Gran Sasso (Corno Grande, Westgipfel, 2912m) - Monte Aquila (2495m)


Publiziert von gero Pro , 7. September 2009 um 23:50.

Region: Welt » Italien » Abruzzen
Tour Datum:28 August 2009
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1045 m
Abstieg: 1045 m
Strecke:Albergo Campo Imperatore - Sella di Monte Aquila - Westgrat - Corno Grande (Westgipfel) - Abstieg Normalweg - Monte Aquila - Albergo Campo Imperatore
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wahlweise 1) von Aquila über die Autobahn oder die SS 17bis nach Assergi, von dort weiter die SS 17bis oder mit der Seilbahn hinauf zum Albergo Campo Imperatore 2) von San Stefano di Sessanio hinauf zum Campo Imperatore und über dieses zum gleichnamigen Albergo
Kartennummer:Kompass 669 (Gran Sasso d'Italia, Aquila, 1:50000); Edizioni Il Lupo No.3 (Gran Sasso d'Italia 1:25000)

Der höchste Berg der Apenninen? Keine Ahnung ... so hätte ich noch vor 3 Wochen gesprochen. Inzwischen waren Petra und ich droben. Es ist das Massiv des Gran Sasso, und dort der Westgipfel des Corno Grande mit 2912m. Neben diesem gibt es in der Gruppe des Gran Sasso noch etliche weitere Gipfel, die aber nur maximal 2600m hoch sind - mit Ausnahme des Ostgipfels des Corno Grande, der es auf 2903m Höhe bringt. Durch das ganze Massiv führt der Grans-Sasso-Autobahntunnel mit einer Länge von gut 10km - die Trasse verbindet die Hauptstadt der Region, L'Aquila (ca. 68000 Ew) mit Pescara an der Adria.

Bleibt noch zu erwähnen, das wir uns hier in Erdbebengebiet befinden: das letzte heftige Beben ereignete sich bekanntlich am 6. April 2009. Die Schäden sind beträchtlich: viele Straßen sind derzeit noch gesperrt, Ortschaften evakuiert und abgeriegelt (so auch die Innenstadt von L'Aquila), etwa 50000 Menschen leben in Zelten oder wurden in andere Gebiete Italiens ausgesiedelt .... ich will es mit diesen geografischen bzw. geotechnischen Vorbemerkungen bewenden lassen.

Meine Frau und ich starteten um 6 Uhr am Albergo Campo Imperatore, auf 2130m am Westrand des Campo Imperatore gelegen, einer Hochebene beträchtlichen Ausmaßes, die an tibetische Ebenen erinnert und deswegen gelegentlich als das italienische Tibet bezeichnet wird. Es empfielt sich meiner Meinung nach aus 3 Gründen, frühzeitig zu starten: erstens kann man dann in der Kühle des Morgens aufsteigen und bekommt die Hitze des Tages erst im Abstieg zu spüren (bis zu 30 Grad sind hier auch auf 3000m keine Seltenheit!) - zweitens entgeht man den Menschenmassen, die gelegentlich am späteren Vormittag den Berg überfluten - und drittens ist es früh morgens noch klar und wolkenlos mit entsprechend guter Fernsicht, spätestens ab 11 Uhr kam es während unseres Aufenthaltes immer zu starker Quellwolkenbildung.

Man kann eigentlich kaum fehlgehen: die Route ist immer gut beschildert und markiert, gleich hinter dem Albergo, der Seilbahn-Bergstation und dem Observatorium folgt man dem Weg Nr.3 und erreicht nach einer guten halben Stunde die Sella Monte Aquila (2335m). Hier muß man sich erstmals entscheiden, wie man aufsteigen möchte: geht es die Via Direttisima Alpinistica hinauf (ein etwas anspruchsvollerer Weg durch die Südwand, er mündet direkt auf dem Westgipfel des Corno Grande, Weg Nr. 4a, über die dortige Kletterei las ich von Zweierstellen) oder Normalweg bzw. Westkamm? Wir wählten in der Folge den unterhaltsamen Aufstieg über den Westkamm und folgten in einer langen, ansteigenden Querung unter der Südwestflanke des Corno Grande auf Weg Nr. 3a der entsprechenden Beschilderung bzw. Markierung.

Um 7:30 Uhr hatten wir einen weiteren Sattel erreicht, die 2506m hohe Sella del Brecciaio. Nochmals 100m höher fällt die Entscheidung zwischen Normalweg und Westkamm. Vom Normalweg ist im Aufstieg abzuraten (viel Kampf gegen Geröllfelder): wenn man Einserkletterei beherrscht und schwindelfrei ist, sollte man sich den Spaß gönnen und den unterhaltsamen Westgrat hinaufturnen. Die Abzweigung ist bei etwa 2600m Höhe unübersehbar markiert, auch am Grat selber kann man nicht fehlgehen, da die roten Markierungen in allerhöchstens 10m-Abständen aufeinander folgen. Der Westgrat ist nirgends sonderlich anspruchvoll, es ist einfach ein Genuß, dort hinaufzukraxeln!

Um 8:45 Uhr hatten wir nach knapp 3 Std. den Westgipfel der Corno Grande (2912m) erreicht - und waren wieder einmal froh, frühzeitig gestartet zu sein. Wir hatten während der folgenden Stunde den Gipfel vollkommen für uns allein (erst beim Abstieg begegneten uns scharenweise Turnschuhtouristen), es war hochsommerlich warm, kein Lüftchen rührte sich, und außer etwas Dunst trübte noch kein Wölkchen die Sicht. Ich las, das man an klaren Tagen die Adria im Osten (das sind etwa 50km Luftlinie) und das Tyrrhenische Meer im Westen (etwa 120km Entfernung) sehen kann - nun, dazu muß man wohl einen der superklaren Herbsttage für die Besteigung wählen, so weit reichte es für uns nicht; aber wir waren es zufrieden!

Beeindruckend ist der Blick hinüber zum Ostgipfel des Corno Grande - ein wilder, türmereicher Zackengrat verbindet die beiden Hauptgipfel des Corno Grande (er besteht neben dem West- und dem Ostgipfel noch aus der Mittelspitze 2893m und dem Corno Piccolo 2613m). Auch der Tiefblick auf den Campo Imperatore ist erwähnenswert.

Wir stiegen dann auf dem Normalweg ab: er führt, wiederum bestens markiert, durch die Westflanke des Berges. Hier gibt es viel Schutt, der im Abstieg noch akzeptabel, aber meines Erachtens für den Aufstieg wenig erfreulich ist. Auf dem Rückweg erstiegen wir noch den Monte Aquila (2495m), er ist beiläufig "mitzunehmen", es handelt sich um einen Wiesen- und Schrofenhügel, der auf einem Pfad problemlos zu erreichen ist. Rund eine zusätzliche Stunde sollte dafür mindestens angesetzt werden.

Gegen 14 uhr waren wir wieder am Ausgangspunkt, hatten für die ganze Unternehmung incl. aller Pausen also 8 Std. gebraucht.


Zum Schluß noch ein Wort zur Landkartenwahl: für die Nationalparks der Abruzzen (und andere Gebiete) gibt es von der Edizioni Il Lupo hervorragend genaue Karten im Maßstab 1:25.000, die auf den IGM-Karten (Italienische Militärkarten) beruhen und bestechend exakt sind. Sie sind auf den Hütten in den jeweiligen Gebieten erhältlich - und vermutlich auch im Internet unter www.illupo.com


Tourengänger: gero

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Kommentare (6)


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ju_wi hat gesagt: Höchster Berg des Apennin
Gesendet am 8. September 2009 um 23:45
Hi Georg,
das ist ja eigentlich eine Tour in unserem Stil. Tatsächlich habe ich mir in Italien schon mal den höchsten Punkt des Apennin betrachtet und uns mit Fernweh dorthin gewünscht. Schön davon zu lesen - "Höchster Punkt zwischen Ätna und Alpen" - ich finde das hat einfach etwas.

Beste Grüße, Jürgen

gidi hat gesagt: Gran Sasso
Gesendet am 6. Oktober 2009 um 15:40
hallo Georg,

In den 90er Jahren besuchte ich den Corno Grande sechs mal. Immer während den Badeferien in Rosetto. Mit dem Hotelauto fuhr ich so früh los, dass ich spätestens um sechs Uhr in Campo Imperatore war.
Einmal beging ich die Route über den Westgrat und zweimal über die Direttissima. Wovon einmal mit meinem Sohn der damals in die fünfte Klasse ging.

Die Diretissima ist empfehlenswert. Sie ist nicht gefährlich. Ab und zu muss man die Hände zu Hilfe nehmen.

Einmal besuchte ich den Gipfel nach einem Regentag. Morgens um acht Uhr war ich auf dem Gipfel. Da konnte ich tatsächlich die Adria und das Mittelmeer sehen.

Die Gegend zwischen Aquilla und dem Gran Sasso finde ich eine wunderbare Gegend.

Dreimal "bestieg" ich den Gipfel von Prati di Tivo her. Da die Sesselbahn jeweils erst um neun Uhr den Betrieb aufnahm erreichte man den Gipfel erst so gegen 13 Uhr. Mit der ganzen Touristenkolonne.

Botanisch ist das Gran Sasso Gebiet sehr interessant.
So sah ich dort zum erstenmal den Schwarzen Germer oder den Gelben Alpenmohn..

Viele Dias von der Gegend halten meine Erinnerungen an diese Berge wach.

Wenn ich je nochmals nach Rosetto reise werde ich das Gebiet wieder besuchen.

Mit Gruss, Guido

gero Pro hat gesagt: RE:Gran Sasso
Gesendet am 6. Oktober 2009 um 16:50
Hallo Guido,

danke für Deine ausführlichen Erläuterungen! Ja, die Direttissima steht bei mir auch auf der Wunschliste - falls ich nochmal dahin kommen sollte.
Den Corno Piccolo über den Normalweg oder gar die Tour über das Bivacco Bafile kennst du offenbar auch nicht? Schaut knackig aus, wahrscheinlich nichts für mein bescheidenes Können.
Du hast recht, ein wunderbares Gebiet, aber halt auch recht weit entfernt und als Tagestour selbst für mich unmöglich (von Nürnberg aus mache ich nahezu alle Touren in den Alpen als Ein- oder Zweitagestouren).
Ist schon toll, wenn man den Corno Grande für sich allein hat, weil man sich um 3 Uhr aus dem Bett geschwungen hat, damit man um 6 Uhr losgehen kann!
(Schmunzelnder Kommentar meiner Frau grad zu Dir: noch so ein Verrückter, der um 6 Uhr losgeht - aber sie macht gern mit, wir sind Frühaufsteher).

Kennst Du die anderen von mir beschriebenen Abruzzen-Berge auch? Die von mir geschilderte Überschreitung des Monte Camiccia z.B. kann ich wärmestens empfehlen, wenn man entsprechend alpine Erfahrung hat - was bei Dir ja offensichtlich zutrifft.
Und der benachbarte Monte Prena muß auch toll sein. Und und und..

Beste Berggrüße, Georg

gidi hat gesagt: Gran Sasso
Gesendet am 8. Oktober 2009 um 21:45
Hallo Georg,

Grosse alpinistische Erfahrung habe ich nicht.

Ich bekam mal Unterlagen über die Gran Sasso Routen. Den Beschrieb der Diretissima liess ich mir übersetzen.
Daraus schloss ich, dass das für mich zu machen sei.

Die Route war damals grün markiert.Ganz am Anfang, auf deinem Bild "Auf dem Sattel Sella Monte Aquilla ist sie gut zu sehen. Eine enge Rinne, in der manchmal Schnee liegt.
Dann gibt es noch enen Felskopf den man etwa 3 Meter besteigen muss. Er ist schön griffig und nicht ausgesetzt. Ab da kann man alles aufrecht bis zum Gipfel gehen. Teils mit schönen Tiefblicken.

Der Corno Piccolo hätte mich schon auch mal gereizt. Von Prati di Tivo aus gelangt man in den Sattel zw. Piccolo und Grande.Dort sah ich übrigens meine ersten Frühlingsadonis-Röschen, die es im ganzen Alpenraum nur im Wallis gibt.

Die andereen Berge bestaunte ich einfach, besah sie nach möglichen Aufstiegsrouten. Aber ich war nur auf dem Gran Sasso.

Wir machten jahrelang in Rosetto immer im gleichen Hotel Sommerferien. Einmal waren wir im April dort. Da wurde ich auf den Gran Sasso dÌtalia aufmerksam weil man ihn von der Küste aus so gut sah.
Ab diesem Jahr besuchte ich ihn jeden Sommer.

Leider habe ich keine Digitalfotos davon, aber sehr viele Dias, die ich endlich einmal einscannen sollte.

Mit besten Grüssen, Guido

gero Pro hat gesagt: RE:Gran Sasso
Gesendet am 8. Oktober 2009 um 21:56
Lieber Guido,
vielen Dank für Deine Erläuterungen - ich glaube fast, meine Frau und ich müssen im nächsten Sommer wieder in die Abruzzen fahren - um die Direttissima nachzuholen, und vielleicht auch den Corno Picollo zu packen. Und und und.... viel Ziele!

Nochmals besten Gruß, Georg

trainman hat gesagt:
Gesendet am 14. März 2010 um 22:14
Hallo gero
Sehr schöner Bericht über eine tolle Tour,diese Gegend steht bei mir auch schon lange auf dem Wunschzettel.Ich muss mich wohl im Sommer mal in den Zug setzen...
Beste Grüsse trainman


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