Klettergarten Mullern "Stegerwand" ob Mollis


Publiziert von Alpin_Rise , 27. November 2009 um 15:28. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:25 November 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: 7b (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Näfels-Mollis, in der Sommer- und Wintersaison fährt ein Bus Richtung Naturfreundehaus Fronalp.
Unterkunftmöglichkeiten:Rest. Alperösli auf Mullern

Der Klettergarten in der Südwestflanke des Nüenchamm ist mit Sicherheit einer der schönst gelegenen im ganzen Glarnerland. Zu Füssen das Plateau des Mullerenbergs, Weitsicht bis zum oberen Zürichsee und ins Tössbergland, und natürlich in den Zigerschlitz, mit Brüggler, Rautispitz, Glärnisch und Fronalpstock und einem Ausschnitt Tödi gleich gegenüber.

Im Rücken dann die Hauptattraktion: eine senkrechte bis leicht überhängende Wand mit bestem, scharfem Kalk und gut 20 Routen von bis zu 40m Länge. Eine ausführliche Gebrauchsanweisung für den Klettergarten ist bei Anna Enrich zu finden, ein aktuelles Topo auf topodb.ch. Bitte die Hinweise zum Zustieg strikte befolgen!


Nachmittagsklettern auf Mullern - Ein Hauch von Frühling mitten im November!

Mit gut 400hm ist der Zustieg über die Mullerenplanggen in etwas mehr als einer halben Stunde geschafft und gerade richtig zum Aufwärmen. Weglos, kurz vor den Felsen ein wenig steiler. An milden Wintertagen (bei wenig Schnee, sonst lawinengefähdet!) klettert man meist im T-Shirt, selbst dieses konnte man dieser Tage am Wandfuss deponieren...

Gekletterte Touren:
mde:  Start mit der tollen Tour Val Lunga (7c). Während die ersten 15m bis zum Zwischenstand noch gutmütig (6c) sind und in Schnelle onsight gelingen, beginnen dort die Schwierigkeiten. Sehr diffizil und technisch anspruchsvoll muss an Untergriffen, Auflegern und kleinsten Tropflöchern etwa 10m an Höhe gewonnen werden. Präzision, gute Fusstechnik und die mentale Bereitschaft für diesen Eiertanz sind unerlässlich. Die letzten 6m sind dann wieder einfacheres 6b-Gelände. Das war mal ein erster Go zum Ausbouldern...

Alpin_Rise: Die ersten Seillänge von Val Lunga (6c) gelingt mir im Flash, griffige, gut lesbare Kletterei in scharfem Fels, genial! Bewertungsvorschlag: soft 6b, kaum 6c wie im Topo angegeben (Anmerkung von mde: nicht untertreiben, lieber Rise, soo einfach ist's nun auch wieder nicht, du bist einfach super geklettert. Ich würde sagen 6b+ oder vielleicht hart 6b).

mde: Zweiter Go in der Val Lunga (7c). Bald mal hänge ich bei der Crux nach dem Zwischenstand im Seil, da besteht noch etwas Optimierungsbedarf. Schliesslich ist für alle Probleme eine konsistente Lösung gefunden und vom sechstletzten Bolt bis zum Stand kann ich's sogar durchklettern. Es ist definitiv machbar, dennoch räume ich die Schlingen aus um in der verbleibenden Zeit in einer einfacheren Tour noch zu einem sicheren Erfolg zu kommen... wenn ich diese Entscheidung jetzt überdenke, so war sie... falsch!

Alpin_Rise: Die leichteste Tour im Gebiet ist die Louis Trenker (6a+), eine nette, grossgriffige Genusskletterei in hellgrauem Plattenkalk. Eine etwas kniffligere, kräftige Stelle bei der grossen Schuppe. 6a/a+.

Alpin_Rise: Cumainzamaint (6b+) ist die leichteste Tour im linken Sektor. Harter Einstieg und feingriffige Krux um den 4. BH. Nacher wirds grossgriffig und leichter, tolle Route! Nachdem es mit einem Vorstieg noch nicht geklappt hat, steigt mde die Tour durch und ich komme in den Genuss einer Toprope-Begehung... ein guter Versuch im Vorstieg und es wird klappen. Nach Topo 6b+, für mich eher 6c.

mde: Als Trostpflaster für die noch nicht gelungene 7c soll noch die tolle Troi Darshano (7b) herhalten. Fantastisch geht's an erstklassigem Tropflochfels durch die überhängende Wand, bis zum Punkt, wo ein BH "vergessen" wurde: ziemlicher Runout im 6b-Gelände zu einem No-Hand-Rest. Die oberen 10m dann im 7a-Gelände eher feingriffig und technisch. Nach der Val Lunga (7c) kommt mir hier aber alles relativ einfach und kontrollierbar vor, trotzdem macht ein vergeigter Zug in der Crux ein zweites Go nötig, das dann zum Rotpunkt-Erfolg führt.

Leider hat uns die Sonne nun (mit malerischen Farben) für heute verlassen und es beginnt zu dämmern. Zeit für einen raschen Abstieg (ca. 20 Minuten) zurück zum Alpenrösli. A fantastic Afternoon!

Facts
Um ohne Einschränkungen bei der Routenwahl zu sein, ist ein 70m Seil notwendig, auch wenn für einzelne Touren 60m oder sogar 50m genügen. Die Touren sind durchgehend mit soliden BH in freundlichen Abständen gesichert, somit sind für die längeren Touren bis zu 15 Expressschlingen erforderlich.

Einzige Minuspunkte der Wand: mit ÖV kommt man innert vernünftiger Frist nicht hin und leichte Routen fehlen gänzlich, erst mit einem soliden 6b-Niveau beginnt der Spass erst richtig.


Tourengänger: Alpin_Rise, mde


Galerie


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