und problemlos machbar. Wir machten uns bald auf in Richtung Schöllijoch, mit einem kurzen Stopp auf dem Inneren Barrhorn. Auf dem Schöllijoch beschlossen wir, das Schöllihorn noch anzuhängen. Beim anscheinend viel seltener begangenen Aufstieg philosophierten wir darüber, wer wohl herausgefunden haben mag, dass das Schöllihorn 20cm weniger als 3500m hoch ist.

So war dann auch das erste was wir machten, als wir auf dem Gipfel waren, einen 20cm dicken Stein auf das Gipfel-Steinmannli zu legen. Nun standen wir also auf einem 3500er... :D
An diesem Tag waren wir wohl die einzigen, die diesen Gipfel anhängten, was wir nicht ganz verstanden. Denn auf dem Schöllihorn hat man einen noch atemberaubenderen Blick auf die Bishorn-Nordflanke und die Gletscherwelt als auf den Barrhörnern.
Unterdessen war es so warm, dass wir hier auf 3500m im T-Shirt und den kurzen Hosen unser Mittagessen genossen. Am Bishorn konnten wir immer noch die hinterste Seilschaft im Abstieg beobachten, die anderen waren bereits weg.

Um etwa 11:20 flog dann ein Hubschrauber der Air Zermatt ganz tief über uns hindurch zum Bishorn, wo diese Seilschaft im Abstieg war. Ob es sich dabei um eine Rettung gehandelt hat, konnten wir jedoch nicht genau sehen.

Um 11:45 nahmen wir den Abstieg in Angriff und nach einer grösseren Pause in der Turtmannhütte und dem Abstieg über den Steinmannliweg (2. Hüttenpfad) trafen wir um 15:00 im Vorderen Sänntum ein.

Schon beim Abstieg hatten wir beschlossen, den ersten Teil der Heimreise per Autostopp zurückzulegen zu versuchen. Beim vierten Auto hatten wir Glück und ein junges Pärchen ohne jegliche Deutschkenntnisse nahm uns mit. Sie fuhren weiter, als würden wir nicht im Auto sitzen und plauderten miteinander in sehr undeutlichem Französisch, dabei wussten sie gar nicht, wo wir hin wollten, bzw. wo sie uns ausladen sollten.

Irgendwann packte ich dann mein bestes Französisch aus (das immer noch ziemlich schlecht ist) und fragte die beiden, ob sie uns an irgendeinem Bahnhof ausladen könnten, sie sagten "oui" und fuhren weiter. Nach geschätzten 40min luden sie uns dann in Leuk am Bahnhof aus, ohne dass wir auf der Fahrt ein weiteres Wort miteinander gesprochen hätten :D


FAZIT: Bei guten Verhältnissen sind die Barrhörner Wandertechnisch kaum eine Herausforderung. Die Wege sind top unterhalten. Jedoch sollte der konditionelle Aspeckt nicht vernachlässigt werden, gerade wenn man auch noch das Schöllihorn anhängen will.


Tourengänger: Mistermai, Timon, fricker

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