La plus petite ville de l’Europe, Rue la pittoresque


Publiziert von Henrik , 13. September 2009 um 10:16.

Region: Welt » Schweiz » Freiburg
Tour Datum: 9 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD 
Zeitbedarf: 5:00
Abstieg: 180 m
Strecke:Rue - Ecublens (FR) - Moudon
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:Zuhause
Kartennummer:ivs-gis

Die frühmorgendliche Fahrt in die Romandie begann bereits um sechs, wieder setzte ich mich in den Zug, diesmal über Bern, mit Umsteigen, bis nach Romont. Zwischen Fribourg und Romont präsentierte sich die bereits herbstlich anmutende Landschaft von ihrer Traumseite: Bodennebel, darüber die Zacken der Berner und Freiburger (Vor-)Alpen und als Krönung die aufgehende Sonne – mir kamen beinahe die Tränen, es berührte mich derart – was für ein Gegensatz zu den Laptops auf den Knien der Bundfalten-Allianz und deren störenden, lauten Handygespräche! In Romont nahm ich den Bus Richtung Palézieux – als ich den Firmennamen Kowalski las, kam mir sogleich der Film „Vanishing Point“ in den Sinn.....Staub und leere Strassen würden mich heute erneut begleiten wie schon am Montag um Henniez.....nach Siviriez war ich der einzigste Passagier. Weite Ackerflächen, zerschnittene Waldränder, Traktoren mit Graslader, tragende Obstbäume, Dunst, grasende Kühe; Namen von Ortschaften, die ich noch nie gelesen hatte: Le Saulgy, Prez, Bionnens, Ursy...klang wie Ursi! Bei der Haltestelle „Chez Cottet“ am Dorfeingang von Rue stieg ich aus – der Bus setzte die Fahrt fort. Und die Stille schlug förmlich zu....kein Auto, kein Vogelgezwitscher, keine Traktoren, kein Baulärm, obwohl das Dorf nur ein paar Meter davon entfernt war. Froh war ich jetzt um meine Jacke: irgendwo unterwegs las ich die digitale Anzeige von 6 Grad...! Die schmale Strasse entlang der Hauptstrasse führte geradewegs zum Château, zuvor eröffnete ein weiter Blick Richtung Jura nach Nordwesten. Tau lag auf den Feldern, weisslich.
 
Der Zugang zum Château ist nicht öffentlich. In den Dokumenten erscheint Rue das erste Mal in 1155 als Eigentum einer Familie der kleinen Noblesse, Vasallen der Genfer Grafen. Das wahrscheinliche Datum des Werkes liegt im 12. Jahrhundert auf Basis des enormen und soliden viereckigen Wachtturms an der Nordostseite, der den Zugang zum felsigen Kap verteidigen musste. Vor dem Turm wurde der Graben durch eine Zugbrücke überquert. Der Molassenhügel an den Steilabhängen wurde seinerseits durch eine Umfriedungsmauer und im Westen durch einen Verteidigungsturm geschützt, der noch heute aufrecht steht. Die Fläche des Schlosses wurde durch Wohnungs- und Dienstanhänge besetzt. Die ursprüngliche Struktur bleibt jedoch verborgen.
 
Als nächstes stand ein kleine Pause im dorfeigenen Café im Hotel-de-Villa an: das Interieur kann mit den Grossen mitziehen – ein heller Speisesaal mit Blick auf das Broye-Tal. An den Wänden die Schulklassenverzeichnisse vergangener Jahrgänge. An den kleinen Bistrotischen Handwerker und eine Gruppe jassender Männer, es ist halb neun! An einer andern Wand hängen die Zeitungsausschnitte einer ruhmreichen Zeit, als der Mensch aufs Fliegen kam: Ferdinand Ferber, 1862 - 1909, l’un des premiers créateurs de planneurs en Suisse - http://www.rue.ch/Li17g2_3.pdf. Von den Schlossmauern aus erhob sich der erste Aviatiker der Schweiz zu einem Sekundenflug à la Lilienthal!
 
Bevor eine Weiterwanderung in Betracht gezogen wird, folge man dem kleinen Stadtführer durch die Gassen. Sicher, viele andere Orte der CH mit ihren Burgen, Châteaux haben möglicherweise mehr Gewicht – aber Rue rühmt sich ja die kleinste Stadt Europas zu sein, gewähre man ihr also auch etwas Zeit.
 
Gegen zehn Uhr steige ich in die Ebene hinunter, zur Broye. Folge den Wegweisern zuerst zum Bahnhof von Ecublens (FR), nach der Brücke über die träge dahinfliessende Broye gleich nach rechts zur STEP und auf einer Betonpiste vorerst bis diese nach einen paar Kurven in einem taunassen Feld ihr Ende anzeigt...ich überquere das offene Bahntrasse der Linie Payerne – Palézieux, steige hinauf zum Hof „Fraiche Fontaine“ und verbleibe nun etwas nervig auf der hart-staubigen Strasse bis an die Kantonsgrenze bei Villangeaux – völlig unspektakulär. Von hier sieht man im Dunst die Radiomasten von Sottens, die im Gegensatz zum Landessender Beromünster noch eine Weile ihren Dienst tun dürfen. Danach biege ich nach rechts und folge der Kantonsgrenze, eigentlich wollte ich ihr bis an die Broye hinunter folgen, quasi das Bahntrasse überschreiten und dann am Flüsschen eine Erfrischung holen: doch unpassierbares Dickicht, steiler Hang liessen es scheitern. Ich folgte dem Waldrand und versuchte es erneut auf der Höhe des Weilers Bressonnaz Dessus – ohne Erfolg. Kein weiterer Versuch, stattdessen suchte ich den Weg nach Moudon und unverhofft traf ich auf einen etwas müde wirkenden Langwanderer, der mich nach dem Jakobsweg fragte....der „Romandieweg“ verläuft hier durch: auf einer alten Steinbrücke den Carrouge überqueren, heisst es in der Wegleitung dazu. Nach einigen Flussschleifen der Broye entlang, stehe ich um 14 Uhr in Moudon – wer Dienst bei der CH-Armee leisten muss, wird es kennen!
 
Rue kennen Bahnfahrer, wenn sie sich von Bern nach Lausanne begeben: kurz vor Palézieux erhebt sich aus dem eher flachen Gelände ein Hügel rechtsseitig....darauf erkennt man eine Burg!
 
Fazit: Unspektakuläre Wanderung, nicht unbedingt zu empfehlen zu Fuss, viel Asphalt – aber die kleinste Stadt Europas besuchen, das lohnt sogar ein Mittag- oder festliches Abendessen. Bon Appetit!
 

Tourengänger: Henrik

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Kommentare (1)


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Zaza hat gesagt:
Gesendet am 13. September 2009 um 21:55
Salut Henrik,

dem Vernehmen nach gehört das Château de Rue dem Gründer von Interdiscount.

Die obere Altstadt von Moudon (le bourg) ist mindestens ebenso schön und unbedingt einen Besuch wert!

Gruss, zaza


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