Rundtour um Via Alta Verzasca 4: Val Marcri – Efra – Frasco


Publiziert von Seeger Pro , 13. Juli 2009 um 17:53.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:12 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Cima di Gagnone   Gruppo Madöm Gross   CH-TI 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 650 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:Stabbio di Mezzo 1746 m - Passo dei Rampi 2366m - Sattel zwischen Cima d’Efra und Basal 2493 m - Capanna d’Efra 2039 m - Frasco 885 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Fortsetzung „Rundtour um Via Alta Verzasca 3. Tag“ oder Ö.V: Postautolinie nach Personico, Aufstieg über Faisal – Sassan 5 Stunden. Auto: nicht zu empfehlen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto: Ausgangspunkt der 4-tägigen Tour Rund um Via Alta Verzasca. Ö.V.: Postautokurs nach Locarno (Achtung auf Abfahrt letzter Bus)
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Stabbio di Mezzo Marcri 1746m Capanna d’Efra SEV, 2039m
Kartennummer:Biasca 1273, Osogna 1293, Maggia 1292

Ein nicht leichter Übergang verbindet zwei ausserordentliche Täler: Das Val Marcri (Val Leventina) mit dem Val d’Efra (Val Verzasca). Dazwischen liegt das Val Iametta unter der 700m hohen Felswand der Cima d’Efra. Ein erhabener Anblick auf der Gämsen-Empore Pian Tasin, 2210m.
Es ist das dritte Mal, dass ich mich zu diesem Übergang aufmache. Doch dieses Mal sind es andere Voraussetzungen. Nicht das schöne Wetter mit den possierlichen Schleierwölklein, sondern der Viertages-Rucksack und die nicht zu vergessende Tatsache, dass ich drei happige Etappen hinter mir habe. Umso mehr bin ich erstaunt, dass sich mein Knie wieder erholt hat und der Aufstieg zu einem unbeschwerlichen Erlebnis wird.  
Von Stabbio di Mezzo, Val Marcri, 1746m, führt ein gut sichtbarer Weg (grosser Steinmann) rund 200m zum Bach, welchen man hier das erste Mal quert. Am Jägerhorst vorbei links steil hoch, später etwas weniger steil gegen den Bach haltend, welchen man ein zweites Mal überschreitet. Im Zick-Zack windet sich der Aufstieg gegen die Felsbarriere hinauf, welche das ganze Tal durchschneidet. Von unten her scheint dieses massive Hindernis unüberwindbar. Beim näheren Betrachten öffnet sich ein furchterregendes Couloir, welches mit Treppenanlagen und unter Ausnützung der Felsstufen ein Durchkommen ermöglicht. Auf halber Höhe erklimme ich die etwa ein Meter hohen Felskante, über welchem ein Felsvorsprung grosse Personen mit hohen Rucksäcken, respektive Pickel, brüsk abweist. (Passiert mir jedes Mal, wenn ich mich nicht achte). Über dem Couloir liegt ein Felsbrocken wie das Schwert des Damokles in der Schwebe. Oben angekommen, führt eine bequeme Terrasse aus dem Graben nach rechts hinaus. Vor dieser Passage befindet sich eine Quelle, welche das ganze Jahr die gleiche Temperatur hat. Ein an einer Kette befestigter Gamellendeckel lädt zum Kosten ein. In gleichmässiger Steigung stapfe ich zur Cascina al Lago und zum See. Windstill und spiegelglatt: Ich meinte, bei längerem Betrachten vornüber ins Wasser zu fallen.
Der Weg nach Pian Tasin ist nicht allzu leicht zu finden. Grob gesagt ist er eher rechts der Geröllhalde zu suchen, das heisst in Richtung Nordwesten. Steinmänner weisen (meistens) den richtigen Aufstieg. Ich suche mir den bequemsten Weg und treffe auf etwa 2150m den horizontalen Weg, welcher den ganzen Hang traversiert. Nach links haltend steige ich auf Pian Tasin, 2210m, einem unglaublich grosszügigen Grasrücken im Banne der Cima d’Efra mit Ausblick ins Val Iametta / Val d’Ambra und zurück zu den Seelein im Val Marcri. Drei junge Gämsen flüchten.
Über mir erhebt sich im Nordwesten furchterregend der Grat des Passo dei Rampi. Auf dem Schutt- und Grasrücken ersteige ich die rund 150m Höhendifferenz bis ganz oben sich bei einem Steinmann die Möglichkeit ergibt, im obersten Einschnitt des Val Iametta zur Zwischenrippe zu klettern, das heisst etwa 10 m in den Graben hinein, über eine aufgeschichtete Trockensteinmauer und in logischer Führung um diesen herum zum tiefsten Punkt hinüber.
Und da stehe ich. Jedes Mal das gleiche Theater. Ich will einfach nicht über den ausgesetzten Grat und versuche auf der Gegenseite mein Glück. Störrisch wie ein alter Esel! Wieder zum Einschnitt zurück. Spreizschritt nach hinten. Linker Schuh zum kleinen Riss. Griff. Schwung. Und oben steh ich. Ich turne um einen Steinbrocken herum, welcher sich auf den Grat verirrt hat, und stehe auf. Eins..Zwei..Drei..Schritte und ich befinde mich auf „sicherem Boden“. In leichter Kletterei (II) rechtsherum geht’s weiter und in der Folge meistens von links her Gratbuckel um Gratbuckel bis auf den breiten Grasrücken unterhalb des Basal (könnte man auch noch mitnehmen) auf 2480m (Steinmann). Von hier links horizontal zum Einschnitt zwischen Cima d’Efra und Basal, Pt 2493, hinüber.
Ab jetzt geht’s 1900m abwärts. Blaue Punkte – teilweise grau übermalt – führen Richtung Efra-Hütte. Das Blöken von Schafen und das Meckern von Ziegen begleiten mich über die grünen Matten, welche von einigen Steilabsätzen unterbrochen werden. In der Nähe des Pt 2285 zweigt er nach Rechts ab, ebenfalls mit blauen Punkten markiert, Richtung Efra-Hütte. Man kann sich so den Umweg über den Passo Gagnone ersparen.
Die Hüttenverantwortlichen sind am Renovieren der Capanna. Malen, Ersatz alter Kästen, Gestelle und Unterbau. Ich werde herzlich empfangen und zu Merlot, Salam und Kaffee eingeladen. Welch eine Überraschung (Grazie a tutti)!
Gestärkt nehme ich den letzten Abschnitt über den Lago d’Efra, die Alpe d’Efra mit den famosen Steinplatten (jede tonnenschwer!) als Dächer, unter die müden Füsse. Abstieg in den Schmelztiegel von Wasserfällen, welche aus allen Richtungen herab tosen. Endloses Hinauslaufen nach Frasco.
Und was kommt als Nächstes?
CARPE DIEM

Tourengänger: Seeger

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