Rundtour um Via Alta Verzasca 3: Afata – Val Nèdro – Val Marcri


Publiziert von Seeger Pro , 13. Juli 2009 um 13:47.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:11 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Madöm Gross   CH-TI 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1440 m
Abstieg: 1360 m
Strecke:Capanna d’Afata 1669 m - Cagnago 1210 m - Pozzöu 1280 m - Alpe Fòpp 1824 m - Pescim 1860 m - Alpe di Nèdro 1871 m - Stabbio di Mezzo (Val Marcri) 1746 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Fortsetzung „Rundtour um Via Alta Verzasca 2. Tag“ Ö.V: Postautolinie von Faido-Lavorgo-Chironico-Grumo: Hütten Anstieg 3,5 Stunden. Auto: nicht zu empfehlen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Anschluss an „Rundtour um Via Alta 4: Val Marcri – Val d’Efra - Frasco“ oder Abstieg 3.5 Stunden über Faidàl oder Cavalüm nach Personico
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna d’Alpe d’Afata 1169 m Capanna Stabbio di Mezzo Marcri 1746
Kartennummer:Biasca 1273

Jäger, Alphirten und Wildheuer brauchten Wege. Schmuggler nutzten sie auch. Hunderte Tonnen Steine wurden geschichtet, die Anlagen gerodet, Erde abgetragen und aufgeschüttet. Auf etwa 1800m bis 2000m sind die Hängetäler über der Leventina -  Usedì, Fouda, Nèdro, Marcri und d’Ambra - mit kilometerlangen Höhenwegen beinahe horizontal erschlossen.
Keiner dieser Wege ist markiert. Das Auffinden derselben braucht Einfühlungsvermögen, Kartenkenntnis und Kontakt mit den Protagonisten dieser Täler – den Jägern. Schon einige Jahre bin ich am Aufspüren dieser Pfade. Unterstützt von alten Landeskarten. Je neuer die Karte, desto weniger Wege! Versunken und vergessen. Oder etwa nicht?
Die Capanna Alpe d’Afata hat mir eine angenehme Nacht geschenkt. Vielleicht nicht nur die Hütte, sondern auch die Strapazen von gestern – Capanna Cognora, Pizzo Mezzodì, Val Cramosino (!!).
Heute erfülle ich mir den lange ausgeheckten Wunsch der Traversierung des Val Cramosino und des Val Nèdro zum Val Marcri. Der ideale Höhenweg im Val Cramosino ist rundweg zu aufwendig und es lohnt sich tatsächlich, den Höhenverlust von etwa 500m in Kauf zu nehmen, anstatt sich in schätzungsweise 6 Stunden durch das wilde obere Cramosino hindurch zu kämpfen, um über Milligòrn die Bassa di Partüs, Pt. 2411, zu überschreiten.
So steige ich nach Cagnago über den bei der Nebenhütte der Alpe d’Afata bezeichneten („Caveg“) Weg ab. Dieser ist von oben her nicht immer eindeutig zu erkennen. Kerben an Bäumen und Steinmännchen helfen bereitwillig und wenn Du in Versuchung kommst, zu viele Äste und halbe Tannen wegzuräumen, bist Du sicher auf dem „Holzweg“! Speziell im hohen Gras musst Du die Spuren wie in der Pfadi suchen.
So erreiche ich den Talweg des Val Cramosino auf Pt. 1205m und zweige nach rechts ab zu den Hütten von Cagnago. Von dort hinunter zur Brücke. Der Fluss ist derart in einer tiefen Schlucht eingefressen, dass man ihn erst einige Meter vor der Brücke hören kann. Das wilde Tosen begleitet einem auf der Brücke und wenige Meter später ist es wieder mäuschenstill. Gespenstisch.
Nach leichtem Anstieg gelange ich an den unteren Rand des lieblichen und gut unterhaltenen Fleckens Pozzöu, 1280m. Weglos zu den oberen Häusern. Hier ist der Weg schwer zu finden. Trotz der Angabe der LK befindet er sich eher bei den Häusern rechts oben, bei einem Holzbrunnen. Dann diagonal nach links ansteigend (entlang von schwarzen Plastikschläuchen) und in vielen Kehren steil hinauf. Unweigerlich kommt mir Floriano in den Sinn. Ob er weniger Probleme hatte mit dem Aufstieg? Im Wald erreiche ich die kleine Lichtung von Büsan, 1578m, mit der Ruine eines stattlichen Baues. Trotz der intensiven Sonnenbestrahlung ist es angenehm, im Wald über die vielen Zick-Zacks nach der Alpe di Fòpp, 1824m, aufzusteigen. Mittagshalt. Gebratene Bratwurst, kalt, mit Brot. Tee. Und der Dessert: Jurawaffeln. Mmhhh.
Oberhalb der Alpe di Fòpp wird der steile Hang erstaunlich weit links ausholend erklimmt. Plötzlich erscheint ein gut getrampelter Weg, der auf die schöne Anhöhe 250 m unterhalb des Gipfels Fòpp führt. Die Fortsetzung ins Val Nèdro muss exakt abgeklärt werden. Nicht etwa auf dem schönen Plateau – wo der Weg hinführt – sondern beim Pt 1988m etwas oberhalb!
Unglaublich. Ich erwarte einen schwer zu findenden Weg und treffe auf eine herausgeputzte „Rennstrecke“ (Grazie Massimo!). Unschwierig leicht abwärts nach Pescim, 1860m, einem fantastischen Balkon über dem Val Nèdro mit der Ruine eines herrschaftliches Hauses/Stalles. Welcher Fluch liegt auf diesem allerschönsten Flecken Erde, damit er so vergessen werden konnte?
Kurzer Abstieg zum Hüttenweg nach der Alpe di Nèdro, welcher sich von Sassan über Gher 800m herauf schraubt. Diese unscheinbare Abzweigung hatte ich das letzte Mal nicht beachtet und deshalb  Steinmännchen bescheidenen Ausmasses gesetzt. In anstrengendem Ab und Auf geht’s weiter zur Alpe di Nèdro, 1871m, einer Lufthütte auf unbeschreiblich schönem Plateau hoch über dem Val Nèdro, wo der Nebel bis zur Feuerstelle vordringen soll. Die Jäger scherzen, dass sie sich deswegen in der Hütte jeweils nicht mehr sehen können! Der Schmuddeligkeit wird offensichtlich der Kampf angesagt. Neuer überdimensionaler Plastikschlauch soll frisches Wasser und einen frischen Wind bringen. Patriziato di Personico sei Dank!
Auf dem Weg von Pescim nach der Alpe di Nèdro habe ich am Gegenhang Lawinenkegel auf der Strecke nach Marcri entdeckt. Das kann ja munter werden! Von der Alpe di Nèdro zum Fluss hinunter. Kurz nach der Überschreitung auf gleicher Höhe nach links ist der Einstieg des Weges zu finden. Diesem knapp sichtbaren Pfad unter und über Geröllfelder entlang – alles schön auf 1860m – dann mit Steigeisen und Pickel über die Schneefelder bis zu einem von weit her erkennbaren Weg in kurzem steilen Aufschwung in den Wald hinein und wenig an- und absteigend auf den kleinen Pass, einer grossen und fast ebenen Waldlichtung. Ein Auerhahn erschreckt mich mit seinem Gurr-Gurr und flattert davon. Kleine Pause. Hier Val Nèdro – dort Val Marcri. Grüezi alter Bekannter.
Ich muss gestehen, dass ich mit dem Weg nach Stabbio di Mezzo Mühe habe. Bin ich schon übermüdet? Nach drei Wirrläufen mit Rückzug zum Referenzpunkt kämpfe ich mich mit Brachialgewalt den Hang hinunter. Unsinnig, stillos, doch nur mit einem Ziel: Runter – nur runter! Plötzlich finde ich tatsächlich den Weg. Erschöpft mit „Knie-Klicken“.
Die Hütte des Stabbio di Mezzo, 1746m, steht in einer wunderschönen Mulde. Selbstversorgerhütte. Dank Cleto bekomme ich mein Bierchen. Auch mit dem zweiten bediene ich mich. Kein Gas, also Einfeuern. Spaghetti mit Tomatensauce, vorher ein Instant-Süppchen. 3 l Tee. Kaffee und „Kuchen“. Die Hütte ist ohne Unterdach und deshalb schwer zu heizen. Mich stört dies nicht. Genug warm mit drei Wolldecken. Komaschlaf.
Wie es weitergeht, kannst Du im 4. und letzten Teil verfolgen: „Rundtour um Via Alta Verzasca 4: Val Marcri – Efra – Frasco“.
Bist Du dabei? Der Passo die Rampi liegt dazwischen. Happig, was 3 Meter bedeuten können!
http://www.hikr.org/tour/post14823.html
 
 
 
 

Tourengänger: Seeger

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Kommentare (2)


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Floriano hat gesagt: Bel giro!!
Gesendet am 18. Juli 2009 um 14:54
Un 'ottima idea fare la trasversale, certo che il sentiero spesso bisogna inventarselo! Grazie per la relazione accurata!
Ciao
Floriano

Seeger Pro hat gesagt: RE:Bel giro!!
Gesendet am 19. Juli 2009 um 00:09
Ciao Floriano
Scusi chè tutto in Tedesco.
Sono soppreso di vedere la tua reazzione. Hai letto in Tedesco!! Bravo.
Il sentiero al Val Nedro sta molto pulito. Serebbe qualche cosa a ragguingere al tuo giro.
Saluti
Andreas


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