UNESCO-Weltnaturerbe "Glarner Hauptüberschiebung", Runde mit Martinsloch, Laaxer Stöckli & Ofen


Publiziert von PStraub , 30. August 2011 um 19:59.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:30 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Segnas-Vorabgruppe 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 2150 m
Abstieg: 2150 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Elm - Zündli
Unterkunftmöglichkeiten:Mountain Lodge Segnaspass; Martinsmadhütte; Nideren-Beiz
Kartennummer:1174

OK, die korrekte Bezeichnung ist natürlich "UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona". 
Aber wichtiger als der korrekte Name war mir heute der Rucksack voller Steine, den ich von meiner Runde um die Tschingelhörner zurückgebracht habe.*
 
Gestartet war ich mit dem Bähnli, das mich um 07:15 Uhr nach Tschinglen brachte. Das Wetter sah eher bedenklich aus, die Wolken-Untergrenze lag bei rund 1200 m. Ich hoffte, es wäre Hochnebel - und sollte recht behalten. Doch es dauerte, bis ich darüber war, die Nebelschicht war fast 1000 m dick.
Unterwegs habe ich einen Gamsbock beobachtet, der vermutlich Gamsblindheit hat (grassiert dort oben derzeit wieder einmal).
 
Zügig stieg ich bis zur Hütte bei der Segnas-Passhöhe, wo gerade ein paar Übernachter am Aufbrechen waren. Dort sah ich auf dem Tisch eine Routenbeschreibung zum Martinsloch - auf der Bündner Seite. Das wunderte mich, denn offiziell ist diese Route wegen Steinschlag und einem Abbruch im Aufstieg gesperrt.
 
Das musste natürlich verifiziert werden, also dort rauf. Auf dieser Seite war ich schon lange nicht mehr hochgestiegen, aber für mich sah es aus wie früher. Keine markanten Abbrüche, kein markanter Steinschlag. 
Klar, alles darüber ist ein fürchterliches Gelötter, da kann immer etwas kommen. Aber wir sind hier in Flysch und Verrucano, beides bezüglich Verwitterungsbeständigkeit nicht gerade hochgerühmte Gesteine.
 
Beim Aufstieg bin ich zuerst der Wand folgend deutlich zu hoch aufgestiegen, dass ich das Band von oben anschauen konnte. Erst anschliessend bin ich ins Loch rein. Dort hat es mittlerweile sogar ein "Gipfelbuch". 
Wertung: T5.
 
Der nächste Test war der Aufstieg Richtung Grischsattel durch Il Vonn. Offiziell gibt es den Weg nicht, er wird aber regelmässig gemacht, denn diese Variante ermöglicht eine schöne Rundtour mit Abstieg zur Martinsmadhütte.
Der Aufstieg verläuft durch wenig steile, meist gut gesetzte Schutthänge. Für den Ausstieg auf das Plateau auf gut 2500 m bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten an. 
Wertung: ein knappes T4.
 
Von diesem Plateau schräg hinauf nach La Siala und von dort durch die Südflanke aufs Laaxer Stöckli. Das wäre ein schöner Aussichtspunkt. Wäre, denn der (laut Prognose heute nicht existierende) Wind peitschte ständig (laut Prognose nicht existierenden) Nebel über die Grate.
Also kurz ein Foto vom - für einen Fast-3000er - kümmerlichen Steinmann und dann über den Nordgrat runter zum Grischsattel (P. 2760). Das ist alles leicht begehbarer Flysch, nur bei zwei kleinen Aufschwüngen muss man ein wenig aufpassen, wo man hintritt. 
Wertung: Südflanke T3, Nordgrat T4.
 
Vom Grischsattel noch schnell auf den Ofen, wegen der eindrücklichen Aussicht. Davon sah man heute nicht allzuviel, aber das Wenige liess ahnen, wies sein könnte.
Wertung: T2.
 
Im SAC-Führer steht, die Wege vom Grischsattel zum Ofen und zum Laaxer Stöckli seien blau-weiss markiert. Das war damals auch so geplant, wurde aber nie gemacht. Und es würde auch nichts bringen: Die Auf-/Abstiege sind einfach und offensichtlich.
 
Hingegen gibt es einen blau-weiss markierten Weg Richtung Bündnerbergfirn, von wo man ua. via "Schwarzwändli" ebenfalls zur Martinsmadhütte absteigen kann.  
 
Normalerweise würde man vom Ofen direkt zum blau-weiss markierten Weg Richtung Martinsmadhütte absteigen. Das war mir aber zu heikel. Die Sicht war zweifelhaft, ständig drückte der Nebel, und hier in den Nordflanken lag dazu noch Schnee. Darum also brav zurück zum Grischsattel und von dort dem (teilweise wirklich ausgesetzten) Weg entlang.
Wertung: bei optimalen Verhältnissen ein gutes T3, heute teilweise näher bei T5.
 
Natürlich habe ich mir nicht nur die Haxen krumm getreten. Ich habe fleissig Steine geklopft/gesammelt, bis mir der Rucksack fast bis zu den Knien runter hing. Ich habe die Glarner Hauptüberschiebung vor Ort studiert. Und ich habe bei der Hüttenwartin der Martinsmadhütte ein Stück noch ofenwarme Linzertorte verdrückt. Das war die zeitliche Abfolge ..

* Dort oben Steine sammeln steht im Zusammenhang mit der Ausbildung zum
   'Geo-Guide', die ich und gut 20 andere derzeit absolvieren. Geo-Guides sollen
   Interessierten das Besondere im UNESCO-Welterbe und im Geo-Parks Sardona
   zeigen / erklären / nahe bringen.
 
Fazit des 'Feldversuchs': Die Runde Tschinglen - Segnaspass - Il Vonn - Grischsattel - Martinsmadhütte - Tschinglen ist in einem Tag gut machbar, lässt reichlich Raum für "Erweiterungen" und ist technisch nicht allzu anspruchsvoll.

Tourengänger: PStraub

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Kommentare (4)


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kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 30. August 2011 um 20:35
> Unterwegs habe ich einen Gamsbock beobachtet, der vermutlich Gamsblindheit hat (grassiert dort oben derzeit wieder einmal).

Solange Schafe und Ziegen unbeaufsichtigt, wild gesömmert werden, wird sich die Gamsblindheit bei den Gemsen nicht bessern.

alpinos hat gesagt:
Gesendet am 30. August 2011 um 20:37
Hallo,

Wir haben neulich am Chüeplanggenstock im Voralptal auch eine Gams beobachtet, die arg orientierungslos und unsicher ziemlich bedauernswert über die Felsen gestolpert und geschlittert ist und uns im Nachhinein gefragt, ob das wohl ebenfalls ein Fall von Gamsblindheit war. Weiss jemand, ob diese Krankheit zur Zeit auch in den Urner Bergen grassiert?

Viele Grüsse,

Anna & Robert

PStraub hat gesagt: RE: Gamsblindheit
Gesendet am 31. August 2011 um 08:22
Ruf doch die kantonale Jagdverwaltung an, die wissen das.
Und sie sind in der Regel für Standortmeldungen dankbar.

alpinos hat gesagt: RE: Gamsblindheit
Gesendet am 31. August 2011 um 08:24
Vielen Dank für den Hinweis mit der Jagdverwaltung.

Gruss, A&R


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