Warum Ces nichts mit dem Bund der Pfadfinder zu tun hat


Publiziert von Henrik , 1. September 2009 um 22:46.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:29 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 670 m
Abstieg: 1085 m
Strecke:Dalpe - Alpe Piota - Gribbio - Ces - Chironico
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:OSTELLO LA CURVA in Cavergno /50.- pp
Kartennummer:ivs-gis

 

Ursprünglich plante ich das Wochenende im Valle Maggia für mich allein – als ich davon Claudia erzählte, bat sie mich, sie möchte gerne mitkommen! Damit war ich wieder gefordert: eine längere Wanderung mit gerne knapp 1000 HM rauf und runter, so ihr Wunsch. Beim Durchstöbern des Netzes stiess ich auf diese Seite http://grisotto.ch/index.php?section=walk& - hier wird die Passage Dalpe via Alpe Piota nach Chironico in knappen Sätzen beschrieben. Das reichte für meine Intention, lass uns hier nachwandern, schlug ich Claudia vor; allerdings implizierte das sehr frühes Aufbrechen: um sechs Uhr ab Basel. Zwischenzeitlich ist Claudia nicht mehr im Besitz des GA, aber ich lud sie ein bis Airolo wenigstens im Panoramawagen First Class zu reisen. Wir taten gut an diesem Entschluss, in Luzern füllte sich der Zug mit vielen Gruppen, auch in den 1.-Klasse-Abteilen! In Arth-Goldau waren es schon Massen. Ab hier war es dann sogar nass und die ersten Tropfen rollten die geneigten Fenster herunter, in Göschenen hingen die Wolken tief, sodass allgemeines Raunen im Zugsabteil anschwoll, was bietet denn nach dem Tunnel das Tessin? Freude erschallte allenthalben, allerdings war’s noch frisch. Wir setzten uns im Hotel des Alpes auf die Terrasse und bestellten den aromatischen Espresso, der hier nur 2.20 Franken kostet! Um 9.29...(Claudia wies mich darauf hin), eine Minute zu früh also, fuhr der Bus los nach Dalpe. Ab Piotta waren wir allein im Bus. In Dalpe frischte der Wind noch nach. Im Dorf regte sich noch wenig, doch die Einkaufskörbe wurden in die Autos gepackt.
 
Am CRAI-Dorfladen vorbei beginnt der gemeinsame Pfad: Campo Tencia und Chironico. In Piumogna dröhnte uns HeavyMetal entgegen und es roch nach Alkohol, junge Ticinesi bauten ein Pyramide aus Dosenbier auf, wir spekulierten auf ein Sommerfest, fragten aber nicht nach. Beim Punkt 1399 ist der gleichnamige Bach zu überqueren, man gelangt auf den ausgezeichnet signalisierten Pfad an Géra vorbei und steigt steil hinauf zur Alpe Piota: Lärchen, Föhren, reiche Flora und zahlreiches Vogelgezwitscher begleiteten uns, noch war Claudia nicht im Steige-Rhythmus – ich umso mehr. Bald brannte die Sonne, es war zwischenzeitlich 11 Uhr. Die Alpe P. empfing uns mit dösenden Säuli im Vorgarten des Wohngebäudes, die Stallungen waren leer und am Brunnen durften wir unsere PET-Flaschen mit kühlem Nass füllen. Kurz bevor hier der Saumweg mit den Granitplatten beginnt und hinunter zum Hochmoor von Gribbio führt, entschieden wir uns für die erste Rast – Claudia hatte Heisshunger.
 
Plötzlich rissen die Wolken auf auf dem Gegenhang der Leventina, über dem Basso di Nara (5. November 2005 bin ich dort rübergeeilt) und das Rheinwaldhorn zeigte sich ganz kurz unverhüllt. Der Weg nach unten nach Foppe verlangte Aufmerksamkeit, noch waren die Platten nicht ganz trocken. Die Weiden werden hier bestossen, zwischen Foppa und Gribbio wurde auf den Parzellen gerade das Gras geschnitten. In Gribbio setzten wir uns auf eine Bank an der Kirchenmauer und hielten nochmals Rast. Der Blick schweifte in die Höhe gegenüber – entlang der Wuchtigkeit dieser fast hängenden „Gärten“ des Vallone di Gribbio und darüber thronte der Pizzo Forno. Der nächste Abschnitt verhiess 55 Minuten Gehzeit, man quert die steglose Gribbiasca, ein wüstes Durcheinander liegt hier verstreut herum wie Äste, zerbrochene Büsche und enorm viel Geröll – die Vermutung liegt nahe, dass das die Überreste einer Lawine sind, dieses Winters. Es steigt ziemlich an, kaum Serpentinen, die WSL (Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft) betreibt hier auf 1350 m ein Forstprojekt mit dazugehörender automatischer Wetterstation; etwas weiter oben ein Findling, von wo man den Blick hinüber nach Gribbio erhält und weiter entfernt der Pizzo del Sole (?). Die letzten Meter bevor man ins Freie tritt, wandert man durch etwas Düsternis einer Monokultur und wird geblendet von Helligkeit der gerodeten Fläche um Ces, wir glaubten uns in die Lüneberger Heide versetzt, es fehlten lediglich die Heidschnucken! Der Wind frischte erneut auf und es lag auf diesem Flecken ein beinahe mystische Ruhe, der Weiler wirkte unbewohnt, doch ein Kamin entliess eine schwache Fahne. Wir hofften hier Käse und Tee kaufen zu können, immerhin verhiess dies die Internetseite von Ces: http://www.cesnet.ch. Ein Plastikschild wies den Weg zum Produzenten – doch wir fanden ihn nicht sofort: von Aussen war diesbezüglich nichts zu lesen, wir klopften an die Tür: „doch wir könnten hier Tee trinken, Käse hätte er keinen mehr und ja, Joghurt könnten wir sicher haben“. Der Tee mundete herrlich und das Joghurt nature war sensationell. Christian und Sabine sind bald 20 Jahre hier oben, wohnen ganzjährig auf Ces, produzieren für die BioKnospe, es hat auch Ferienwohnungen und ein Gruppenhaus. Es gibt eine Materialbahn, Natelverbindung und einen Festnetzanschluss! Und es gibt Abgeschiedenheit im Quadrat: wer hier dies sucht, MUSS zu Fuss hinauf und hinab, im Mittel 1 ½ Stunden pro Weg, der teils sehr steil ansteigt...Wir verweilen eine ganze Stunde – ich bin wie entrückt ab diesem Ort, und überlasse Christian einen kleinen Obulus zuhanden der Stiftung. Eigentlich will ich gar nicht nach unten, nicht weiter wandern, nicht in ein anderes Tal, Claudia bitten, noch zuzuwarten mit der Fortsetzung – ich möchte einfach dieses „Weg-Sein“ sitzend in der Sonne, den Wind in den zerzausten Haaren spüren und mich erinnern an das „Longo Mai“-Äquivalent auf der Alpe di Neggia oder in Ovigh bei Loco – mein 68er-Gefühl nochmals schwingen lassen.
 
Im Hinterkopf tickt der Busfahrplan, den es einzuhalten gilt: wir brechen auf und es gibt nur eine Richtung....Chironico zu erreichen, wenn’s geht um 17 Uhr. Doch die 1 ¼ Stunde, die der Wegweiser verheisst, ist typisch Tessin. Wir brauchen fast zwei Stunden und unterwegs beginnt Claudia zu leiden. Statt 500 HM sind es 650 HM bis zur Post, und genau diese 150 HM werden ihr zu Qual – die Knie beginnen zu schmerzen, die Beine zu zittern und die Mundwinkel werden spitz. Ich rede ihr gut zu, verlangsame das Tempo: ich favorisiere das Runterrennen generell und bin diesbezüglich auch sehr trittsicher. Um 17.03 stehen wir verschwitzt und „prustend“ an der Post, fünf Minuten später fährt der Mini-Bus nach Lavorgo. Dort der nächste Dämpfer: jetzt sind noch drei Stunden Fahrt „auszuhalten“ – unsere Unterkunft, die ich vorbestellt habe, liegt in Cavergno (Valle Maggia)...das ist schlechte Planung gewesen meinerseits... Um 20 Uhr empfängt uns Heike im OSTELLO LA CURVA, und Claudia dankt es dann, denn der Preis kann sich sehen lassen: 50 Franken mit Z’Morge. Das nahgelegene Restaurant, mit vielen Einheimischen, servierte ein gutschmeckendes Pferdesteak für Claudia, ich bestellte eine halbe Portion Spaghetti. Um zehn zogen wir uns zurück, um halb elf liessen wir uns in den Schlaf fallen, jeder für sich einen Raum. Bis um zwei in der Frühe kurvte die Dorfjugend mit frisierten Töffs durch die Strassen, danach begann der Sonntag!

Tourengänger: Henrik

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