Ruchstock - Ein veritables season opening!


Publiziert von danski , 31. Oktober 2010 um 14:24.

Region: Welt » Schweiz » Nidwalden
Tour Datum:30 Oktober 2010
Ski Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Ruch- und Walenstockgruppe   CH-NW   CH-UR   Chaiserstuelgruppe 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Bergstation Bannalp - Urnerstafel - Schwarzgraben - Firlegi - Skidepot - Gipfel

Wenn guter Rat nicht teuer ist und ein Wagnis belohnt wird, dann ist die Freude danach umso grösser! So könnte man unsere Erfahrung vom Samstag am Ruchstock beschreiben. Eigentlich wollten wir uns nach dem erfolgreichen season opening vom letzten Wochenende wieder Richtung Elm begeben, wo wir uns ein gutes Bild von der Schneelage machen konnten und es uns am vielversprechendsten erschien. Nach den eher negativen Wetteraussichten mit stürmischem Föhn und frühlingshaften Temperaturen meldete sich die Vernunft und wollte uns schon einen Strich durch die Rechnung machen. Doch Einwand, liebe Vernunft! Denn da gibt es doch im "backcountry" von Luzern noch einige Gipfel, die nach kurzer optischer Kontrolle ebenso vielverprechend aussahen, wie jene rund um Elm. Der Entschluss mit der ersten Bahn auf die Bannalp zu fahren und einfach mal die Skis ohne grosse Hoffnungen mitzunehmen, war schnell gefasst.

Im Zentralbahn Interregio (!) nach Engelberg waren wir immerhin nicht die einzigen Schneesportler, doch als wir in Wolfenschiessen, quasi dem skifahrerischem Niemandsland, den Zug verliessen, wurden wir schon von einigen fragenden Blicken gewürdigt. Die Fahrt im Halbdunkel mit dem Postbus hoch zur Talstation der Bannalp Bahn war noch nicht wirklich motivierend. Doch die Tatsache, dass wir die einzigen Skifahrer waren, gefiel uns! Oben bei der Bergstation auf 1713m herrschte kräftiges Tauwetter, doch unsere Stimmung erhellte sich, als wir hoch zum Ruchstock blickten und tatsächlich eine durchgehende, gut "beschneite" Aufstiegsmöglichkeit ausmachten. Es handelt sich übrigens um jene im SAC Führer Zentralschweiz Tessin (7. Auflage) beschriebene Route 302b, was wir im Nachhinein feststellten. Voller Elan und Zuversicht gehts erstmal vorbei am nicht eben ästhetisch überzeugenden "béton brut" Klotz des Hotels Urnerstafel, bevor wir uns am nördlichen Rand des gut eingeschneiten Schwarzgraben haltend, stetig Höhenmeter gewannen. Der Schnee trug trotz des warmen Föns erstaunlicherweise recht gut. Die erste Spur des Wintersaison zu legen, war eine wahre Freude! Etwas oberhalb Firlegi auf ca. 2380m querten wir in die West-Hänge unterhalb des Ruchstocks. In einigen Spitzkehren gewannen wir schnell Höhe im recht steilen Gelände. Wenn der Blick ins grüne Mittelland wohl nicht gewesen wäre, hätten wir uns im Hochwinter gewähnt. Unter der mächtigen Nordwand des Ruchstocks vermuteten wir immer noch pulvrigen Schnee und siehe da, unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Die Vorfreude auf die Abfahrt wuchs mit jedem Höhenmeter. Der Fön hielt sich, abgesehen von einigen Böen, die uns jeweils beinahe aus dem Gleichgewicht warfen, einigermassen in Grenzen. Nach einem letzten steilen Schlusshang erreichten wir die Einsattelung zwischen Hasenstöck und Ruchstock, dem Endpunkt unseres Skiaufstiegs. Gut gerüstet gegen den Wind wühlten wir uns zeitweise durch hüfttiefen Triebschnee zum überraschend geräumigen Gipfelplateau des Ruchstock hoch. Steigeisen vermitteln bestimmt mehr Sicherheit, sind aber dank des weichen Trittschnees zurzeit nicht unbedingt notwendig. Als ob der Fön unsere Gipfelankunft erwartet hätte, flaute er ab und liess uns bestimmt über eine halbe Stunde das Super Panorama geniessen. Das Bild, das sich uns hier oben bot, war eindrücklich und schon sehr winterlich. Wie in einer anderen Welt fühlten wir uns und genossen es, die ersten Winterbesteiger der kommenden Saison zu sein.

Der Abstieg war unproblematisch, ein Ausrutscher auf den zum Teil spärlich überschneiten Felsen, wäre jedoch sehr unangenehm. Klack Klack und einmal mehr waren wir eine Einheit mit den Brettern, die für uns die Welt bedeuten. Ein vertrautes Gefühl und schon gings zur Sache! Hart der Felswand des Ruchstock folgend in immer weiteren und schnelleren Turns über den weichen Teppich, bis uns einige hart gefrorenen Lawinenknollen zum Abbremsen zwangen. Unsere Jauchzer wurden von der Felswand gleich doppelt erwidert! Die besonnten Westhänge sulzten in der Zwischenzeit auf und waren ebenso traumhaft. Selbst in den tieferen Lagen des Schwarzgrabens konnten wir noch einmal so richitg Gas geben. Einzig die letzten vielleicht 150Hms waren etwas mühsamer, da sich hier bereits wieder ein Schmelzharscheckel über dem zum Teil bodenlosen Nassschnee bilden konnte. Dennoch erwischte ich nur einen Stein, dessen unwesentlicher Kratzer aber nur als einer von unzähligen auf den Belägen meiner Gotamas in Erinnerung bleibt.

Während wir wieder endgültig ins "frühlingshafte" Oberrickenbach schwebten, wurde uns bewusst, wie genial dieser Tag eigentlich war! Selbst bei hochwinterlichen Verhältnissen kann sich diese Tour sehen lassen, doch es war ja noch nicht mal November! Eine Unterlage liegt jetzt. Der gross Schnee muss bloss noch kommen, je schneller desto besser!

Tourengänger: nprace, danski


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