Haldensteiner Calanda (2805 m) - Aufstieg von Vättis


Publiziert von marmotta , 29. September 2009 um 00:27.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Calanda
Tour Datum:27 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Calanda   CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1880 m
Abstieg: 2270 m
Strecke:Vättis - Gonscherolaboden - Haldensteiner Schaftäli - Haldensteiner Calanda - Calandahütte SAC - Alt Stafel - Talbachtobel - Nesselboden (P. 1393) - Arella - Haldenstein
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Vättis, Post
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Haldenstein
Unterkunftmöglichkeiten:Calandahütte SAC
Kartennummer:LK 1175 Vättis (1:25.000)

Der Haldensteiner Calanda (2805 m) ist der höchste Punkt des nach Norden und Westen dominanten und in steilen, zerklüfteten Felswänden abfallenden Calandamassivs. Nach Osten fällt das Massiv sanfter zum Rheintal hin ab, demzufolge wird der Haldensteiner Calanda auch meist von Haldenstein oder Untervaz aus bestiegen. Selten erfolgt eine Besteigung von Vättis im Taminatal aus, von wo eine Route durch den Gonscherolatobel und das Schaftäli zum Südgrat des Calandas führt, die zwar steiler und etwas anspruchsvoller als die "Normalroute" ist, jedoch (nach meinem Empfinden) auch wesentlich schöner - und einsamer. 

Wie oft habe ich schon -vom Rätikon oder dem Taminagebirge aus - das Calandamassiv betrachtet und mir vorgenommen, einmal dessen höchsten Gipfel, den Haldensteiner Calanda, vom Tal aus zu besteigen. Die Tour hatte ich bislang immer vor mir hergeschoben, graute mir doch vor dem gewaltigen Abstieg ins Rheintal, auf dem knapp 2300 Höhenmeter in grösstenteils wenig "spannendem" Gelände zu vernichten sind!

Nun, heute war es dann also soweit - der Aufstieg sollte auf der wenig begangenen Route von Vättis (943 m) aus erfolgen, und da ich ungern den gleichen Weg wieder runter gehe, planten wir gleich eine Überschreitung ins Rheintal nach Haldenstein ein. Tatsächlich sollte dann auf dem langen Abstieg dank "spezieller" Routenwahl die befürchtete Langeweile -zumindest vorübergehend- ausbleiben. Doch der Reihe nach...

War die Ankunft an unserem Ausgangsort Vättis mit der ersten Postautoverbindung bereits reichlich spät (9.15 Uhr), setzten wir noch einen drauf und irrten eine knappe halbe Stunde im Talboden herum, bis wir dann endlich am Einstieg in die Route durch den Gonscherolawald standen, wo ein schlichtes kleines Holzschild den Beginn des Pfades markiert. Am besten überquert man -von Vättis kommend- bei der ersten Brücke den Görbsbach und folgt dann dem leicht ansteigenden Fahrweg ein Stück, bis man zwangsläufig zum Beginn der Aufstiegsroute gelangt.

Auf dem gut begehbaren, aber sehr steilen Pfad (T3+) gewinnt man schnell an Höhe, es finden sich alle paar Meter rote Markierungsstriche an Bäumen (vereinzelt auch verblasste weiss-rot-weisse Wandermarkierungen), sollte man längere Zeit keine Markierungen mehr vorfinden, ist man definitiv falsch. Es gibt auf der Route jedoch nur einmal einen Wildpfad, der zu einem Verhauer verleiten könnte (den haben wir natürlich prompt ausprobiert...). 

Auf der gesamten Route bis zum Südgrat des Calandas haben wir keine anderen Wanderer getroffen, lediglich auf dem Gonscherolaboden (1460 m) trafen wir an einer Jagdhütte ein älteres Paar mit Hund- die beiden Einheimischen erzählten uns stolz von der erfolgreichen Steinbockjagd am Vortag (glücklicherweise war am heutigen Sonntag Jagdverbot!). Kein Wunder, bekamen wir an diesem Tag keinen einzigen Steinbock zu Gesicht...:-/

Nachdem man auf einer Höhe von ca. 1700 m aus dem dichten Wald tritt, gelangt man auf etwas schuttigen Pfaden durch lichtes Gehölz (Legföhren und Lärchen) und einer ersten felsigeren Stufe zum grasigen Boden des Mittelbergs (P. 2013) - ein idealer Rastplatz (ca. 2,5 h ab Vättis). In der Folge muss zum Mittleren -und Oberen Schaftäli jeweils eine Felsstufe in leichter Kraxelei (T4, I) überwunden werden, wobei die zweite Felsstufe spektakulär durch einen schluchtartigen Spalt in der Felswand, der kaum breiter als 1 Meter ist, in leichter Kaminkletterei durchschritten wird. Im Frühsommer, wenn noch Altschnee diesen Durchlass versperrt, könnte dies zum unüberwindlichen Hindernis werden!

Vom Oberen (Haldensteiner) Schaftäli -direkt oberhalb der Felsstufe- wandten wir uns dann direkt in nordöstliche Richtung und stiegen über die etwas mühsame Schutthalde zum Südgrat des Haldensteiner Calandas auf, den wir auf Höhe des überdimensionalen Steinmanns bei P. 2634 erreichten. Von dort über den Vorgipfel (P. 2755) und einige scharfe Gratzacken (diese können auch westseitig auf Wegspuren umgangen werden) zum höchsten Punkt mit grossem Gipfelkreuz mit Gipfelbuch und Gebetsfahnen (ca. 4,5 h ab Vättis). Obwohl genau während unseres Aufenthalts einige Wolkenbänke über dem benachbarten Felsberger Calanda für schattige Verhältnisse sorgten, genossen wir die herrlichen Tiefblicke nach Chur, ins Rheintal und nach Norden ins Taminatal. Trotz Quellwolken waren auch weiter entfernte Gipfel zu erkennen, nur der Ringelspitz hüllte sich während des ganzen Tages in Wolken.

Nach einer zünftigen Brotzeit mit dem Pflichtgetränk auf diesem Gipfel (da ich mir nicht sicher war, ob selbiges tatsächlich-wie in der Werbung- aus jeder Quelle sprudelt, schleppte ich eigens eine Dose dieses Gesöffs mit hoch) ging es -zunächst wieder auf dem Südgrat und dann auf schuttiger und steiler Wegspur- hinunter zur Calandahütte (2073 m), wo wir noch einen Kaffee in der Nachmittagsonne einnahmen.

Derart gestärkt, machten wir uns auf den weiteren Abstieg nach Haldenstein, zunächst brav auf dem Wanderweg, der in einem weiten Bogen nach Osten über die Alpen Altsäss (1973 m) und Funtanolja (1514 m) nach unten führt. Doch schon wenige Meter unterhalb der Calandahütte ging der Abenteurergeist mit mir durch und der Wunsch, mir meinen eigenen, mutmasslich schnelleren, da direkteren Weg, nach unten zu suchen, siegte über die Vernunft, die einem normalerweise davon abhält, ohne Kenntnis des Geländes und ohne gescheite Karte (die 1.50.000er Karte ist zur Orientierung im weglosen und unübersichtlichen Steilgelände absolut nicht brauchbar) zu vorgerückter Stunde Extratouren auszuprobieren...

Zunächst stiegen wir problemlos bis zu einer Höhe von ca. 1960 m ab, wo das Gelände steil abbricht. Vorsichtig stiegen wir an geeigneter Stelle über Schrofen und später durch lichten Wald -immer leicht rechts (im Abstiegssinn) haltend- zu einem weiteren Weideboden (Alt Stafel) ab, kreuzten dort schwach ausgeprägte, den Hang parallel querende Pfadspuren, bis wir auf einer Höhe von knapp 1700 m an den Felsabbrüchen des Talbachtobels standen (natürlich wussten wir nicht, wo wir uns befanden, die Route habe ich nachträglich anhand der digitalen swisstopo-Landeskarte recherchiert). Da wir auf keinen Fall den ganzen Weg wieder zurückgehen und hinaufsteigen wollten, stiegen wir nun eben am Rand eines wirklich undurchdringlichen (zumindest ohne Motorsäge oder ähnlichem Equipment) Legföhrendschungels der Abbruchkante des Tobels entlang auf gut gestuften Bändern steil nach unten. Trotz der Steilheit, die im übrigen herrliche Tiefblicke auf Chur gewährt, war das mit Felsplatten durchsetzte Schrofengelände auch im Abstieg gut zu bewältigen. Irgendwann gelangten wir auf Höhe der Baumgrenze (hier meine ich "richtige" Bäume, nicht diese blöden Legföhren, tschuldigung ossi...) auf einen querenden Jägerpfad. Da wir keine Lust mehr hatten, uns weiter durch wegloses Gelände durchzuschlagen, folgten wir nun dem spannenden, schmalen Pfad. Wo mag er uns wohl hinführen?

Glücklicherweise mündete der schöne Pfad bald in eine breitere, verfallende Wegspur, auf der wir schlussendlich zu P. 1393 auf dem Nesselboden und den markierten Wanderweg gelangten. Wir waren einigermassen erleichtert, blieb doch nur noch eine gute Stunde bis zum Einbruch der Dunkelheit. Und die Vorstellung, dann noch im steilen, mit senkrechten Felsabbrüchen und Tobel durchsetzten Gelände hoch über Chur herumzuirren, war nicht sooo prickelnd...

Leider war der restliche Abstieg über Arella (989 m) nach Haldenstein nun nicht mehr so kurzweilig, sondern eher eintönig, so dass ich nun meine müden Beine bzw. Füsse spürte und sehr froh war, als wir im letzten Tageslicht die Station Haldenstein erreicht hatten, von wo uns die Rhätische Bahn nach Landquart (Anschluss nach Sargans bzw. Zürich) brachte.

Fazit: Eine sehr schöne und eindrückliche Tour auf den Hausberg von Chur, die ich jedoch aufgrund des doch sehr langen und ermüdenden Abstiegs sicher so schnell nicht wiederholen werde. Wir hatten (einschliesslich Wegsuche) ca. 3 h von der Calandahütte nach Haldenstein. Ob sich dies bei "ordnungsgemässem" Befolgen des Wanderweges wesentlich schneller bewerkstelligen liesse, vermag ich nicht zu beurteilen. Unsere "Extraroute" ist jedenfalls nur bedingt demjenigen zu empfehlen, dem der markierte und ausgeschilderte Wanderweg zu langweilig ist. Wenngleich die Route nirgens schwierig oder "heikel" (zumindest bei trockenen Verhältnissen) ist, sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unerlässlich, da man sich zeitweise in sehr steilem Absturzgelände bewegt.   



Tourengänger: marmotta

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Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

Bombo hat gesagt:
Gesendet am 29. September 2009 um 08:59
Gratuliere Dir zu dieser anstengenden und verdienten Tour - beinahe hätten wir uns wahrsch. getroffen, denn bis Samstag Abend hatte ich für den Sonntag ebenfalls diese Tour geplant, gab dann so gegen Mitternacht jedoch der Druesberg-Tour den Vorrang :-)

marmotta hat gesagt: RE: Schade!
Gesendet am 29. September 2009 um 18:18
Hätte mich sehr gefreut, eine solche Hikr-Grösse einmal persönlich kennenzulernen! Hätte auch glatt meine Dose Calanda mit Dir geteilt... ;-)

Aber Deine Tour war ja auch nicht schlecht!

Gruess

marmotta

Bombo hat gesagt: RE: Schade!
Gesendet am 30. September 2009 um 00:09
Uii, nur nicht übertreiben :-) Die Dose holen wir ein ander Mal nach :-)

Gruess

chaeppi Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. September 2009 um 12:17
War gestern auf dem Haldensteiner Calanda. Ich bin im Aufstieg dem Wanderweg von Haldenstein zur Hütte gefolgt. Benötigte 2h35. Da wärst du im Abstieg sicherlich bedeutend schneller unten gewesen.

marmotta hat gesagt: RE: Abstieg
Gesendet am 29. September 2009 um 18:31
Danke für die Info bezüglich der Zeit, die man auf dem Wanderweg zwischen Calandahütte und Haldenstein benötigt!

Wir haben durch unsere "Abkürzung" zwar Zeit verloren, aber -wie im Bericht bereits angetönt- über 600 Hm einen spannenden und kurzweiligen Abstieg gehabt, auf dem die schmerzenden Füsse irgendwie aus dem Bewusstsein verschwunden waren. :-)

Wenn Du bis zur Calandahütte nur 2,5 h benötigt hast, warst Du aber auch noch recht zügig unterwegs. Das wären ja dann bloss 3,5 h vom Tal bis auf den Gipfel! Interessant, dass der Aufstieg von Haldenstein -obwohl distanzmässig weiter- in dem Fall schneller zu bewältigen ist als von Vättis. Vermutlich, weil man aufgrund der geringeren Steilheit wesentlich effektiver aufsteigen kann, oder was meinst Du?

Gruess

marmotta

chaeppi Pro hat gesagt: RE: Abstieg
Gesendet am 29. September 2009 um 18:52
Bis zur Hütte war ich recht zügig unterwegs. Angeschrieben waren glaube ich 4.25 Std. Weiter gings dann allerdings nicht mehr so schnell. Brauchte dann durch die doch recht mühsame Schutthalde bis zum Gipfel 1h35.

Bei der länge der Tour wollte ich keine Experimente eingehen und habe versucht mich an die Wanderwege zu halten. Mein Bericht folgt demnächst.

Gruess

chaeppi


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