Rocce del Gridone: Via delle Guardie


Publiziert von Zaza , 25. Juli 2010 um 20:42. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:24 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo Gridone   Gruppo Pizzo Ruscada 
Zeitbedarf: 8:15
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Kartennummer:1312, 1332

Irrungen und Wirrungen zwischen Wallis und Tessin

Nachdem die Italienischen Truppen die Linea Cadorna ausgebaut hatten und bis in die Zeit des 2. Weltkrieges unterhielten die Schweizer Grenzwächter an der Landesgrenze Schweiz-Italien allerhand interessante Wege und Routen. Dazu gehört beispielsweise der Sentiero delle Guardie, der Pass del Gatt am Pizzo Ruscada oder eben der Nordaufstieg zu den Rocce del Gridone. Diese Route hatte ich seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste, aber für heute war sie eigentlich gar nicht vorgesehen. Und das kam so:

Geplant war eine Tour um Emosson. Doch kurz nach 6 meldete omega3, dass der Zug nach Visp ab Zürich mit etwa einer halben Stunde Verspätung unterwegs sei. Damit konnten wir Emosson streichen (was sich im Nachhinein als Vorteil herausstellen sollte, denn dem Vernehmen nach blieb das Wetter dort den ganzen Tag grau) und mir blieb gerade noch Zeit, um ein Pfund zusätzlicher Karten in den Rucksack zu stopfen.

Im Zug wägten wir unsere Optionen ab und einigten uns schliesslich darauf, dass wir von Bognanco über diverse Grenzgipfel ins Zwischbergental und dann runter nach Gondo gehen würden. Doch in Iselle stand der Zug eine Viertelstunde rum und kam mit soviel Verspätung in Domo an, dass alle Busse weg waren (Italo-Busse warten keine verspäteten Züge ab). Die einzige Option, um von Domo zu einem Ausgangspunkt zu kommen, blieb der Centovalli-Express (hüstel) und so war es schliesslich kurz vor 11, als wir in Camedo endlich loslaufen konnten. Das Wetter war sehr gut, mit etwas Nordwind. Ideal für diese Tour; die einzige Sorge war, ob wir es auf den letzten Zug um 19:30 schaffen würden.

Von Camedo gingen wir kurz Richtung Grenze (man kommt an einem Restaurant mit Laden vorbei, praktisch zum Einkaufen) und nahmen dann den Wanderweg, der via Vioi und Piazzòi in die Forcola führt (wir überquerten noch die Colmola, der guten Ordnung halber). Auf nicht immer deutlichem Weg und in stetem Kampf mit aggressiven Bremsen stiegen wir zur Testa di Misello und weiter zu P. 1594, wo die Route von Italien her dazu kommt. Wir staunten nicht schlecht, dass die Route mit einem normalen Wanderwegweiser markiert ist...und die Zeitangabe (3 h 10 bis Gridone) ist recht sportlich. 

Nun folgten wir der guten Markierung durch die steile Wand, über die Drahtseile (in bestem Zustand) waren wir recht froh. Der Weiterweg über den Grat (dann und wann in die Flanke ausweichend) ist ebenfalls markiert und schien uns recht einfach. Schliesslich erreichten wir die Bocchetta del Fornale und aus Zeitgründen verzichteten wir auf den (einfachen) Weiterweg zum Gridone-Hauptgipfel. Stattdessen stiegen wir durch das sehr schöne Val del Boschetto nach Palagnedra ab. Hier sahen wir nun auch die Quelle der komischen Geräusche, die uns den ganzen Tag begleitet hatten: Dies war das Wochenende des Palagnedra-Open Air!

Während omega3 den Bahnhof Palagnedra anvisierte, um eine gute Verbindung Richtung Zürich zu erhaschen, ging ich auf dem interessanten, im Prinzip gesperrten (Steinschlaggefahr) Pfad Richtung Moneto und von dort nach Camedo.

Um das Zugsglück abzurunden, hatte dann der Zug von Mailand eine Viertelstunde Verspätung, so dass in Brig der Anschluss Richtung Bern wiederum weg war und nochmals fast eine Stunde Warten in Brig angesagt war...manchmal muss man als Bahnreisender Stoiker sein. Aber was soll's...für eine solch schöne Tour nimmt man noch manchen Ärger in Kauf!

Hinweis:
Man könnte diese Tour verknüpfen mit der Cresta dei Lenzuoli und so eine wirklich prachtvolle Gridone-Überschreitung absolvieren. Dazu müsste man aber sehr früh starten und viel Getränke mitnehmen. Es wäre dabei sicher praktischer, über die Via delle Guardie auf- und über die Cresta dei Lenzuoli abzusteigen (denn so könnte man zwei der drei Schlüsselstellen der Lenzuoli-Route im Aufstieg anpacken).

PS:
Wer gerne Grenzgänge hat und im Spätsommer/Herbst mitkommen möchte auf den Sentiero delle Guardie und/oder die Suche nach dem Pass del Gatt, melde sich!

Tourengänger: Omega3, Zaza


Galerie


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Kommentare (3)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 25. Juli 2010 um 23:45
Hola Zaza, habe heute den gesamten Lenzuoligrat inkl. Gridone gemacht - Bericht folgt :-) War absolut perfekt, Sonne pur, leichter Nordföhn, beste Fernsicht und trockener Fels und noch viel wichtiger, trockene Steilgras-Passagen.

Gruz
Bombo

Zaza hat gesagt: Leintüchergrat
Gesendet am 26. Juli 2010 um 07:39
Gut gemacht, wirst offenbar auch immer mehr zum Steilgrasjünger! Bin gespannt, wie dir die Abstiegsplatte gefallen hat...

Gruess, zaza

Bombo hat gesagt: RE:Leintüchergrat
Gesendet am 26. Juli 2010 um 18:30
Die Abstiegsplatte fand ich anfangs glaub nur so "schwierig", weil ich vom Bericht vorweg eingenommen war :-) Fand eher die paar Meter vor der Platte, also der ausgesetzte Quergang in dieser Wand pulserhöhend - die Platte dann selbst konnte ich (vielleicht auch dank meiner Körpergrösse) problemlos über die Schuppen und Tritte absteigen. War auf jeden Fall sehr froh über Eure Berichterstattung - das gab mir wirklich ne gute Grundlage. So, muss jetzt den Bericht schreiben :-)


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