Wie aus der Buffets-de-la-Gare-Planung eine Tanne wurde!


Publiziert von Henrik , 11. August 2009 um 13:49. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Jura
Tour Datum: 9 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-JU 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 400 m
Strecke:Biaufond - Combe du Biaufond - Combe du Valanvron - Le Cibourg
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo La-Chaux-de-Fonds
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo La Cibourg
Unterkunftmöglichkeiten:Hervorragend gespeist im Restaurant du Sapin; Le Bas-Monsieur ; 2300 Cibourg, La ;Telefon 032 968 33 14
Kartennummer:Les Bois / ivs-gis

Das e-Mail von gestern Mittag las sich so: Ciao Henrik, gar nicht so einfach...diese Buffets scheinen zunehmend auszusterben. Bei Ponts de Martel und Chambrelien ist das Telefon deaktiviert, auch Hauts-Geneveys gibt's offenbar nicht mehr. Ersatz war innert Minuten gefunden und Übereinstimmung auch: lass uns von Biaufond aufsteigen durch die Combe gleichen Namens und in La Cibourg Mittagessen! Kannst du um 7.15 in Biel sein, ich sitze im ersten Wagen des Zuges nach La-Chaux-de-Fonds auf Gleis 1, meinte Manuel am Telefon und so begaben wir uns also aus dem trüben Mittelland mit den fast am Boden schleichenden, herbstlich anmutenden Wolkenhaufen in einen weiteren Ort der CH, wo das überhand nehmende Fieber um sich greift, UNESCO-Welterbe zu werden bzw. was ja schon beschlossen ist. Wir merkten am Bahnhofsplatz nichts davon, als wir um 8 Uhr 5 auf den Postbus hinsteuerten, der pünktlich eintraf und uns mitnahm – der Unterschied zu Biel war indes eklatant: die Sonne schien und das schon kräftig.

In Biaufond lag noch Tau im Gras und die Enten, Blässhühner wie der graue Fischreiher schienen erst wach geworden zu sein – sie putzten sich, schwaderten im kalten Wasser und ein Fischer stiess sein grünes Plastikboot in den See, in dessen Mitte ein Grenzstein zu erkennen ist: hier treffen sich Frankreich, Neuchâtel und Jura, Bern darf artig zusehen – es trennen ihn keine 250 Meter bis zur Viererbande! Das Geographische Lexikon von 1902-10 schreibt folgendes:
http://www.peter-hug.ch/lexikon/BIAUFOND.Das Historische Lexikon ist sogar noch sparsamer und meint:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D7765.php. Kurz nach halb neun setzten wir uns in Bewegung, staunten über Kreationen vom Baummoos, eigentlich eine Flechte, die an Stämmen und Ästen sich entlangentwickelt und manchmal sogar in langen Fahnen an diesen herunterhängt – überhaupt es grünte immens den ganzen Weg bis wir aufs Plateau gelangten. Der Regen der letzten paar Tage muss das Seinige dazu getan haben – der Boden, die Steine und der Weg waren feucht, wir vermissten aber das Glucksen des Baches und wunderten uns bis in die Nähe unsere Aufstieges Richtung La Cibourg am Talende vom Combe du Valanvron, dass wir entlang eines „Trockentales“ wanderten – einzig der Cul des Prés wirkte als See oder eher als Tümpel. Ausser Schmetterlingen, verschiedenen Insekten und den wenigen Wasservögeln in Biaufond und am eben genannten Tümpel sahen wir keine Tiere, doch.... eine schwanger wirkende Blindschleiche, die Manuel fotografisch festhielt.

Menschen kreuzten unsere Vormittagstour keine. Wir kamen an einigen Felsbastionen vorbei, wo wir spekulierten, ob da Ossi  und dani_ ggf. mit nackten Füssen herumturnen wollten. Diesen Weg bin ich Mitte der 80er-Jahre zuletzt gewandert – ausser der langen Eisenleiter, die sogar einen Winkel bestreitet, hat der Pfad in den letzten Jahren Verbesserungen erfahren, die Markierungen und die möglichen Abzweigungen sind deutlich gekennzeichnet. In der  ständig sich verengenden Combe du Valanvron, die mir plötzlich ziemlich lang vorkam, war Achtsamkeit manchmal nötig – und immer noch war das Bachbett völlig trocken, manchmal schien uns, als hätte man dieses mit zusätzlichem Mergel geschönigt! Einen halben Kilometer wanderten wir sozusagen in diesem Wadi, doch herabgespülter Abfall war sicht- und riechbar, beinahe despektierlich ....brrr! Kurz vor der ARA folgten wir links ansteigend einem etwas ausgewaschenen Weg und gelangten in die Sommerwärme der Ebene Joux Perret beim Hof am Pt. 993; auf der Strasse dann bis zum Hof nördlich der Haltestlle „Bellevue“ der CJ, baten den Landwirt dieses Hofes, sein Grundstück queren zu dürfen und fanden uns kurz darauf auf der Strasse „Bas le Monsieur“ hinunter zum Ziel unserer gemeinsamen Tour, dem Restaurant du Sapin;  Le Bas-Monsieur ; 2300 La Cibourg. Wir entschieden uns für das Menü – Geschnetzeltes mit ganz feinen Pommes Frites und einem hervorragenden Salat vorneweg, dessen Karotten uns am Besten schmeckten! Wir sassen unter einer ausladenden Kastanie, die Terrasse war minimal belegt, ganz im Gegensatz zum Restaurant drinnen, wo kein Tisch frei war – es hat im Winter geschlossen, ist mit dem Auto  gut zu erreichen und liegt auf dem Boden der Gemeinde La-Chaux-de-Fonds (NE). Auf dem Grundstück sei auch dem 450-Jahr-alten-Ahorn unbedingt kurz einen Auge zu schenken – wir befinden uns immerhin nicht in einem botanischen Garten, wenn auch die Allée zum Bahnhof einseitig mit wuchtigen Kastanien gesäumt ist, was für eine Allée wohl eher selten. Der Bahnhof „La Cibourg“ ist eine Station mit Halt auf Verlangen, wie das bei den meisten Haltestellen der CJ im Jura der Fall ist. Um 14.10 rollte das rote Bähnli an, und brachte uns nach Le Noirmont – Manuel reiste weiter nach Bern, ich unterbrach die Fahrt nach Basel in Pré-Petitjean, und gönnte mir erneut unter Kastanien einen Tee. Wir hatten nicht um die Sonne gebeten – sie machte den Tag zum Geschenk.

Tourengänger: Henrik , Zaza

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