Unterwegs in der Innerschweiz


Publiziert von Steinadler , 7. September 2009 um 22:55.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 5 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Mythengruppe   CH-SZ   Alptaler Berge   CH-BE   CH-UR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Strecke:Susten - Klettergarten Hell - Schwyz - Grosser Mythen

Ein abwechslungsreiches Kletterwochenende.

Samstag

Mit meiner Schwester mache ich mich früh morgens auf den Weg zum Sustenpass.
Unser Ziel: gemütliches Klettern im Klettergarten Hell. Nach einer anstrengenden Autofahrt (der Töfffahrer wegen die nicht schnellgenug sein können) erreichen wir den Klettergarten. Bis auf eine weitere Seilschaft gehört der schöne, griffige Fels uns allein. Der Klettergarten Hell befindet sich direkt über einem Tunnel der Passstrasse kurz vor dem Bergrestaurant Steingletscher. Die erste Route heisst "Simsalabim" und ist mit 5a bewertet. Das ich schon längere Zeit nicht mehr draussen klettern war, bekomme ich nun zu spüren. Die Hackenabstände sind mit 4-6 Metern etwas sportlich (ich muss sagen dass ich die "jeden-Meter-einen-Hacken-Menthalität" absolut nicht vertrete jedoch wegen zu seltenem trainieren froh gewäsen wenn es ein oder zwei Hacken mehr gehabt hätte) Etwas irritiert aber erfolgreich erreiche ich die Umlenkung der Route. Wieder festen Boden unter den Füssen nehmen wir die restlichen 5a Routen in Angriff.

Nach einem gemütlichen Mittagessen und einem Kaffee Steigen wir die Route "Alpewägli 4c" vor um von oben ein Toprope einzurichten. So klettern wir noch die Route "Fingerschmerz 6b"

Ein schöner Klettersamstag neigt sich dem Ende und wir kehren im Berggasthof Steingletscher ein bevor wir die Heimreise antreten.

Sonntag

Für heute hatte ich geplant mit "Tensing-Gabriel" auf dem Steingletscher die neuen Steigeisen auszuprobieren. Hier wollten wir etwas Eisklettern umd uns auf den kommenden Winter vorzubereiten. Da der Gletscher stark rückgangig ist, wir direkt unter ein paar mächtigen Eisabbrüchen klettern würden und es nicht wirklich geeignete Stellen zum Eisklettern gibt beschliesse ich nach Schwyz zu fahren. Als Eingeborener und waschechter Schwyzer hat Gabriel schon einen Vorschlag parat. Grosser Mythen Wyssnollen heisst unser Projekt. Dieser Weisse Felsblock sticht aus der sonst roten Wand des Gipfelkopfes des Grossen Mythen heraus.

Nach stärkendem Frühstück machen wir uns auf  Richtung Holzegg. Von dort aus folgt man dem "Highway" Richtung Gipfel Grosser Mythen. Highway deshalb, weil ich wohl noch nie einen besser ausgebauten Wanderweg gesehen habe und sich dutzende von Touristen den Berg hoch schleppen. Die Devise heisst leben und leben lassen und so hört das Grüezisagen kaum auf . Weiter oben zweigt der Weg links weg. Nun heisst es kraxeln entlang des Schafweges - so der offizielle Namen. Die Stimmen der Touristen verstummen hinter uns. Die ausgesetztheit dieses Weges schreckt viele ab. Eine Dreiviertelstunde erreichen wir das "Nollenbrünneli" diese natürliche Bergquelle liefert das ganze Jahr frisches Trinkwasser.

Der Einstieg der Route beginnt versteckt hinter einer Tanne ca 50 Meter vom Nollenbrünneli entfernt. Die erste Seillänge führt entlang eines Risses steil nach oben. Mit nassen Kletterfinken und von der Kälte klammen Fingern ein nicht einfaches Unterfangen. Hinzu kommt das wir mit Rucksäcken klettern. Die Qualität des Gesteins ist teilweise schlecht, die Haken (geschlagene Haken) in spährlichen Abständen sind wakelig und rostig. So bin ich denn nicht allzu überrascht als ich den eigentlich für gut empfunden Griff plötzlich in der Hand habe und sich ein Kopfgrosser Stein aus der Wand löst und mit lautem getose  Richtung boden Stürzt. Die Route hat definitif alpinen Charakter.

Die Adrenalinreserven schon fast ausgelaugt steige ich die zweite Seillänge dennoch vor. Nach dem passieren des ersten Aufschwunges eindlich eine Sicherung. Eine von der Witterung völlig zermürbte Seilschlinge. Schnell lege ich eine neue und steige weiter. Zehn Meter über der letzten Sicherung wieder ein Haken. Auch dieser Haken fristet sein dasein nur so dahin. Die Routenführung ist nicht klar ersichtlich, es könnte überall und nirgends weitergehn. Der Kletterführer ist leider auch nicht hilfreich. Keine weitere Haken oder Zwischensicherungen sind zu sehen und ein Weitersteigen im fünften Schwierigkeitsgrat erscheint mir wenig attraktiv.

1.5 Stunden Abkletterei und zwei alte geopferte HMS-Karabiner später erreichen wir wieder festen Boden unter den Füssen. Trotz der Umkehr lassen wir uns einen Gipfelerfolg nicht nehmen und steigen den Weg zurück auf den Gipfel des Grossen Mythen wo wir bei Bester Aussicht das schöne Wetter geniessen.

Fazit:
  • Toller Klettergarten auf dem Sustenpass
  • Der Grosse Mythen ist ein toller Aussichtsberg, etwas sehr touristisch
  • Die Kletterei am Wyssnollen ist nur etwas für Kenner, die Routenfindung gestaltet sich eher schwierig

Tourengänger: Steinadler

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Kommentare (3)


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Alpin_Rise Pro hat gesagt: Wyss Nollen
Gesendet am 8. September 2009 um 00:07
Salut Steinadler!
Da hast Du ja ein kontrastreiches Kletterwochenende gehabt. Weisst du, wie die Route am Wyss Nollen heisst? Ich wollte dort mal eine gehen, haben dann aber den Weissnollen östlich umgangen und nur den Gipfelkopf geklettert. Ist die Route, welche bei der Tanne hochführt, nicht saniert? Auch die Nachbarrouten nicht?
G, Rise

Steinadler hat gesagt: RE:Wyss Nollen
Gesendet am 8. September 2009 um 08:54
Hallo Rise
ja kontrastreich trifft es wirklich gut =)
Die Route ansich heisst glaube ich lediglich Wyss-Nollen. Teilweise sind neue Ringe drinn. Leider etwas spährlich für meinen Geschmack. Das es eine Nachbarroute gibt wusste ich nicht, habe dort auch keine Haken gesehen. Wenn du Interesse hast kann ich meinen Kollegen für das Topo fragen. Ja umgehen wäre vermutlich angenehmer gewesen.

Alpin_Rise Pro hat gesagt: RE:Wyss Nollen
Gesendet am 9. September 2009 um 17:36
Also doch saniert, danke für die Präzisierung!
Dann ergeben sich am Mythen interessante Tagestouren, z.B. Wyss Wändli, Wyss Nollen, Gipfelkopf Couches Rouges, usw.
G, Rise


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