Clariden- und Gemsfairenstock - "noch einmal weiß sehen"


Publiziert von simba , 11. Mai 2018 um 17:43.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 5 Mai 2018
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-UR   Claridengruppe 
Aufstieg: 2015 m
Abstieg: 2015 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Seilbahn zum Fisetenpass
Unterkunftmöglichkeiten:Claridenhütte

Was man lange auf der Pendenzenliste stehen hat, das freut einen umso mehr, wenn man es "hinter sich bringt", bei mir seit Jahren schon die Tour über Gemsfairenstock und Clariden als entspannter Zweitäger mit Übernachtung in der Claridenhütte.

Nach frühmorgendlicher Anfahrt zum frühlingshaft grünen Urnerboden nahmen wir es ebenso gemütlich und ließen uns zunächst mal mit der Seilbahn zum Fisetengrat hinauf gondeln. Binnen weniger Minuten ging es vom schneefreien Frühling ins Noch-Refugium des Winters. Ab dem Fisetengrat gab es nämlich in der langen Querung zum Rund Loch nur zwei, drei kurze Tragestellen, ansonsten geht es durchweg auf Schnee und damit auch dem Abfahrtsgerät daher - auch den Clariden sieht man schon weiß leuchten. Auch die Steilstufe und Schlüsselstelle auf ca. 2500m ist noch dick verschneit und lässt sich so gemütlich mit einer einzigen Kehre + Querung erledigen. Danach zieht es sich noch etwas über die ausladenden Hänge des Langfirn bis zum weitläufigen Gipfel, von dem sich erstmals das tolle Panorama zu Bifertenstock und Tödi auftut.

Nordseitig wäre es ca. 10:45 Uhr gerade perfekt am Auffirnen gewesen, wir mussten aber gen Süden zur Claridenhütte und nach noch recht harter Querfahrt zum Gemsfairenjoch war die südseitige Abfahrt über den Steilhang zum Claridenfirn schon richtig weich und noch dazu mit einigen komischen "Rissen" versehen. Spalten seien es nicht, sagte ein ortskundiger Bergführer, Reinfallen kann man aber auch in "Gleitschnee-Spalten" - einige kontrollierte Schwünge und das Ganze löste sich gut auf und wir cruisten entspannt immer etwas linkshaltend hinab zur Hütte (schöner Winterraum). Den Nachmittag verbrachten wir mit ausgiebigem Sonnen und Trocknen und trockene Sachen aufräumen, denn ab dem späten Nachmittag gab es den ein oder anderen Regenschauer.

Die Erkenntnis des sehr frühen Auffirnens und das Wissen um die lange Strecke ohne Höhengewinne in Richtung Clariden veranlasste uns tags darauf zum frühen Aufbruch kurz nach 6 Uhr, quasi mit den ersten Strahlen der Morgensonne im Rücken. Für die steile Querung oberhalb der Hütte waren die Harscheisen angenehm. Danach wird es flach und flacher, dennoch rückte der Gipfelaufbau doch irgendwann näher. Hier firnte es gegen 8 schon gut auf und ohne Harscheisen ging es auf perfekter Spur zum breiten Gipfelrücken. Bis auf einen Speed-Geher der im Anstieg aus dem Nirgendwo kam und uns überholte waren wir ganz allein unterwegs - am Clariden im Frühjahr sicher nicht unbedingt zu erwarten.

Die geplante Überschreitung nach Norden schenkten wir uns - die Aussicht, die wunderbar aufgefirnten Osthänge über den Gletscher als erste hinunter zu zischen, war lohnender. Wie schnell im Firn die Höhenmeter zum Gletscherboden unterhalb des Gemsfairenjoch wieder vernichtet waren, kaum zu glauben, aber ein großer Spaß. Weniger galt dies für den Wiederanstieg zum Gemsfairenjoch - zerfahren und von Nassschneelawinen verunstaltet und mit sich lösenden Fellen zuletzt zu Fuß wars eine kurze Schinderei. Zur Belohnung gabs dann nochmal dieses Mal gut aufgefirnte Nordhänge hinunter zum Fisetengrat. Da ab dort die Gondel etwaige Tragestrecken unterhalb des Fisetengrats (wohl so ab ca. 1600m) übernahm, blieb der Genuss bis zum letzten Moment erhalten.

Tourengänger: simba, Nala


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