Rosatsch-Überschreitung


Publiziert von Tobi , 1. September 2011 um 23:11.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:10 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Bernina-Gruppe   Corvatsch-Sella-Gruppe 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:20km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo St. Moritz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo St. Moritz

Da mein Läuferkollege zurzeit in St. Moritz im Trainingslager weilt, erhalte ich die Möglichkeit in seinem grosszügigen Appartement zu übernachten und eine Tour im schönen Engadin zu machen. So reise ich Dienstagnachmittag gemütlich ins Oberengadin, um am Mittwoch die Rosatsch-Überschreitung in Angriff zu nehmen.

Kühle 5 °C empfangen mich, als ich morgens das Appartement in St. Moritz Bad (1769m) verlasse. Zügigen Schrittes geht es zu den Wanderwegen, die sich durch den idyllischen Lärchenwald an der schattigen Talseite ziehen. Ich schlage ein hohes Tempo an und gewinne so gegen die Kälte und auch rasch an Höhe. Auf etwa 2100m lasse ich den Wald hinter mir und steige weiter auf dem Bergwanderweg Richtung Piz Mezdi hoch. Auf der Aussichtskanzel bei Pt 2832 treffen mich endlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen: Zeit für eine Pause. Mit den kalten Fingern gelingt es mir nur mit Mühe die Jacke anzuziehen und den Getreideriegel auszupacken. Handschuhe wären heute kein schlechter Begleiter.

Auch die letzten Höhenmeter zum Piz Mezdi (2992m) bringe ich zügig hinter mich und erreiche nach etwas mehr als zwei Stunden den Gipfel. Oben empfängt mich ein schönes Kreuz, welches gemäss Gipfelbuch erst am letzten Wochenende errichtet worden ist. Mit klammen Fingern kritzle ich einige Worte ins fast noch jungfräuliche Gipfelbuch. Hier geniesse ich ausgiebig die Aussicht auf die Gletscherwelt des dominierenden Piz Roseg und Piz Bernina.

Nach einer kurzen Pause geht es auf gut erkennbaren Pfadspuren und den Steinmännchen folgend weiter dem Grat entlang. Vor dem Piz Rosatsch (3123m) sind die ersten einfachen Kletterstellen zu meistern und schon stehe ich auf dem ersten 3000er des heutigen Tages. Nur ein schlichter Steinhaufen markiert diesen Namensgeber der gesamten Kette.

In anregender Kraxelei geht es weiter auf dem Grat. Der Piz San Gian (3134m) wird überschritten, gefolgt vom namenslosen Pt 3185 und bald stehe ich auf dem höchsten Gipfel des heutigen Tages: dem Piz Surlej (3188.4m). Bei strahlendem Sonnenschein und atemberaubendem Panorama, welches sogar Walliser 4000er am Horizont erahnen lässt, geniesse ich die Mittagsrast.

Der weitere Gratverlauf über den Munt Arlas sieht von hier oben nicht sehr einladend aus. Dennoch wage ich einen Versuch. Die Kletterei ist hier etwas anspruchsvoller und schon bald ist die Schlüsselstelle erreicht. Zuerst muss eine ausgesetzte und leicht abweisende Felsplatte gequert werden, um anschliessend ein Felswändchen (ca. 3m, III) zu überwinden. Das hier installierte Fixseil leistet wertvolle Dienste. Absteigen möchte ich darüber aber definitiv nicht. Im Folgenden müssen noch einige Gratzacken um- oder überklettert werden, bevor der Gipfel des Munt Arlas (3127m) erreicht wird.
 
Für den Abstieg folge ich dem Südgrat und muss dabei noch eine ausgesetzte II-Kletterstelle meistern. Doch bald befinde ich mich auf den flachen Weiden der Mandra da la Bes-cha und somit wieder auf sicherem Gelände. Auf dem Fourcla Surlej (2755m) kehre ich ins Bergrestaurant ein und gönne mir einen Kaffee mitsamt dem für mich in dieser Gegend obligaten Stück Bündner Nusstorte.

Fast schon im Laufschritt marschiere ich auf dem Bergwanderweg runter zum Lej dals Chöds (2153m) und durch den inzwischen - im Gegensatz zum Morgen - angenehm kühlen Lärchenwald wieder zurück nach St. Moritz Bad (1769m). Fast Punkt Vier Uhr treffe ich wie angekündigt bei meinem Kollegen im Appartement ein. So bleibt mir noch genügend Zeit für eine Dusche, das Packen, den Spaziergang zum Bahnhof und zum Abschied noch ein Calanda mit meinem Läuferkollegen (er natürlich ein Rivella) am Bahnhofsbuffet, bevor ich die lange Zugsfahrt zurück nach Luzern antrete!


Fazit: Eine traumhafte und intensive Tour, welche mir wieder die Schönheit des Engadins vor Augen geführt hat. Ich freue mich schon auf das nächste verlängerte Wochenende in diesem Gebiet. Vielen herzlichen Dank nochmals an Stefan für die Übernachtungsmöglichkeit!

Tourengänger: Tobi

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