Die Mythen-Trilogie --der hikr-Klassiker


Publiziert von quacamozza Pro , 27. Mai 2011 um 10:50.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:24 Mai 2011
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Mythengruppe   CH-SZ   Alptaler Berge 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1200 m
Strecke:Haggenegg-Haggenspitz N-Grat-Kleiner Mythen-Vorgipfel-Zwüschet Mythen-Chalberstöckli-Groß Mythen-Rot Grätli-Schafweg-Holzegg-Haggenegg
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Schwyz auf der Bergstraße zur Haggenegg (1414m) - Achtung: Momentan finden im Bereich Uzenboden Bauarbeiten statt: Dadurch kann es zu Stau und Wartezeiten kommen, unter der Woche nur einige Minuten
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Haggenegg Tel. 041-8111774 mit Zimmern und Schlafraum
Kartennummer:LK 1:25 000 Nr.1152 Ibergeregg

Hallo Claude,
ich habe Deinen Eintrag im Gipfelbuch des Klein Mythen gefunden und Dich von der Haggenegg aus gesehen. Viele liebe Grüße und Glückwünsche - vielleicht hast Du Lust auf eine (weitere) gemeinsame Tour? Melde Dich einfach hier!  


Obwohl an dieser Stelle schon sehr ausführlich diverse Varianten der Mythen-Gesamtüberschreitung beschrieben worden sind, hier nochmal alles Wesentliche:

Intro:
Die Tour ist für größere Gruppen ungeeignet, da man zuviel Zeit braucht. Eventuell auf den Groß Mythen verzichten. Meine persönlichen Gehzeiten sind guter Durchschnitt für Alleingänger, die etwas Training absolviert haben. Die ganz geübten Kletterer brauchen kein Seil. Sicherung ist sowieso nicht so einfach im grasdurchsetzten Fels. Ich selber führe für alle Fälle immer ein 30m-Seil, Selbstsicherungen, Abseilgeräte, Schlingen usw. mit. Ein Helm ist gut, wenn viel los ist, insbesondere im Chämi. Für die Tour ist eine Top-Kondition nötig. Vor allem die Flüssigkeitsaufnahme ist wichtig (im Sommer mindestens 3 Liter mitnehmen), da es oftmals sehr warm wird im Laufe der Unternehmung. Leistungseinbußen können hier einen Gipfel kosten. Ich spreche da wirklich aus Erfahrung, wenn ich 15 Jahre zurück denke.

Für mich war es die zweite Mythen-Trilogie: Im Vergleich ist der Aufstieg durch den Affengarten und Abstieg auf dem Grüeziweg deutlich kürzer als die jetzt durchgeführte Variante (ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde).


Haggenegg - Haggenspitz N-Grat
III+ im Müllerkamin, sonst anhaltend II+ und T 6; rot markiert vom Einstieg

Zeitbedarf: 1 Std 03 Min , Gipfelpause 40 min

Vom Parkplatz des Berggasthauses Haggenegg sieht man einen Holzpfosten, der oben rot-weiß markiert ist. Dort beginnt der Weg durch den Wald, zunächst flach, fast immer in nassem Zustand. Ich habe ihn während meiner mittlerweile 7 Nordgrataufstiege morgens NIE ganz trocken erlebt, deshalb habe ich immer Werkzeug dabei, um die Schuhe später vom Schmutz befreien zu können ;-). Viele wechseln aber auch am Müller auf die Kletterfinken, was nicht nötig ist.
Nach einer Viertelstunde Vorgeplänkel und Warm-Up wird's an der Abzweigung zum Schärsackzahn deutlich steiler. An einem markanten Felsen mit roter Markierung rechts vorbei (hier guter Anseilplatz). Weiter über eine steile Grasplanke und etwas rechts haltend teilweise über glattgetretene Felsen in ordentlicher Steigung hoch (II+), bis man einen Absatz schon über dem Schärsackzahn erreicht. Hier den Wegspuren folgen aufwärts bis zur auffälligen ausgesetzten Linkstraverse (Pfeile, Aufschrift SPITZ).
Die Traverse ist in trockenem Zustand leicht, danach geht's aber wieder im oberen zweiten Grad zur Sache, teilweise recht luftig, aber immer in netter Kletterei. Auf dem anschließenden Gratstück findet man im Gras gute Trittspuren und kommt so schnell höher, bis man nach einer guten Dreiviertelstunde (auf etwa 1700m) die Wahl hat: rechts durch eine kleine Lücke kurz absteigen zum Müllerkamin oder die Umgehung im geneigten Gras und darüber zu erkletternden einfacheren Kaminen.

Ich entschied mich wie immer für den (oder das) Müllerkamin: Der Fels ist etwas abgetreten, aber gut kletterbar. Wenn man oft durch den Kamin geklettert ist, dann sitzen die Griffe und Tritte wie automatisch. Aber auch für Neulinge ist der Kamin gut zu schaffen: NUR MUT! Ausnahme: In Höhe des Hakens rechts an der Wand könnte es etwas kribbeln. Hier hilft ein gestärkter Latissimus. Der Rucksack stört ganz unten je nach Volumen etwas. Oben befindet sich ein guter eingerichteter Stand, Zwischensicherungen sind auch überall möglich. Die folgende Stufe, etwa 10 Meter hoch, ist wieder II+ und nicht ausgesetzt. 

Man erreicht den Grat und folgt diesem in anregender Kletterei zum großen Gratturm (Gedenktafel). An diesem links vorbei, kurzer Abstieg in sehr abgespecktem Fels (II+) und nach links halten an den Gipfelaufbau. Vom Turm kann man auch (das ist mir das erste Mal unabsichtlich passiert) direkt gerade den Gipfel angehen: Über die Platte, dann zunächst leicht hoch, bis der Riss rechts aufwärts richtig heftig wird, dort stecken zwei alte Normalhaken. Deutlich schwieriger als der Normalweg (IV), aber lohnend.
Ansonsten den Gipfelaufbau durch kleine Rinnen bis zu einem guten Stand hoch (II). Dann rechts aufwärts über eine kurze etwas abdrängende Stelle (III-) in leichteres Gelände. Die Stufe noch vollends weiter hoch klettern (II), bis man den Gipfelgrat etwa 30 Meter westwärts vom Kreuz erreicht. Über blockige Stufen zur Einmündung des Südgrataufstiegs und zum Gipfel. 


Haggenspitz-Griggeli-Klein Mythen Hauptgipfel
III und II+ im Mythenkamin, I-II am Haggenspitz S-Grat und Gehgelände T 5

Zeitbedarf: 32 min , Gipfelpause 30 min

Vom Gipfelkreuz südwestwärts haltend (rechts abwärts) durch Schutt, dann durch die Südwandrinne, 2 SL immer in der Nähe des Grates. Kurze hohe Stufen mit abgegriffenen Stellen können hier am nächsten Tag Muskelkater verursachen. Die Markierungen (häufig rote Pfeile) sieht man von oben nicht. An einer Baumgruppe scharf links hinunter und sofort rechts unten auf roten Markierungspunkt achten, sonst kommt man einige Meter zu tief herab. Wichtig ist, den schmalen Felsspalt zu finden (Gasse; rot mit Punkten markiert), dort passt genau eine Person durch. Weiter über glatte Felsstufen und Gras (Trittspuren) in gleicher Höhe zum Griggeli (1660m).

Vom Griggeli der Wegspur folgen (Aufschrift K.M.) bis kurz vor einer auffälligen Scharte. Hier rechts auf Wegspuren im Geröll zum Beginn des Mythenkamins. Dieser bietet im unteren Teil mäßige, im oberen Teil ziemlich schwierige Kaminkletterei. Der Ausstieg rechts ist dabei viel anspruchsvoller als der Abgang nach links vor dem Ende des Kamins. Also: Warmduscher nach links, Profis rechts. Da das Gelände etwas brüchig ist, sollte man vorher den Helm aufsetzen bei Vorauskletternden. Gut 1 SL, dann ist der Spaß schon wieder vorbei und nach wenigen Höhenmetern rechts der Gipfel erreicht.


Klein Mythen Hauptgipfel-Vorgipfel P.1763-Zwüschet Mythen-Einstieg Chalberstöckli
II (Stellen) am Übergang zum Vorgipfel und T 4

Zeitbedarf: 50 min , kurze Pause

Vom Hauptgipfel den Wegspuren in einer Linksschleife nach unten und über geröllbedeckte Stufen zu einer schrägen plattigen Wandstufe (Schlüsselstelle des Weges zum Vorgipfel; II). Rechts ausholend ausgesetzt über die Stufe abwärts. Der direkte Abstieg am und im Riss ist III-.

Nun rechts über ein abwärts verlaufendes Band zu Wegspuren und diesen folgen bis zum Vorgipfel (knapp 15 min). Eine kurze Steilstufe wird aufwärts erklettert, II, Sicherungskette.
Auf gutem Weg leicht nach Zwüschet Mythen hinab und auf breiter Spur um den Fuß des Großen Mythen herum zum Geröllhang, der vom Chalberstöckli herabkommt.


Großer Mythen NE-Grat (Chalberstöckli-Route)
III- oben in der Traverse, Stellen II+ und II sowie sehr anspruchsvolles Gehgelände T 6; ab oberem Ende der Geröllhalde mit pinken Punktpfeilen markiert

Zeitbedarf: 1 Std 15 min , Gipfelpause 45 min

Soweit wie möglich links haltend die Geröllhalde hoch. Sich hernach gegen die Mitte haltend, erreicht man einen Felsblock mit der pinken Aufschrift NE-Grat samt Punktpfeil.
Dann den Markierungen über eine Grasflanke schräg aufwärts folgen und in felsdurchsetztem Gelände (hier traf ich einige Gemsen) in die Scharte zwischen Chalberstöckli rechts und Nordostgrat links. Weiter auf dem Grat mit einigen anregenden Kletterstellen, stellenweise etwas schmutzig. Die Kletterei ist nicht so anhaltend wie am Haggenspitz Nordgrat, aber insgesamt auch nicht leichter (nur zum Müllerkamin gibt es hier keine vergleichbare Stelle), was man auch am Zeitbedarf sieht. Dabei habe ich zwischendurch einen Gang hochgeschaltet.
Am Ende einer Fels-Gras-Flanke (ungefähr auf 1680m) fehlen die Markierungen, gerade an einer wichtigen Stelle! Hier unbedingt nach links schauen und nicht weiterklettern, bevor man die Markierung in etwas Abstand sieht. Dann in die Traverse: 3 Ketten, die von oben herabhängen, dienen als Sicherung zur Querung. Unsichere Kantonisten können sich auch festhalten. Ein einziger Spreizschritt ist heikel, ansonsten kommt kein Angstfeeling auf.
Steil geht es sodann weiter aufwärts (herabhängende Schlingen, Ketten und Haken; III-). Adrenalinschübe hatte ich keine, die Tritte sind gut, einer hat leicht nachgegeben, da gab's aber noch andere gute Alternativen. Ausgesetztheit ist schon da, aber wer hier noch Luft hat und nicht mit HF 90 % klettert, der sollte die Stelle souverän hinter sich bringen. 
Vom Ausstieg (ca. 1740m) weiter den Nordostgrat hoch (ohne Wegspuren, aber klare Linienführung) zu den Bäumen und immer am Grat entlang (Konzentrationsfehler kommen wegen der Anstrengung hier leicht mal vor) bis zur Vereinigung mit dem Normalweg auf ca. 1820m. Dem Normalweg nach auf den Gipfel. Hier habe ich Claude beim Zmittag getroffen: er war gleich bereit, mit mir den weiteren Weg gemeinsam zu gehen.


Großer Mythen-Rot Grätli-Mythenmatt-Nollenbrünneli-Schafweg-Normalweg-Holzegg ; blaue Punkte 
Stellen II, am Rot Grätli recht ausgesetzt, dann T 4 bis T 5 sowie T 2 am Normalweg

Zeitbedarf: 1 Std 30 min mit Tour d'honneur-Tempo zum Schluss

Von der Gipfelfahne respektive den hinteren Picknickbänken steil hinab, sofort eher rechtshaltend, bis man nach 10 Metern Abstieg den ersten blauen Markierungspunkt und die erste Kette erreicht. Eine brüchige Rinne runter, dann in Gratnähe teilweise ausgesetzt (rechts eindrucksvoller Blick auf die Chrüzplangg) weiter hinab. Das brüchige Gelände zwingt zur Vorsicht, vor allem nach der langen Tour. Wir haben das Seil nicht gebraucht und fühlten uns topfit, aber bevor jemand in erschöpftem Zustand auszurutschen droht...das wäre hier nicht ratsam. 
Am Beginn der Mythenmatt gleich links hinunter oder leicht rechts ausholend auf zugewucherten Pfaden (Richtungswechsel, auf blauen Punkt achten) die Ex-Schafweide hinab. Hier befindet sich neben dem Abstieg vom Klein Mythen-Vorgipfel die einzige Stelle, an der Stöcke sinnvoll sind. Ich habe bewusst keine mitgenommen, da sie auf der gesamten sonstigen Tour stören bzw. nicht einsetzbar sind.
Anschließend eine Rinne queren, bis man bald darauf am Nollenbrünneli (Wasser aus Rohr) ankommt (bis hierher knapp 30 min - den Rest sind wir ganz piano gelaufen und haben uns die Kletterrouten am Wyss Nollen, etwa den Wasserschmöcker, genau angeschaut). Claude hat natürlich sofort das Routenbuch in einer Felsspalte etwas rechts oberhalb des Rohres gefunden, während ich getrunken habe.
Auf dem Schafweg (dort mussten also die Schafe durch, Wahnsinn in dem Gelände) geht es jetzt wieder gehörig aufwärts, sicher etwa 100 bis 120 Höhenmeter. Über eine Rippe hinüber auf eine große Grasflanke, diese queren, bis man eine schuttige Plattenrinne 30 Höhenmeter über der Kurve 22 des Mythenweges antrifft. Die Rinne hinab (keine Markierungen, brüchig, Vorsicht auf Wanderer unterhalb) und auf 1675m Vereinigung mit dem Mythenweg. Weiter abwärts zur Holzegg.

Auf die gelungene Tour respektive auf diesen schönen Teil davon haben wir gleich mal angestoßen, bevor ich mich auf den 50-minütigen Weg zur Haggenegg machte, während Claude noch am Kleinen Mythen réussierte. 

Erst später am Abend spürte ich dann langsam, dass mich die Tour inklusive der 4 Stunden Anfahrt doch müde gemacht hatten. Und da ich ja am nächsten Tag noch was vorhatte... 

Ankunftszeiten:
Haggenspitz                    09.30 Uhr
Kl.Mythen                        10.40 Uhr
Einstieg Chalberstöckli    11.55 Uhr
Großer Mythen                13.15 Uhr
Holzegg                            15.40 Uhr
Haggenegg                     17.05 Uhr









 


Tourengänger: quacamozza

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Kommentare (2)


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MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 27. Mai 2011 um 11:28
Und schon wieder ein toller und sehr gut ausgeführter und dokumentierter Bericht der Trilogie vor unserer Haustüre..super gemacht!

Herzliche Grüsse
M&N

quacamozza Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. Mai 2011 um 14:57
Hallo zusammen,

merci vielmals für das Lob. Ich hoffe, dass ich auch weiterhin hohe Qualität bei den Berichten liefern kann. Sicher werde ich auch vor Eurer Haustür noch schöne Touren gehen. Ihr habt's da wirklich gut...
Ich wünsche Euch einen schönen Bergsommer und unfallfreie Touren
Sportliche Grüße von Ulf


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