Tödi Westwand - Velonachtschwärmervariante


Publiziert von petitNic , 27. Januar 2010 um 00:22.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:20 April 2007
Ski Schwierigkeit: S+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Tödigruppe 
Zeitbedarf: 15:00
Aufstieg: 3100 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Linthal hat einen Bahnhof. Von Zürich aus ist das ein Katzensprung. Danach ist man mit dem Velo schnell in der Nähe!
Kartennummer:1193

Der Tödi hatte sich mir mindestens fünfmal verwehrt, indem er bei leisestem Anzeichen auf eine Hüttenreservation meinerseits augenblicklich das Wetter aufs Wochenende schlecht werden liess (Zum Beispiel dieses Mal). So lag es nahe, eine Möglichkeit zu suchen, auf die Hüttenübernachtung zu verzichten und den Berg mit einem Direktbestieg zu überraschen. Es hat geklappt, das Wetter war super schön! Allerdings ist diese Taktik etwas erschöpfender als mit einem Hüttenaufenthalt.
Die Tour war zwar nicht ganz so konsequent wie die Wahnsinnstour von Beat, der direkt aus Zürich losgefahren ist. Aber wir hatten erfahren, dass die Verhältnisse in der Westwand gut seien. Also warum nicht dort hoch probieren?

 

Wir nahmen den vorletzten Zug von Zürich nach Linthal. Im Gepäck die Ski-hochtourenausrüstung, zwei Mountainbikes, einen Anhänger und viele, viele Kalorien und Koffein. Nach einem Tupperware voll Pasta im Zug waren wir um elf Uhr abends bereit sofort loszufahren.
Mit dem Velo gehts bis Tierfehd wie am Schnürchen. Dort kommt eine kurze aber saumässig steile Strecke rauf in die Schlucht. Meine Turnschuhe boten nicht genügend halt um mein Velo mit Anhänger hochzuschieben, weshalb Andrin mit einer Hand meines mitschob und mit der anderen seines – dieser Power fehlte später in der Wand ein bisschen. Aber glücklicherweise war es bereits so spät im Frühling dass die Strasse nicht mehr von Lawinenschnee versperrt war.
Auf Hinter Sand (1300m) stellten wir die Velos ab. Da wir genug Zeit hatten machten wir uns zuerst einen grossen Zmitternacht und packten auf Ski um. Nach einer 20minütigen Siesta nahmen wir um etwa 2 Uhr morgens unsere Skitourenrucksäcke und gingen (ja gingen, es gab dort noch keinen Schnee) los richtung Obersand. Wir schleppten unsere Ski durch die Erlenbüsche hoch auf das Plateau. Zum Glück kannte Andrin den Weg – es war dunkel wie in einem Kuhbauch und man sah genau so weit wie die Stirnlampen leuchteten und keinen Meter weiter.
Ab Alp Sand (1337m) konnten wir endlich fellen und die Sonne begann langsam (zu unserer Beunruhigung bereits) aufzugehen. Und angekommen auf dem Sandpass begannen wir langsam aber sehr sicher die Anstrengung und Müdigkeit zu fühlen. Momente der leichten Panik (es ist bereits Tag und ich bin saumüde) und grossen Euphorie (läääk ist das schön hier und wir sind ja schon fast da...).
Jedenfalls erreichten wir recht erschöpft um etwa 8 Uhr die Umgebung des Sandpasses (c.a. 2800m) und entdeckten zu unserer Erleichterung, dass die Westwand tatsächlich super schön verfirnt war. Die Querung an den Wandfuss war eine super kurze Abfahrt und vermutlich der schnellst zurückgelegte Teil der ganzen Tour. Wir sind ganz Unten in die Wand hineingequert, weil wir uns nicht vorstellen konnten, wo durch dieses Geschütt das obere Band vom Fuss des Chli Tödi zum Einstieg durchgehen soll.
Der Erste Teil im Firn war der steilste der ganzen Wand und endete auf einem kleinen Felsband, wo wir ein letztes Mal Pause machten. Ganz entspannt waren wir nicht – es trennten uns immer noch 800m vom Gipfel. Aber danach kamen wir im guten Firn rasch die Wand hoch. Die Steile erlaubte es uns, wadenfreundlich (nicht unbedingt auf den Frontalzacken) hochsteigen zu können. Der Firn schien endlos und wir mussten immer häufiger zum Verschnaufen anhalten. Erst als wir uns merklich den Gipfelfelsen näherten, kam langsam Gipfeleuphorie auf und wie durch ein Wunder war alle Müdigkeit verschwunden. Super konzentriert wechselten wir vom Firn in den extrem brüchigen aber leicht kletterbaren Fels und standen plötzlich auf dem Gipfel.
Die Gipfeleuphorie war wohl besser als ein LSD-Trip! Leider hatten wir Uhren dabei, die uns daran erinnerten, dass man um zwei Uhr im Spätfrühling eigentlich nichts auf dem Tödigipfel zu suchen hat. So machten wir uns schnell wieder an die Abfahrt – diesmal über die Normalroute.
Zum Glück war der Schnee nicht zu schwer und die Schneerus noch angenehm verschneit. So erreichten wir schnell das Ende des Plateaus auf 1556m, wo der Schnee bereits wieder zu Ende war. Aber von da an waren es nur noch zwanzig Minuten bergab bis zu den Velos, wo wir eine grosse Flasche Cola und Apfelsaft mit Biber bereit hatten. Boah! Das ist meeega fein unter diesen Verhältnissen!
Da gönnten wir uns auch eine Stunde wohlverdienten Schlaf bevor wir mit den Velos wieder nach Lindttal runterfuhren. Bergab war das natürlich super leicht gemacht. Den angepeilten Zug haben wir trotzdem verpasst. Aber nach einer Coupe Danemark im Bahnhofbuffet vergeht die Zeit bis zum nächsten von alleine.

Das Ganze war ein super Abenteuer! Das einzige was wir nächstes Mal vermutlich anders machen würden, ist dass wir nicht mehr einen überladenen Anhänger haben würden. Das Gefährt war wirklich zu schwer um es bergauf zu schieben! Entweder mit Gepäckträgern oder mit zwei Anhängern sollte das Gewicht auf beide Velos gut verteilt werden können. Zwei Velos gleichzeitig schieben ist extrem kräfteraubend...


Tourengänger: petitNic


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Kommentare (2)


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Alpin_Rise hat gesagt: Human Powered!
Gesendet am 27. Januar 2010 um 15:55
Eine töd(i)lich anstrengende Tour, 2800 hm mit dem Geschlepp, gratuliere!
Frischer Bericht, wenn mich meine masochistische Ader wieder packt, bin ich gerne mal dabei!
G, Rise

3614adrian hat gesagt: Sommer?
Gesendet am 27. Januar 2010 um 22:54
Damals hätte es um diese Jahreszeit ja saumässig wenig Schnee!? Hoffentlich wird es dieses Jahr besser...

Gruss Adrian


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