Bänderenweg - erst ziemlich verhauen, dann viel Matsch aber trotzdem ein Vergnügen


Publiziert von Pfaelzer , 5. November 2010 um 22:17.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 5 November 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Rigigebiet   CH-SZ 
Zeitbedarf: 3:15
Aufstieg: 1340 m
Strecke:Küssnacht a.R. Talstation Luftseilbahn - Seebodenalp - Bänderweg - Rigi Kulm
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Küssnacht am Rigi LKüS
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Rigi-Kulm

Den Bänderenweg stand schon länger auf meiner Wunschliste, dank einem kurzfristig erhaltenem freien Tag (und das auch noch bei diesem Superwetter) war es dann heute endlich soweit.
Ich hatte das für dieses Jahr eigentlich schon abgehakt, umso schöner dass es noch geklappt hat.
Wobei man bemerken muss, dass es sicherlich im Frühsommer und Sommer viel schöner ist wenn nämlich alles blüht und man über Wiesen gehen kann.
Bei mir blühte eher die Vorsicht, war es doch an vielen Stellen sehr sehr rutschig und nass, so dass die Schuhe dann im ebenfalls nassen Nagelfluh oft keinen richtigen Halt fanden.
Aber das gab dem Ganzen dann ein wenig Würze und hielt mich davon ab einfach hoch zu stürmen.
Zumindest bei den letzten Metern zur Arschbagge und auch vom Bänkli bis zum Gipfel. Dieses letzte Stück hatte es aufgrund der Verhältnisse in sich, teilweise musste jeder Schritt sorgfältig überlegt werden und auch die Hände machten ganz oft Bekanntschaft mit dem Matsch.

Aber natürlich ist der Weg wunderschön, die Kraxelei ist anheimelnd und macht Spass und die Aussicht ist genial.
Allein wegen dem Bänkli lohnt sich der Weg, sich da nach der Arschbagge niederzulassen und den Blick nach unten zu geniessen, das hat was.

Ich bin mit dem ÖV bis zur Talstation der Seilbahn gefahren, im Zug hatte ich noch kurz überlegt bis zur Seebodenalp hoch zu fahren, verwarf dies aber gleich wieder. 
Wenigstens einmal wollte ich den Weg von unten machen, bei der nächsten Bänderenweg-Begehung die bestimmt kommt starte ich dann bei der Bergstation.

Ich lief den Weg der am Ende über viele Stufen schön steil und schnell an Höhe gewinnend führt zügig hoch, nicht ohne mich öfters umzudrehen und den ständig eindrücklicher werdenden Blick über den See zum Pilatus zu  geniessen. Nach 50min war ich bei der Bergstation und machte dort in der Sonne eine kleine Pause. Den ganzen Weg ist mir keine Menschenseele begegnet, oben auf dem Parkplatz hatte es aber viele Autos, wobei dann aber auch auf dem Weiterweg ab Holderen niemand mehr anzutreffen war.
Umso schöner.
Doch jetzt kommt gleich der Verhauer ins Spiel.
Ich wusste, bei Holderen den Weg nach links verlassen, schaute ein wenig nach oben und dachte dass das eher etwas oberhalb zu geschehen hatte.
Das wäre auch gegangen, wenn ich dann bei Rütlersplangg nach der Passage des Baches gleich wieder links nach oben gegangen wäre. Im Nachhinein kann ich immer noch nicht meine Blödheit verstehen.
Warum habe ich eigentlich keine Karte mitgenommen? Selbst schuld!

Ich bin dann geradeaus ganz steil die Weide hoch, also viel zu weit nach Osten abgedriftet und am Ende dieser Weide, auch da von einem Zaun begrenzt ging es jäh nach unten. Also am Zaun entlang hoch. Das wurde dann immer steiler, nass und mit Nagelfluh durchsetzt und dadurch auch immer heikler.
Ich spürte dass ich falsch sein musste, dachte aber immer noch dass man da auf den richtigen Weg kommen würde, aber dem war nicht so. Ich war orografisch gesehen viel zu weit links und irgendwann sah ich das ein und dachte besser jetzt umdrehen wenn ich noch das Gefühl habe da wieder runter zu kommen und das tat ich dann glücklicherweise auch.
Ich bin dann bis Holderen zurück, dort dann direkt nach links und dann ist der Einstieg kurz vor Schwändi plötzlich ganz klar und logisch. Und ich kreuzte dann auch meinen Weg von vorher und sah so richtig was ich für einen Mist gebaut hatte.
Der Weg bis Ronenboden ist dann nicht mehr zu verfehlen, im dunklen Wald danach verliert er sich ganz kurz, wenn man sich tendenziell nach rechts oben hält trifft man aber bald wieder auf Wegspuren.
Nach diesem Wald beginnt dann der interessanteste Teil, aber wie oben schon erwähnt war dieser durch die äusseren Bedingungen sehr heikel. 
Aber selbst ich konnte den Weg nun nicht mehr verfehlen :-)
Sehr steil geht es jetzt hoch, irgendwann kommt die Arschbagge auf die ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe. Mit dem vielen Matsch an den Schuhen musste ich mich da förmlich hochziehen aber durch die Kugeln am Drahtseil ist das natürlich kein Problem, man kann das auch umgehen aber das wollte ich ja gerade nicht.
Nach der wohlverdienten Rast auf dem Bänkli kommen nochmal zwei seilversicherte Stellen, das Erreichen der letzten mit dem Wasserhahn war durch die Verhältnisse ziemlich schwierig, kann man sich bei Trockenheit wahrscheinlich nicht vorstellen aber da war alles abgerutscht und die letzten drei Schritte bis ich mit der Hand den Draht erreichte kosteten schon ein paar Nerven.
Irgendwann kamen dann auch kleine Schneefelder die auch ihren Teil zum Rutschen beitrugen und von oben wurde ich dann auch beobachtet wie ich da herum balanciert bin.
Auf dem Gipfel habe ich dann den Preis für den heute schmutzigsten Rigi-Besucher gewonnen, noch ein paar Fotos gemacht und mir dann bei der Bahnstation ein leckeres Bier und ein Brezel gegönnt und dann mit tausenden Rentnern nach Arth-Goldau hinunter gefahren.

Den Weg habe ich sicher nicht zum letzten Mal gemacht. Ohne Verhauer ist er ab der Bergstation sicher in einer guten Stunde zu machen, mein Verhauer und das vorsichtige wieder Absteigen hat mich sehr viel Zeit gekostet.
Aber ich kenne mich jetzt dort aus ;-))

Tourengänger: Pfaelzer


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Kommentare (2)


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Henrik Pro hat gesagt: ...gut, dass du noch im Besitz
Gesendet am 6. November 2010 um 06:51
deiner Knochenbänder bist!

Bravo und herzhafter Bericht.

Saluti

silberquäki

aloha hat gesagt:
Gesendet am 11. November 2010 um 21:57
Ah, nun hast du ihn doch noch geschafft, den schönen Bänderenweg :-) ich glaube, beim 1. Mal verirrt sich dort jeder Mal ;-))
Hab ich das richtig verstanden, in 50min warst du von Küssnacht auf der Seebodenalp??? Hä??? Du musst gedopt sein! Da brauch ich ja mit dem Fahrrad länger.. Und in nochmal einer Stunde wärst du unter normalen Umständen auf dem Gipfel?
Mann, das ist jetzt wieder mal ein Dämpfer für mich und meine (vermeintliche) Sportlichkeit!!! ;-)

Liebe Grüsse!


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