Alpe Loi und ein giftiger Dschungel hoch über Iselle


Publiziert von ABoehlen Pro , 24. Juni 2009 um 11:14.

Region: Welt » Italien » Piemont
Tour Datum:23 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Strecke:Iselle Stazione - Iselle - Osone - Alpe Loi und zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Iselle di Trasquera
Unterkunftmöglichkeiten:keine Unterkunftsmöglichkeiten in Iselle. Die nächstgelegenen sind in Gondo und Varzo zu finden.
Kartennummer:LK275 Valle Antigorio

Iselle ist nicht nur ein bedeutender Bahnhof, oft durchfahren auf dem Weg in den Süden, sondern auch ein Dorf. Dieses ist jedoch vom Bahnhof aus nicht sichtbar und liegt etwa 1 km talaufwärts Richtung Schweizer Grenze. Fussweg gibt's keinen, so folge ich der Hauptstrasse, die zu dieser frühen Stunde noch wenig befahren ist. Im Tunnel ist auf beiden Seiten eine Art "Trottoir" vorhanden, d.h. ein erhöhter Seitenstreifen, bedeckt mit Kies und teils asphaltiert.

Direkt hinter dem Tunnel liegt das Dorf, eingezwängt zwischen bis zu 2000 Meter hoch aufragenden Berghängen und entlang des Wildbaches Diveria. Viel Platz bleibt also nicht und so besteht Iselle zur Hauptsache aus lang gestreckten Häuserzeilen längs der Hauptstrasse, ein bisschen so, wie man sich eine Kleinstadt im Wilden Westen vorstellt!

Durch einen Durchschlupf erreiche ich die Brücke, die hinüber auf die Südseite der Diveria leitet, wo es noch einen weiteren Ortsteil gibt. Dort beginnen die typischen weiss-roten Wegmarkierungen, die mich bald in den Wald führen, wo der Saumpfad anzusteigen beginnt. Bereits nach kurzer Zeit weicht der Lärm der Strasse und das Rauschen des Baches zurück und die Stille des Waldes umgibt mich. Hier bin ich auch gut geschützt vor den gelegentlichen heftigen Föhn-Böen, die mit voller Wucht talwärts brausen. Dieser Föhn sorgt aber für sehr angenehme Temperaturen, während man sich auf der Alpennordseite dieser Tage eher in den Spätherbst versetzt fühlt.

Osone (1005 m) ist von unten nur durch die Kirche erkennbar, von wo aus sich ein entsprechend schöner Ausblick in den Talgrund bietet. Osone besteht aber nicht nur aus einer Kirche, sondern ist ein kleines Bergdorf, umgeben von saftigen Wiesen. Einige Häuser sind zwar schon halbverfallen, andere werden aber noch bewohnt und wie die dazu gehörenden Gärten gepflegt.

Der Weiterweg ist gut markiert und führt überaus steil in den Wald hinauf. So sind schnell ein paar hundert Höhenmeter gewonnen. Allerdings ist der Wegverlauf teils sehr schwer zu erkennen, da der Waldboden überall dicht mit Laub bedeckt ist. Da auch die Markierungen nicht immer dort sind, wo man sie gerne hätte, kommt es irgendwann zum Verhauer, der mir aber erst nach einiger Zeit bewusst wird, als das Gelände immer unwirtlicher wird. Anhand von Karte und Höhenmesser versuche ich herauszufinden, in welche Richtung ich gehen muss, um wieder auf den Weg zu stossen. Nach ca. einer halben Stunde Kraxelei schaffe ich es und komme nun wieder etwas leichter voran.

Ab etwa 1400 m Höhe weicht der Wald etwas zurück und die Bodenbedeckung ändert sich massiv. Jetzt geht es nicht mehr durch Laub, sondern "querbeet durchs Gemüse", durch einen richtigen Dschungel. Dieser besteht fast ausschliesslich aus "Gemeinem Germer" (Veratrum album), einer Pflanze also, die mir aus den Bergen wohlbekannt ist, die ich aber nie in diesen rauen Mengen angetroffen habe. Wo der Germer nicht wuchert, reckt sich einem büschelweise Eisenhut entgegen; das ganze ist also ein ausgesprochen "toxischer Dschungel"!

Die Querung ist soweit gut möglich, da der Weg eindeutig ausgeprägt ist, wenngleich der Boden meist vor lauter Grünzeugs nicht zu sehen ist. Man hüte sich übrigens davor, diese Pflanzen allzuoft zu berühren, da ihre starken Gifte auch durch die Haut in den Körper eindringen können!

Abweichend zur Karte führt der Weg nicht zur Alpe Tenda (1507 m), sondern westlich daran vorbei. Ich befürchte schon einen erneuten Verhauer, jedoch zeigen mir die sporadischen Markierungen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Der Gemüsepfad geht noch eine ganze Weile so weiter, jedoch nimmt die Steilheit des Weges allmählich ab, indem er in eine Hangtraverse zur Alpe Loi (1705 m), meinem Tagesziel, überleitet (auf der swisstopo-Karte fälschlicherweise "Loio" geschrieben). Dort geniesse ich an der Sonne und im Windschatten des Hauptgebäudes eine gemütliche Mittagspause, ehe ich auf demselben Weg den Abstieg in Angriff nehme.

Die Schwierigkeit liegt hier hauptsächlich in der Steilheit und Bodenbeschaffenheit. Insbesondere das allgegenwärtige Laub im Wald ist ziemlich problematisch, weil man nie sieht, was darunter ist. Man merkt es erst, wenn man auf einer schiefen Felsplatte ausrutscht...

Aber es geht alles gut und ich komme heil wieder unten an, wo der Föhnsturm mittlerweile verebbt ist und bei einer Temperatur von rund 25 Grad auch bei bedecktem Himmel Sommergefühle aufkommen. Ich kann diese noch eine Weile geniessen, ehe es mit Autozug und Intercity zurück ins raue Klima der Alpennordseite geht.

Tourengänger: ABoehlen

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