Grenzschlängeln - Servizio incluso!


Publiziert von Polder , 15. Oktober 2010 um 12:14.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Misox
Tour Datum:13 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Balniscio-Forcola   CH-GR   I   Gruppo Tambo-Curciusa   Gruppo Uccello-Lumbreida 
Aufstieg: 3800 m
Abstieg: 2900 m
Strecke:Mesocco - Veis - Alpe di Nebion - Bocchetta del Nebion - Piz Corbet - Bivacco del Servizio - Monte Bardan - Cime di Barna - Cima di Balniscio - Pass de Balniscio - Piz Curciusa - Bocchetta di Curciusa - San Bernardino
Unterkunftmöglichkeiten:Bivacco del Servizio

1. Tag: Mesocco - Nebion - Corbet - Servizio; Aufstieg 2350 Hm, Abstieg 500 Hm; T5, 8 Std..

Start erst nach 10 Uhr in Mesocco, zunächst runter zur Moesa und nach Deira. Ab da und bis unter die Bocchetta di Curciusa keine Menschenseele mehr... Bis Veis eher langweilig, da im Zickzack durch einen düsteren, immerhin pilzreichen Fichtenwaldstreifen - ab der Ruine südlich von Puzzei kaum mehr Wegspuren vorhanden. Ab Veis zunächst im gleichen Stil in der Falllinie empor bis an die erste Felsstufe. Ab da ist die Szenerie beeindruckend und der Aufstieg spektakulär. Unmittelbar dort, wo man an die Felsstufe stösst (Wildwechsel; die gemäss Führer verblassten Markierungen sind gänzlich verschwunden...), auf einem Band zunächst links empor, dann rechts. Das nächste (kurze) Waldstück hinauf an die 2. Felsstufe. Dort wenige m nach rechts bis in eine nicht sehr ausgeprägte Rinne und an deren rechtem Rand  empor, bis man durch Erlen fast horizontal nach rechts queren kann und dann offeneres Gelände erreicht. Gerade empor bis zu einer Grasterrasse, wo man anhand einer Verflachung und von Blacken eine ehemalige Alp erahnen kann. Nach rechts über eine weitere Rinne (Steinmann!) und in einem Rechtsbogen hinauf in das über der Alp liegende Couloir und hinter einem Felseck gerade empor (blaue Markierung und alte Schnittspuren an den Erlen). Nach ca. 50 Hm links hinauf aus dem Couloir hinaus. Unverhofft tritt man so auf die entrückte Terrasse von Nebion mit seiner Hüttenruine - atemberaubend und berührend! Ich ziehe dem Abstecher zum Piz Calchen eine Rast vor und steige dann rechtshaltend über eine Felstufe empor und erreiche so die Terrasse unterhalb von Pt. 2418. Von hier problemlos in die Bocchetta, wobei der Schnee eher dienlich ist. Der Name Nebion verpflichtet und es bildet sich ein Nebelschwaden, der aber bei Nebion hocken bleibt und mich nicht weiter behindert. Der S-Grat zum Corbet bietet unten vergnügliche Kraxelei über plattigen Fels und zuoberst ein griffiges Quarzwändchen. Ich geniesse oben fast eine Stunde die Abendsonne, die mit den besagten Nebelschwaden und den Wolkenfeldern im Süden eine mystische Stimmung schafft. Die Fernsicht ist erstaunlicherweise dennoch gewaltig. Da der Grat zum formschönen P. die Pian Quarnei nicht gerade nach Spaziergelände aussieht und ich nicht noch in die Dunkelheit kommen möchte, montiere ich die Steigeisen und steige in angenehmem Trittfirn - deshalb WS- - über die steile NE-Flanke ab (die schneelos ziemlich verdriesslich sein dürfte..). Schliesslich etwas mühselige Querung  bis auf den Pfad unterhalb des Motto Alto und noch letzte Meter empor zum Bivacco del Servizio. Die Bergeller Berge erstrahlen im schönsten Abendrot und ich hole im nahegelegenen Tümpel das (abgestandene) Wasser für mein Abendmahl. Das Bivacco bietet guten Servizio mit flauschigen Decken, Gas, Solarlicht (wenn es denn funktioniert...), Espresso-Maschine und anderen Küchenutensilien. Ich habe es für mich allein und schlafe bestens ein...

P.S.: Die Routenbeschreibung war fein säuberlich aus dem Brenna-Führer kopiert - um dann, wie sich auf Veis zeigte, zuhause liegen gelassen zu werden. Um bei meinem knappen Zeitbudget Verhauer nach Möglichkeit zu vermeiden, rief ich bei Piz&Buch an - Natel sei dank! Mittels telefonischem Diktat konnte ich mir die Routenbeschreibung übermitteln lassen - Piz&Buch sei noch viel mehr Dank!

2. Tag: Bivacco del Servizio - Val della Sancia Pt. 2010 - Pt. 2275 - Pt. 2688 - Monte Bardan - Cima di Barna - Cima di Balniscio - Passo de Balniscion - Piz Curciusa - San Bernardino; Aufstieg 1450 Hm, Abstieg 2400 Hm, viel Distanz; 8h; T4

Ich lasse mich vom Tageslicht wecken, schlürfe den Espresso, als grad die Sonne durch die Scheiben blinzelt und wähle die untere Variante über die wundervollen weiten Alpen, die zunächst einen Abstieg bis Pt. 2010 im Val della Sancia bedingt (die Abkürzung über einen steilen Hang nach Pt. 2283 lohnte sich des rutschigen Reifes wegen gar nicht..). Ab da in überaus angenehmem, direktem Schrägaufstieg, zuerst über weite Weiden und dann zT prächtige Platten, ohne einen Zentimeter Geröll bis auf den Grenzgrat und alsbald den Monte Bardan: ein unvergleichliches Rasenplateau auf 2800 m.ü.M. - ein prachtvoller Ort (zum Biwakieren z.B.)! Weiter auf dem Grenzgrat zur Cima di Barna, wo auf der einen Seite die Füsse über dem engen Kessel der Alp di Barna und über Mesocco baumeln, auf der anderen Seite der Blick über den weiten Piano dei Cavalli schweift (und sich dafür die Seele baumeln lässt): Was für Gegensätze - arme Schweiz, reiches Italien! Die Route ist übrigens blau-weiss markiert und führt weiter in den Sattel vor der Cima di Balniscio, der ich einen kurzen Abstecher gönne. Auch bei den prächtigen Seen beim Passo di Balnicio hat's noch einen blau-weissen Hinweis auf Curciusa - es sollte aber der einzige bleiben! Der Aufstieg ist zwar einfach (T4), das Gelände aber etwas unübersichtlich: Auf Zoccane nicht zu hoch halten und den Sattel bei Pt. 2554 anvisieren, danach dito auf Schafpfaden - die Schafe sind trotz angekündigtem Wintereinbruch noch oben!!! - bis in die Blockmulde östlich von Pt. 2752. Auf dem Gipfel nur kurze Rast, da ich das 16.30-Poschi erwischen muss. Schnee und Steigeisen sei dank bin ich im Nu in der Bocchetta und 1h später auch in San Bernardino!

Tourengänger: Polder



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