Einmal rundherum auf den "Koloss": Via Keschnadel und Keschgrat auf den Piz Kesch


Publiziert von simba , 20. Juli 2017 um 16:08.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Albulatal
Tour Datum:16 Juli 2017
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Aufstieg: 1280 m
Abstieg: 1280 m

Die wuchtige Felsbastion des Piz Koloss, äh Kesch, ist von vielen Gipfeln der Ostschweiz gut erkennbar. Für einen Berg dieser Höhe, nimmt er erstaunlich viel Platz ein. Will man den Großteil des kleinen Bergmassivs begehen, ist der "Keschgrat", also der Anstieg über den NO-Grat der Keschnadel und der anschließende Grat über den Mittelgipfel des Piz Kesch zum Hauptgipfel die adäquate Route.

Nach einer traumhaft ruhigen, aber doch recht kalten Nacht starteten wir im Biwak ca. 5:45 Uhr. Die recht späte Startzeit erwies sich als richtige Entscheidung - ab der Porta d'Es-cha bließ uns ein stürmischer Nordwind um die Ohren, dazu war es bitterkalt. Die kurze Gletscherquerung herum um die beiden Türme und in die Scharte vor der Keschnadel war daher schnell gemacht, danach verlangsamte die Kälte unser Vorankommen: In der Rinne die knapp südlich der Scharte zum Grat hinaufzieht und im anschließenden Anstieg zunächst eher in der Nordflanke des NO-Grats und dann am Grat entlang (I-II & Gehgelände) gab es immer wieder Schneereste und Wassereis, kalte Finger noch dazu inklusive. Kurz vor Erreichen des ersten Stands am Steilaufschwung geht es dann erstmals sehr ausgesetzt am Grat entlang (II), vor der ersten steilen SL dann ein bequemer Pausenplatz.

Die Kletterei zur Keschnadel war dann wunderschön was Fels und Ambiente anging, allerdings blieb es wirklich unangenehm kalt im permanent blasenden Nordwind, vielen Stellen mit Restschnee und etwas Wassereis und an jedem Stand wurde gebibbert. Steile 4er-Längen und leichtere Zwischenlängen (erst I, dann III) wechselten sich ab. Die 5+-Länge umgingen wir rechts (II), danach fanden wir nicht so recht den richtigen Weg "schräg nach links" hoch: Wir querten deutlich zu tief mit langen Runouts und landeten gerade wieder am Ausstieg der 5+-Länge (IV+ expo, nicht zu empfehlen). In der Gipfelplatte (IV+) wurde es dann langsam warm und die Kletterei ließ sich besser genießen (bis hierher: NO-Grat Keschnadel: ZS+/4+ (5+-Variante))

Vom Gipfel der Nadel (mit Gipfelbuch) stiegen wir den Nordgrat ca. 25m hinab (kurze Stellen II) bis zu einem Steinmann, nach kurzer Querung nach links in die Nordflanke fanden wir einen Abseilstand, von dem es 25m hinab ging in die Scharte vor dem Mittelgipfel. Die anschließende Kletterei über den Keschgrat ist dann sehr divers: Neben nicht wenigen durchaus schönen und exponierten Kletterstellen gibt es viel Blockkletterei, aber auch einiges an Gehgelände im Schutt. Insgesamt fand ichs besser und kurzweiliger als man es nach den Beschreibungen erwarten konnte. Bis zum Mittelgipfel umgingen wir die beiden Türme eher links (südseitig), vom letzten Turm und vom Mittelgipfel muss dann jeweils ausgesetzt abgeklettert werden.

Nach dem Mittelgipfel folgt das erste Mal eine längere Strecke eher Gehgelände, bevor der Grat nach einem sehr schuttigen und schneeigen Abstieg in die Nordflanke (oberhalb fixe Abseilschlinge) sich nochmals zuspitzt, aber auch der Fels deutlich besser wird. Hier hielten wir uns meist am Grat oder umgingen die Türme mal links, mal rechts in der Flanke (meines Erachtens jeweils offensichtlich). Nach einigen Türmen erreichten wir die letzte gebohrte Abseilstelle: 10m geht es hinab in eine Scharte, gegenüber findet sich dann nochmals ein Bohrhaken für einen Stand. Hiernach folgt nur noch eine kurze steile Kletterei, dann geht es über Bänder in der rechten Flanke einfach weiter bis zum Gipfel (Insg. ab Keschnadel: WS+/II, nur kurz III-).

Wir brauchten ca. 7 Stunden bis hierher, wobei wir den Großteil der Zeit bis zur Nadel aufwendeten und für die Strecke von dieser bis zum Piz Kesch ca. 2:15h brauchten, obwohl wir wegen Restschnee und vereisten Stellen am Keschgrat den Großteil am laufenden Seil gingen. Am Gipfel hatte der Nordwind endgültig nachgelassen und ließ eine angenehme Pause zu. Der Abstieg durch die Schutthalde hinab zum Gletscher machte anschließend nochmals Vorsicht nötig, schöne Kletterei gibt es kaum und runterfallen /-rutschen kann man doch allenthalben. Den aufgeweichten Gletscher surften wir geschwind hinunter, Spalten fielen uns keine auf. Nach kurzem Gegenanstieg zur Porta d'Es-cha ging es dann vorerst nur noch bergab, ab dem Biwakplatz dann mit sehr schweren Rucksäcken im angenehmen Auf und Ab hinunter zur Albulapassstraße.

Tourengänger: simba


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Kommentare (3)


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berglerFL hat gesagt: Biwak
Gesendet am 7. August 2017 um 13:55
Hallo Simba

Kannst du mir sagen wo ihr ungefähr biwakiert habt?

Gruss
Simon

simba hat gesagt: RE:Biwak
Gesendet am 7. August 2017 um 14:35
https://map.geo.admin.ch/?X=165513.25&Y=788442.43&zoom=10&lang=de&topic=ech&bgLayer=ch.swisstopo.swissimage&layers_visibility=false,true,true,true&layers_opacity=0.3,1,1,1&layers=ch.swisstopo-karto.hangneigung,ch.bafu.wrz-wildruhezonen_portal,ch.bafu.wrz-jagdbanngebiete_select,KML%7C%7Chttps:%2F%2Fpublic.geo.admin.ch%2FdsQDcBbMRNe1tC5oC4z2CQ

So in etwa...es liegen dort ein Haufen großer Blöcke rum, mit etwas suchen, sollte man den "richtigen" finden ;)

berglerFL hat gesagt: RE:Biwak
Gesendet am 7. August 2017 um 14:49
Perfekt, danke!


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