Klettersteig Fruttstägä und Gamperstock (2275m)


Publiziert von Chrichen Pro , 29. November 2017 um 08:17.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 1 November 2017
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettersteig Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 750 m
Abstieg: 900 m
Strecke:ca. 9 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug bis Flüelen / Postauto bis Brügg (Bürglen UR) / Seilbahn in zwei Sektionen bis Biel (Kinzig)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem ÖV: Seilbahn ab Ratzi bis Spirigen / Postauto ab Spirigen, Post bis Flüelen / Weiter mit dem Zug

Der Winter hatte anfangs November in den Bergen bereits ansatzweise Einzug gehalten. Dennoch wollte ich bei prächtigem Wetter einen Tag frei nehmen um eine kurze Wanderung zu machen. Dabei entschied ich mich für den Klettersteig Fruttstägä und den Gamperstock. Hauptziel war es, die Sonne zu geniessen!

Leider hatte ich diesen Herbst den kurzen Altweibersommer verpasst, da ich genau während dieser Zeit beruflich im Ausland war. Als nun endlich wieder schönes Wetter angesagt war, wollte ich vor allem eines: an die Sonne! Eine kurze, gemütliche und sonnige Wanderung sollte es werden. Da es in höheren Lagen bereits Schnee hatte, wollte ich mir nicht allzu ambitiöse Ziele setzen. So entschied ich mich für den Gamperstock mit Start in Biel (Kinzig) und Ziel in Ratzi. Um noch etwas Würze in die Unternehmung zu bringen, wollte ich zudem den Klettersteig Fruttstägä machen, an dem ich bereits einige Male vorbei gelaufen bin.

Da ich unsicher über die aktuellen Verhältnisse war, und der Gamperstock stellenweise doch recht steil ist, habe ich nebst der Klettersteigausrüstung noch Pickel und Steigeisen eingepackt. Der Pickel war wohl overdressed, die Steigeisen haben aber sehr gute Dienste geleistet.

Biel (Kinzig) - Einstieg Klettersteig Fruttstägä (T2)
In zwei Sektionen fährt die kleine Seilbahn ab Bürglen, Brügg hoch nach Biel. Das Schöne an dieser Seilbahn ist, dass sie (fast) immer fährt. Ca. um 08:45 Uhr laufe ich schliesslich über mir bereits bekannte Wege dem Einstieg zum Klettersteig Fruttstägä entgegen. Der Klettersteig ist auf Wegweisern sporadisch angeschrieben, eine Karte kann dennoch nicht schaden. Über meist breite Wege geht es via P.1717 und P.1755 hoch bis eine Querung zur Steilstufe bei Fruttstägen führt. Am Fusse dieser Geländestufe befindet sich links vom Wanderweg der Einstieg zum Klettersteig. Zwei Tafeln und einige Klammern können kaum übersehen werden. 

Klettersteig Fruttstägä (K4)
Zum Klettersteig Fruttstägä gibt es noch nicht so viele Berichte auf Hikr. Diese sind dafür aber gut beschrieben und bebildert (vgl. *hier von Stijn, *hier von Felix und *hier von asus47).

Nach den üblichen Vorbereitungen steige ich in den Steig ein. Dieser beginnt gleich gut gewürzt, wenn nicht sogar ein bisschen scharf mit der Crux (inkl. einer leicht überhängenden Stelle). Mit dem etwas schwereren Rucksack als üblich und nicht gerade in der besten Tagesform fühle ich mich anfangs noch nicht so wohl. Nach ein paar Metern finde ich aber meinen Takt. Der Steig ist vorbildlich gesichert und verwendet recht viel Eisen. Dennoch müssen auch einige Tritte und Griffe im Fels verwendet werden, was für Abwechslung sorgt. Heute gibt es in flacheren Stellen noch ein wenig Restschnee. Das ist für's Steigen unproblematisch, fordert jedoch Vorsicht wegen nasser Schuhsohlen. Deshalb meide ich den Schnee so gut als möglich. Nach dem ersten Abschnitt wird das Gelände weniger steil mit Schrofen und Vegetation. Ein Notausstieg ist mit einem Kletterseil gesichert. Hier könnte einem Band folgend zum Wanderweg hinausgequert werden.

Der Klettersteig geht über Schrofengelände weiter nach oben, bis ein kurzer schmaler Gratabschnitt erreicht wird. Danach geht es schon bald dem luftigen Quergang entgegen, der über eine Zweiseilbrücke (geschätzt 2-3m lang) erreicht wird. Dank straff gespannter Seile ist die Brücke weniger wackelig als befürchtet. Beim Quergang muss ich mich stellenweise mit den Armen ins Seil hängen, die Tritte sind aber schön ausgeprägt, und es bleibt die Musse für ein paar Fotos. Danach geht es über Klammern beinahe senkrecht hinauf dem Bänklein entgegen. Das Bänklein ist optional, den Spass sollte man sich aber nicht nehmen lassen, auch wenn es ein gewisses Mass an Überwindung kostet bis der Hintern richtig platziert ist. Der Rucksack ist dabei eher hinderlich. Ich lasse die Füsse baumeln, wobei in Anbetracht der exponierten Sitzgelegenheit keine richtige Pausenstimmung aufkommt.

Nach dem Bänklein geht es weiter die senkrechte Felswand hoch über Klammern, und bald schon ist die Spendenbox und das (normale) Bänklein kurz vor dem Ausstieg erreicht. Zum Abschluss bieten sich zwei Möglichkeiten: Eine Dreiseilbrücke (kurzer Abstieg und Wiederaufstieg) oder eine eher unspektakuläre Direktvariante. Im Abstieg zur Dreiseilbrücke liegt Schnee, deshalb ist diese Möglichkeit heute rasch verworfen. Über den einfacheren Ausstieg erreiche ich bald den Wanderweg, dem ich noch bis zum Wegweiser "Oberfrutt" hoch folge. Hier entledige ich mich der Klettersteigausrüstung.

Fruttstägen - Chinzig Chulm - Geissgrätli (T2)
Nun folge ich zuerst dem Wanderweg in Richtung Chinzig Chulm. Anstatt das Lang Egg (P.2106) zu umrunden verlasse ich den Wanderweg aber bald wieder und folge stattdessen weiterhin mehr oder weniger direkt der Abbruchkante entlang. Das kurze Steilstück zu Beginn weist harten Schnee auf, weshalb ich die Steigeisen anziehe. Diese kann ich bis zum Beginn des Abstiegs nach Ratzi an meinen Schuhen belassen.

Über das Lang Egg ist der Chinzig Chulm schnell und aussichtsreich erreicht. Es tummeln sich einige Leute auf dem Bänklein bei der Kapelle. Deshalb laufe ich weiter. Das nun folgende Teilstück beim Geissgrätli ist schön einsam. Stets geht es mehr oder weniger nahe der Abbruchkante dem Gamperstock entgegen. Trotz Schnee sind hie und da einzelne wrw-Markierungen zu sehen. Ein Wegtrasse ist aber nicht erkennbar. Einige Grataufschwünge nehme ich mit, einen etwas steinigeren Grataufschwung lasse ich weg. Das Spuren im wenig tiefen Schnee braucht doch etwas mehr Kraft als erwartet. Herrlich präsentiert sich die verschneite Landschaft. Nach dem P.2149 gäbe es eine Möglichkeit den Grat in Richtung Biel oder Ratzi zu verlassen (Wegweiser). Ein Einzelgänger geniesst beim Wegweiser die Sonne, und auch ich lege kurz davor endlich eine Verpflegungsrast ein.

Geissgrätli - Gamperstock (via Westhang und Südgrat) - Grätli (T4-)
Gegen den Gamperstock hin gibt es mehr und mehr Karst, was ein vorsichtiges Gehen verlangt. Der Weg ist klar. Ab und zu sehe ich sogar einen Steinmann. Nach dem Stock (P.2141) geht es in eine kleine Senke hinab an den Hangfuss vom Gamperstock Westhang. Dieser ist über weite Strecken um die 35° steil mit einzelnen Stellen gegen 40°. Es kann stets über Gras aufgestiegen werden. Die ideale Route lässt sich auf dem Weg zum Gamperstock studieren. Heute liegt eine hauchdünne Schicht Nassschnee auf dem Gras. Ohne die Steigeisen wäre das sehr rutschig, wie ich vor dem Chinzig Chulm herausfinden durfte. Den Pickel nehme ich auch in die Hand, er wäre aber nicht nötig gewesen.

Ich halte mich zunächst ziemlich weit südlich und quere dann leicht nach Norden, um ein steileres Stück zu umgehen. Danach gehe ich mehr oder weniger direkt zum Gipfelkreuz hoch, welches sich nicht auf dem höchsten Punkt befindet. Alternativ könnte direkt der höchste Punkt angesteuert werden. Beim Gipfelkreuz pausiert eine Einzelgängerin, die von Spirigen her aufgestiegen ist. Wir wechseln ein paar Worte und sie zeigt mir den Abstiegsweg via Südgrat, wo sie hochgekommen ist. Ohne Steigeisen sei es etwas heikel gewesen. Nachdem ich für ein paar Fotos kurz den höchsten Punkt besucht habe kommt noch ein weiterer Einzelgänger hinzu, der über eine anspruchsvollere Route in der Wand aufgestiegen ist.

Zusammen mit der Frau mache ich mich an den Abstieg. Vom höchsten Punkt aus gesehen geht es am Gipfelkreuz vorbei und dann stets dem Grat folgend hinab. Dieser ist stellenweise einseitig ausgesetzt, aber sehr schön zu gehen. Es gibt nur wenige leichte Kraxelstellen. Nach einem Stück über den Grat könnte man auch in die Flanke gehen. Mir gefällt aber der Grat besser. Unten angekommen gehen wir noch weiter bis zum Abzweiger nach Ratzi, an dem ich zuerst glatt vorbeigelaufen wäre (eine Rinne markiert mit einer blassen wbw-Markierung).

Grätli - Ratzi (zu Beginn kurz T3, dann T2)
Die Rinne ist noch mit weichem Schnee gefüllt, danach braucht es die Steigeisen definitiv nicht mehr, wie mich meine Begleiterin freundlicherweise informiert. Wie ich mich gemütlich meiner Ausrüstung entledige, ist sie bereits auf und davon. Ich folge dem Wanderweg ein Stück weit hinab und lege auf einem kleinen Grassporn nochmals eine ausgiebige Pause ein. Danach gehe ich weiter dem Weg folgend zu den Alpgebäuden beim P.1833 und von dort aus weglos in Direttissima über Alpwiesen hinab in Richtung Ratzi. Hier gibt es einige wunderbare Ausblicke über das Schächental. Am Schluss führt mich ein Wanderweg zur Bergstation Ratzi. Da ich gerade Anschluss zum Postauto habe, fahre ich sogleich als einziger Fahrgast mit der Seilbahn hinab nach Spirigen.


Eine schöne und abwechslungsreiche Runde, die in dieser Form vermutlich nicht allzu oft gemacht wird. Der Gamperstock erhält eher wenig Besuch, da er umgeben ist von einigen attraktiveren Gipfeln. Seine schöne Form lässt er sich aber nicht nehmen, und auch die Aussicht kann sich durchaus sehen lassen. An diesem Tag wurden unter anderem der Chaiserstock, Rossstock und das Spilauer Grätli angepeilt. Für Nebensaison-Bedingungen mit Schnee waren viele Leute im Gebiet unterwegs, was sich durch den katholischen Feiertag erklären liess. Ich habe mich im Vorfeld informiert, ob der Fruttstägä-Klettersteig noch geöffnet ist. Vermutlich eine Woche später wurde er im Hinblick auf die Wintersaison geschlossen. Der Steig ist optional und kann via Wanderweg (T3) einfach umgangen werden.

Tourengänger: Chrichen

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Kommentare (1)


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Stevo47 Pro hat gesagt:
Gesendet am 29. November 2017 um 10:55
Ich mach's kurz: einfach ÜBERRAGEND - wie immer! Danke, dass ich an diesem tristen November-Tag diese kleine Reise heute morgen in der Frühstückspause machen durfte und viele Grüsse, Steve


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