Alpenorni immatur : Strahlhorn (4190m) über NO-Grat und -Firnwand


Publiziert von Alpenorni Pro , 29. November 2010 um 13:38.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:30 Juli 1981
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m

Alte Diakiste proudly presents : Sommer 1981.
Mit meinem Schulfreund, einem Ruderer und späteren Top-Felskletterer, war ich, 18jährig, zunächst im Berner Oberland ins offene Messer der Schlechtwettereinbrüche und Neuschneefälle gerannt. Tagelang ging gar nichts und nach einer winterlichen Besteigung des Tschingel ob Axalp, bei Null Sicht, schlug uns erneuter Schneefall von der Stieregghütte ob Grindelwald aus in die Flucht und trampenderweise gleich weiter zu einer zweitägigen Odyssee nach Bern, zum Tiergarten und ins Alpine Museum.
Wetterbesserung abwartend, näherten wir uns dann den Alpen allmählich wieder an und nach zwei Outdoorübernachtungen in einem Haltestellenhäuschen bei Interlaken auf harter, viel zu schmaler Bank, und in einem Heuschober bei Brig, in weichem duftendem Gras, schlugen wir uns schließlich mit Sack und Pack zur Britanniahütte (3030m) bei Saas Fee durch.
Das Wetter war nun endlich besser, sogar richtig gut geworden !
Allerdings war die Hütte reichlich gefüllt - statt dem erhofften Ausstrecken wurden wir hier zu fünft auf Vierer-Plätzen zusammengepfercht ! Oh Graus ! Und geweckt wurde man, ohne Vorwarnung, durch schlagartig einsetzende Jodelmusik aus einer Box mitten im Schlafraum - für meinen Freund, der zum ersten Mal in den Bergen war, und dem ich das Bergsteigen in romantischen Farben geschildert hatte, eine erste realitätsbezogene Einführung in westalpine Sitten und Gebräuche !
Aber trotz übernächtigtem und ziemlich gerädertem Gesamtzustand gab es nun kein Halten mehr und uns glückte eine famose Überschreitung des Strahlhorns (4190m) mit Aufstieg über den NO-Grat vom Fluchtpass aus. Oben stiegen wir, bei sehr guten Verhältnissen, direkt durch die steile Firnflanke zum Gipfel. ( Die NO-Gratroute umgeht diese Flanke linkerhand in den Felsen )
Damals wie heute ist das Strahlhorn eine lange Gletschertour, und beim abschliessenden Wiederaufstieg vom Gletscher zur Hütte kann man gut überprüfen, wie fit man denn nach 7,8 Stunden Marschierens im Schnee und in großer Höhe noch ist. Wir waren damals jedenfalls so fit, dass wir es am nächsten Tag über den Hohlaubgrat aufs Allalinhorn , via Felskinn zurück zur Hütte und dann mit vollem Gepäck noch ganz hinunter nach Saas Fee geschafft haben.
Dort fanden wir dann auch endlich die schon etwas länger ausstehende Nachtruhe, in echten bequemen Walliser Gästezimmerbetten, puh, ächz !



   

Tourengänger: Alpenorni

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Kommentare (2)


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BaumannEdu hat gesagt:
Gesendet am 30. November 2010 um 11:34
Bravo! Spannende Nostalgie. Aber Jodeln ist top!
Wenn ich nicht aufstehen will, ist auch ein Ave Maria kein Genuss.

filips hat gesagt:
Gesendet am 30. November 2010 um 21:16
Abenteuer!


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