Überschreitung Dreizehntenhorn (3052m) und Augstbordhorn (2973m)


Published by Chrichen Pro , 11 March 2018, 09h43.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:21 February 2018
Ski grading: PD+
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 5:45
Height gain: 950 m 3116 ft.
Height loss: 1890 m 6199 ft.
Route:ca. 16.5 km
Access to start point:Mit dem ÖV: Zug bis Raron / LSB bis Unterbäch / 2x Sessellift und 2x Skilift bis ins Ginals (Seefeld Skilift 2465m)
Access to end point:Mit dem ÖV: Postauto ab Bürchen, Ronalp bis Visp / Weiter mit dem Zug

Dreizehntenhorn und Augstbordhorn sind zwei beliebte Aussichtsgipfel zwischen dem Turtmanntal und dem Vispertal. Dank Skiliftunterstützung lassen sich beide Gipfel mit recht wenig Aufstieg erkaufen. Ich habe mich entschieden, eine Überschreitung der beiden Gipfel zu machen, mit Start im Ginals oberhalb von Unterbäch und Ziel in Bürchen. Eine tolle Tour im Angesicht der Walliser und Berner Hochalpen!

Auf die Idee gebracht haben mich ein Beschrieb im Auswahlführer Skitouren sowie die auf der Skitourenkarte eingezeichneten Routen. 

Ginals (Seefeld Skilift) - Niggelinglicke - Dreizehntenhorn (WS+)
Da sich die Betriebszeiten vom Skigebiet bei Unterbäch online nicht finden liessen, habe ich am Vortag kurz beim Tourismusbüro angerufen. So konnte ich ausfindig machen, dass die Anlagen ab 09:15 in Betrieb genommen werden und meine Anreise mit dem ÖV bis Unterbäch entsprechend planen. Die Tour beginnt mit einer Lift-Odyssee: zwei Sesselbahnen und zwei Skilifte bringen mich auf eine Höhe von 2465m. Im Schatten bei den heutigen Temperaturen ist das ein recht kaltes Erlebnis. Das Tourenticket kostet CHF 21.-, die Fahrt mit den Liften dauert insgesamt ca. 45 Minuten.

Im Ginals angekommen, muss ich mich zunächst kurz an der Sonne erwärmen, während ich mich zum Start vorbereite. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Wind stärker wehen wird als angenommen. An den Graten und Gipfeln sind Windfahnen zu erkennen. Ganz allgemein sind die Verhältnisse im Gebiet windgeprägt. Hänge in Kammlagen sind zum Teil stark abgeblasen. Das Dreizehntenhorn lässt sich schon gut einsehen. Im Norden ragt eindrücklich das Bietschhorn empor, ein steter Begleiter auf der heutigen Tour.

Allzu viel ist heute nicht los im Gebiet, und so mache ich mich in herrlich schöner Landschaft selber spurend auf den Weg in Richtung Niggelinglücke. Anstatt der in der Karte eingezeichneten Abfahrtsroute entlang im Tal aufzusteigen, erscheint es mir attraktiver östlich am P.2701 vorbeizugehen. Die Schneedecke präsentiert sich als ein bunter Mix aus windgepresstem Hartschnee, Triebschnee und Presspulver. Zum Spuren sind die Verhältnisse stellenweise etwas rutschig. Noch zeigt sich der Wind recht zahm, und ich komme kurz sogar leicht ins Schwitzen. Auf einem Plateau unter dem Steilhang zur Niggelinglicke mache ich eine kurze Pause, bevor ich diese lawinentechnische Schlüsselstelle in Angriff nehme.

In der Lücke zeigt sich zum ersten Mal das Schwarzhorn. Wie erwartet nimmt die Windstärke schlagartig zu. Der Aufstieg über den NW-Grat vom Dreizehntenhorn wird denn auch eine sehr windige Angelegenheit. Ein Stück weit gehe ich auf Ski weiter, bis mir das in Anbetracht der vielen freiliegenden Steine zu mühsam wird. Während meine linke Backe ein kostenfreies Gesichtspeeling erhält, binde ich die Ski auf den Rucksack und setze den Aufstieg zum Gipfel zu Fuss fort. Dabei halte ich mich eher auf der Nordseite, wo meist (aber nicht immer) guter Trittschnee vorherrscht. Insgesamt eine sehr anstrengende Sache und auch nicht die optimale Lösung, wie sich später herausstellt. Auf der Südseite wäre wenig unterhalb vom Grat vermutlich über weite Strecken ein angenehmerer Aufstieg auf Ski möglich gewesen. Ganz ohne Ski tragen wäre es wohl dennoch nicht gegangen.

Ca. eine halbe Stunde später als geplant erreiche ich das Dreizehntenhorn. Ich habe genügend Reserve eingeplant, so dass die Verspätung kein Problem darstellt. Auf dem Gipfel selbst sind keine neueren Spuren zu sehen. Gemütlich mache ich viele Fotos und geniesse die prächtige Aussicht zu den Walliser Hochalpen. Die Mischabel- und Allalingruppe verstecken sich noch teilweise in Wolken, welche sich aber allmählich auflösen. Am Weisshorn lassen sich Windfahnen erkennen. Nach Osten erstreckt sich der Augstbordgrat bis zu meinem nächsten Ziel, dem Augstbordhorn. Vorsicht geboten ist vor der unauffälligen Gipfelwechte gegen Osten. Interessanterweise hat sich der Wind in Gipfelnähe ziemlich gelegt, so dass der Aufenthalt auf dem Dreizehntenhorn zwar kalt, aber dennoch gut erträglich ist. Für den restlichen Tag wird der Wind bei kalten Temperaturen nur noch mässig stark blasen.

Dreizehntenhorn - Chumminilicke - Augstbordhorn (WS)
Vom Dreizehntenhorn steige ich noch ein Stück weit zu Fuss ab. Mit hinreichender Vorsicht auf herausschauende Steine wäre eine Abfahrt mit Ski möglich. Ein Tourengänger mit Splitboard befindet sich gerade im Aufstieg. Wir wechseln ein paar Worte bevor ich noch ein Stück weitergehe und dann für die Abfahrt umrüste.

Die Abfahrt ist bis auf einige kurze Schwünge ganz zu Beginn eher eine lange Traverse. Immer den besten Kompromiss aus befahrener Hangneigung und Beibehaltung von potentieller Energie suchend, geht es bis unter die Chumminilicke. Schön sind die Rückblicke zum Dreizehntenhorn. Meinen Wiederaufstiegspunkt erreiche ich sogar etwas höher als geplant, so dass die restlichen Meter bis zur Lücke nach erneutem Anfellen rasch erledigt sind. Zuoberst trage ich die Ski kurz in Ermangelung an Schnee. Danach findet sich auf dem Grat bis zum P.2910 fast durchgehend ein gut eingeschneites Band. Spuren von Vorgängern sind jetzt auch vorhanden. Landschaftlich ist dieser Teil unglaublich schön mit tollen Ausblicken in allen Richtungen. Besonders gut gefällt mir der Augstbordgrat zusammen mit dem Weisshorn. Vor dem P.2910, der direkt überschritten werden kann, wird es nochmals kurz steiler.

Obwohl die Tour nicht so viele Höhenmeter hat, und das anfängliche Spuren nicht sonderlich anstrengend war, fühle ich mich etwas ausgelaugt, und mein Tempo sinkt. Vielleicht liegt es an der Tagesform, vielleicht am anstrengenden Schlussaufstieg zum Dreizehntenhorn zuvor. Nach dem P.2910 liegen öfter mal Steine im Weg, so dass ich an einigen Stellen meine Ski kurz trage. Ganz am Schluss gehe ich die letzten Meter bis zum Gipfel vom Augstbordhorn wieder zu Fuss. Noch einmal geniesse ich in aller Ruhe die schöne Aussicht. Es ist schon fast 15 Uhr geworden, und entsprechend haben sich die Lichtverhältnisse geändert.

Augstbordhorn - Bürchen, Ronalp (WS)
Nach meiner Gipfelpause steige ich noch wenige Meter zu Fuss ab, dann kann schon die Abfahrt beginnen. Zuerst geht es ein Stück sehr genussreich dem Grat entlang. Dann fahre ich, wie auch einige andere vor mir, einer Mulde folgend (kurz ca. 30-35°) in Richtung P.2571 im Törbeltälli ab. Ab dort ist das Gelände recht flach. Ich visiere den Skilift an, der bald schon erreicht wird. Danach geht es über zahlreiche Skipisten hinab nach Bürchen. Es gibt einige Abzweiger, bei denen man schauen muss, dass man nicht im falschen Skigebiet landet. Meistens sind sie angeschrieben.

Kurz vor 16 Uhr erreiche ich Bürchen, Ronalp, wo die Pisten enden. Hier ist es richtig warm in der Abendsonne. Da ich noch etwas Zeit habe, bis das Postauto fährt, geniesse ich einen Apfelpunsch und eine Portion Pommes im Restaurant.


Die Tour kann vor allem durch die tollen Ausblicke zu den Walliser Hochalpen und die schönen Gratabschnitte am Augstbordhorn beeindrucken. Skifahrerisch mag die Route weniger interessant sein, da die Tiefschneeabfahrten eher kurz sind und ein grosser Teil der Abfahrt auf Skipisten erfolgt. Dennoch eine sehr empfehlenswerte Runde, ganz nach meinem Geschmack!

SLF: erheblich

Hike partners: Chrichen


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Comments (2)


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Alpin_Rise says: invers
Sent 11 March 2018, 15h53
ist die Runde auch attraktiv. Mit einem Skilift und wenig(er) Geld startet man auf über 2500m.
Ein Monat zuvor sahs auf gleicher Tour sehr ähnlich aus: Westhänge abgeweht, Osthänge pulvriger. Daher war deine Richtung sicher genussvoller.

G, Rise

Chrichen Pro says: RE:invers
Sent 16 March 2018, 17h53
Das habe ich mir auch noch überlegt bei der Planung. Irgendwie schien mir die Anreise mit ÖV etwas einfacher in der gewählten Richtung (muss aber nicht unbedingt so sein). Von den Verhältnissen her hat es glaube ich ganz gut gepasst in meiner Richtung. Die Wegwahl beim Aufstieg von der Niggelinglicke zum Dreizehntenhorn hätte man sicher besser lösen können als ich das gemacht habe. Dann hätte man vermutlich ein grosser Teil der Strecke mit Ski bewältigen können. Die Abfahrten waren alle gut fahrbar mit genügend Schnee. Am Augstbordhorn wäre in der umgekehrten Richtung an einigen Stellen Vorsicht angebracht gewesen, um den Belag zu schonen.
Schöne Grüsse, Christian


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