Ulrichshorn (3925m), Gross Bigerhorn (3626m) und Balfrin (3795m)


Publiziert von Chrichen Pro , 3. Februar 2018 um 14:02.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:14 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem ÖV: Zug bis Visp / Postauto bis Saas Fee
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit dem ÖV: Postauto ab Gasenried bis Niedergrächen / Postauto bis Visp / Weiter mit dem Zug

Mit dem SAC Uto auf einer traumhaften dreitägigen Sektionstour zum Ulrichshorn, Gross Bigerhorn und Balfrin. Übernachtet haben wir in der Mischabelhütte und der Bordierhütte. 


Tag 1: Hüttenzustieg zur Mischabelhütte

Saas-Fee - P.1923 - Schönegge - AACZ Mischabelhütte (T2, T4-)

Nach einer längeren Anreise mit Zug und Postauto treffen wir kurz nach 10 Uhr morgens beim Busterminal in Saas Fee ein. Unsere 13-köpfige Gruppe entscheidet sich gegen die Abkürzung mit der Bahn nach Hannig und für einen Start direkt von Saas-Fee aus. Ein kurzer Spaziergang führt uns durch's Dorf und weiter dem P.1923 entgegen, wo der Hüttenweg zur Mischabelhütte beginnt (eigentlich sind es zwei Hütten).

Der kurvenreiche Aufstieg via Schönegge ist zu Beginn eher Fleissarbeit. Die Aussicht zum Allalin und in Richtung Weissmies ist meist wolkenverhangen. Gegen Abend hin wird es aber weitgehend aufklaren. Immer noch einfach geht es an den Distelhörnern vorbei. Auf einer Höhe von ca. 2750m ändert der Weg dann seinen Charakter. Mit Unterstützung von Drahtseilen und zahllosen Trittbügeln wird im felsig-steinigen Gelände der kleine Grat gewonnen, der zur Mischabelhütte (und am nächsten Tag weiter zum Hohbalmgletscher) hochführt. Meist dem Grat folgend geht es nun abwechslungsreich weiter zu einem Metallkreuz, von wo aus die Hütte bereits gut sichtbar ist. An einer Stelle hilft eine Metallleiter. Recht nahe erscheint das Tagesziel nun, doch der Schein trügt. Ziemlich lange geht es weiter über den schönen Grat hinauf, bis die Hütte endlich erreicht ist. Stets ist viel Eisen verbaut. Der obere Teil des Hüttenwegs ist eine Mischung aus Alpinwanderweg und einem sehr einfachen Klettersteig. Für meinen Geschmack hätte etwas weniger Eisen ausgereicht, zumal der Weg meist nicht sonderlich exponiert verläuft.

Auf der Hütte geniessen wir einen gemütlichen Nachmittag in gesellschaftlicher Runde bis zum Abendessen. Auf der aussichtsreichen Terrasse weht ein ziemlich kühler Wind. Deshalb bevorzugen wir es wie fast alle Gäste drinnen zu sitzen. Nach dem feinen Abendessen lege ich mich schon bald auf die eher eng bemessene Matratze im ansonsten relativ grosszügigen Zimmer. Hie und da lässt Trittschall den Boden vibrieren, eindrücklicher aber sind die Windböen, die schier die ganze Hütte erzittern lassen.


Tag 2: Ulrichshorn und Abstieg zur Bordierhütte (ca. 8.5 km / 660m Aufstieg / 1100m Abstieg / 6h15m)

Mischabelhütte - Hohbalmgletscher - Windjoch - Ulrichshorn (T4-, WS)

Nach dem Frühstück treffen wir uns um 5:15 Uhr morgens abmarschbereit vor der Hütte. Wunderschön ist die Stimmung mit Wolkenfetzen knapp unterhalb von uns in der Morgendämmerung. Über Nacht hat der Himmel vollständig aufgeklart und der Wind scheint sich beruhigt zu haben. Ein Anflug von Kopfschmerzen erinnert an die ansehliche Schlafhöhe. Über den Grat laufen wir mit einigen Kraxeleinlagen weiter hinauf dem Hohbalmgletscher entgegen. Gerade bei Sonnenaufgang erreichen wir den Anseilplatz am Gletscherrand. Ich darf in der ersten 3er-Seilschaft gehen, zusammen mit unserem Leiter. Schon beim Aufstieg nahm der Wind etwas zu, hier treffen uns nun zum ersten Mal einige recht starke Böen.

Am langen Seil laufen wir in einem weiten Bogen über das Gletscherplateau dem Steilhang zum Windjoch entgegen. Hie und da müssen wir dabei ob den heftigen Böen kurz stoppen. Die von der Luft mitgetragenen Eispartikel machen sich im Gesicht deutlich bemerkbar. Der Schnee auf dem Gletscher ist gut gefroren. Das wird bis zur Bordierhütte so bleiben.

Eine gute Spur führt zum Windjoch hinauf, so dass der Aufstieg recht einfach zu bewältigen ist. An zwei Stellen warten kleine Spalten in freudiger Erwartung auf einen Fuss. Die letzten Meter zum Windjoch gehen wir von einem Windkolk aus direkt über Fels hoch. Das Windjoch macht heute seinem Namen alle Ehre. Deshalb steigen wir relativ zügig dem schönen Grat entlang zum Ulrichshorn auf. Die Aussicht ist absolut genial, so dass ich mich nicht zurückhalten kann beim Fotografieren. Wegen der Kälte ist die Akkuleistung knapp und die Hände schmerzen. Eindrücklich zeigen sich Nadelhorn, Allalin, Weissmies und die umliegenden Gipfel. Die morgigen Ziele, Gross Bigerhorn und Balfrin, lassen sich bereits studieren. Gegen Norden hin reihen sich die hohen Gipfel der Berner Alpen auf.

Ulrichshorn - Riedpass - Riedgletscher - Bordierhütte (WS, T3)
Vom Ulrichshorn steigen wir in Richtung Nordosten zum Plateau beim Riedpass ab. Ich darf/muss ganz zuvorderst gehen. Glücklicherweise weisen Spuren über weite Strecken den Weg. Es folgt ein längeres nur schwach geneigtes Teilstück bis zum Gletscherbruch auf ca. 3400m Höhe. Diesen passieren wir am rechten Rand etwas unangenehm über steiles schuttbedecktes Eis. Die begrenzenden Felsen sind z.T. recht lose. Die Passage nimmt Zeit in Anspruch bis alle vier Seilschaften wieder im flachen Gelände angekommen sind. Danach geht es wieder fast flach zum Ende des Gletschers unterhalb vom Gross Bigerhorn, wo wir losseilen und in der Sonne eine Pause einlegen.

Der weitere Weg führt markiert von vielen kleinen Steinmännern durch eine Steinwüste ein kleines Tälchen hinab und dann nach einer kurzen Hangquerung in Serpentinen absteigend dem P.2973 entgegen. Von dort wird die Bordierhütte in einer Kurve ausholend erreicht, wobei es eine interessante Blockstein-Passage zu durchqueren gilt.

Die Tour war relativ kurz, und wir treffen schon zur Mittagszeit bei der Hütte ein. Es folgt ein müssiger Nachmittag auf der kühlen Hüttenterrasse bei einem Wechsel aus Sonnenschein und Wolken. Nach dem üppigen Abendessen lege ich mich sogleich ins Bett.


Tag 3: Gross Bigerhorn, Balfrin und Abstieg nach Gasenried (ohne Abstieg Bordierhütte: ca. 9 km / 1030m Aufstieg / 1030m Abstieg / 8h15m)

Bordierhütte - P.3084 - Gross Bigerhorn (T3+)
Wiederum um 05:15 starten wir in der Morgendämmerung von der Hütte. Es ist deutlich wärmer als Tags zuvor, einige Wolken zeigen sich am Himmel. Gemächlichen Schrittes gehen wir auf dem von gestern bekannten Weg ein Stück weit hinauf, bis zur angeschriebenen Abzweigung zum Gross Bigerhorn. Diese konnten wir schon am Vortag auskundschaften. Bei vollständiger Dunkelheit würden Katzenaugen bis zum Abzweiger helfen. Über eine Flanke geht es nun in einem Mix aus kleinen Steinen, mittelgrossen Steinen und grossen Steinen zum P.3084 hinauf. Hie und da gibt es eine Wegspur. Ansonsten helfen Steinmänner und weiter oben dann auch kunstvoll aufgestellte Steinspitzen. Insgesamt eine recht steinige Sache.

In der Umgebung vom P.3084 müssen wir uns zuerst der zu warmen Kleider entledigen. Danach geht es weiter die Flanke hoch bis der sanfte Grat zum Gross Bigerhorn erreicht wird. Die ersten Sonnenstrahlen erreichen den Nadelgrat und lassen die Gipfel in strahlendem Orange aufleuchten. Beim Grat eröffnet sich ein Blick durch eine Lücke zur anderen Seite, die ebenfalls ein tolles Farbenspiel bietet. Weiter gehen wir nun dem Blocksteingrat entlang dem Gipfel entgegen. Am Schluss geht es in der Flanke hoch, wobei stets Wegspuren und Steinmänner zu finden sind. Es kommt wieder vermehrt Wind auf, weshalb wir bereits unterhalb vom Gipfel anseilen. Schlussendlich ist es aber ganz angenehm auf dem Gross Bigerhorn. Etwas mehr Wolken als erhofft zieren den Himmel, und das Nadelhorn hat sich mittlerweile im Nebel versteckt.

Das Gross Bigerhorn ist ein einfach zu erreichender und durchaus lohnender Wandergipfel.

Gross Bigerhorn - Balfrin (WS, II)
Vom Gross Bigerhorn bis zum P.3783, Vorgipfel vom Balfrin befinden sich die Schlüsselstellen der heutigen Tour. Direkt nach dem Gipfel folgen felsige Passagen auf dem Grat, die leichte Kletterei erfordern. Zuerst werden einige Schwierigkeiten meist rechtsseitig umgangen. Eine Felsplatte kann einem schönen Riss entlang überwunden werden. Danach erreicht man die markanten Felstürme, die nach Südwesten hin senkrecht abbrechen und eine Sackgasse darstellen. Diese Stelle wird durch einen Spalt weiter vorne einige Meter abkletternd auf der Ostseite umgangen.

Bald schon erreicht man den breiten Sattel unter dem Firnfeld, das sich bis zum P.3783 hochzieht. Hier kann man im unteren, steilen Bereich wahlweise über brüchigen Fels/Schutt oder den Firn gehen. Wir entscheiden uns für letztere Option, da der Fels nicht sehr vertrauenswürdig wirkt. Die bis gut 35° steile Flanke weist viel Blankeis auf, so dass wir mit den Steigeisen vorsichtig am kurzen Seil gehen. Weiter oben zum Vorgipfel hin legt sich das Gelände allmählich und es bildet sich ein schön breiter Firngrat heraus. Vom Vorgipfel aus hat man einen guten Einblick zum weiteren Weg bis zum Balfrin. Die Aussicht ist bereits sehr schön. Während wir auf die anderen Seilschaften warten, mache ich einige Bilder, denn es gibt gerade nicht allzu viele Wolken am Himmel.

Nach einem kurzen Abstieg über Fels und Schutt, bei dem man manchmal etwas nach dem Weg suchen muss, erreichen wir wieder Firn. Zuerst nordosteitig vom Grat, und später direkt auf dem Grat steigen wir über Firn/Blankeis, Schutt und Fels zum Gipfel des Balfrin hoch. Dort legen wir eine verdiente Pause ein, wobei der Himmel wieder allmählich etwas trüber wird.

Balfrin - Bordierhütte (WS, I)
Vom Balfrin steigen wir über den S-Grat unschwierig bis zum Gletscher ab. Mit ein wenig Gespür findet man den richtigen Weg und muss nur selten kraxeln. Beim Gletscher ziehen wir wieder die Steigeisen an und wechseln auf das lange Seil. Für einen Moment herrscht eine finstere Atmosphäre am Himmel, und es macht den Anschein als könnte es bald vielleicht sogar regnen. Kaum zu glauben, dass eine bis zwei Stunden später wieder schönstes Wetter herrschen wird.

Im Gegensatz zum Vortag ist der Schnee auf dem Gletscher sehr weich. Wir laufen automatisch konzentriert mit gut gespanntem Seil. Einmal breche ich ein kleines Stück in eine Spalte ein. Den zerschrundenen Gletscherbruch wollen wir dieses Mal über das Eis passieren. Unser Leiter findet einen geeigneten Weg. Leider passiert mir ein Missgeschick, so dass ein grosser Stein auf's Seil hinunter fällt und dieses beschädigt. Nachdem wir das Seil entsprechend verschoben haben, können wir die Stelle ohne weitere Probleme überwinden. Unter dem Bruch im flachen Teil des Gletschers bricht nochmals jemand in eine Spalte ein. Auch dieser Zwischenfall verläuft glimpflich. Gleich wie am Vortag geht es schliesslich weiter bis zur Bordierhütte, wo wir eine kurze Pause einlegen, bevor wir nach Gasenried absteigen.

Bordierhütte - P.2707 - Alpja - Gasenrief (T3+)
Über den landschaftlich schönen Hüttenweg nehmen wir schliesslich den langen Abstieg nach Gasenried in Angriff. Der Weg ist gut markiert und führt zunächst zu einer kaum zu übersehenden Gruppe von Steinmännern auf einer Anhöhe. Danach geht es auf gutem Weg mit Seilen gesichert und unter Zuhilfenahme einiger Treppenleitern hinunter bis zum Gletscher. Dieser Abschnitt ist äusserst eindrücklich. Um den blanken Gletscher entlang der Markierungsstangen zu queren ziehen wir nochmals die Steigeisen an. Andere Personen gehen ohne Steigeisen. Eine kleine Mittelmoräne wird überstiegen, danach geht es nochmals über Eis und Schutt bis ganz an den Rand. Auch die Gletschertraverse und das folgende Teilstück bieten tolle Einblicke in die eindrücklichen Abbrüche. Nur schon deshalb lässt sich ein Besuch der Bordierhütte empfehlen.

Weiter geht es im Schutt über eine kurze Gegensteigung zum P.2707, und von dort aus dem Wegweiser nach Gasenried folgend via P.2551, P.2406 und P.2237 zur eindrücklichen Moräne hinab. Da ich viele Fotos gemacht habe, bin ich etwas zurückgefallen. Den Rückstand hole ich aber dank zügigem Abstieg wieder allmählich auf. Der obere Teil ist charakterisiert durch viel groben Schutt. Weiter unten wird der Weg leichter gangbar. Wegen dem Postautoanschluss beeilen wir uns und erreichen nach einer kurzen Trinkpause bald schon Alpja. Der Schlussabstieg durch den Wald zieht sich in die Länge, und die Wegzeiten sind eher sportlich angeschrieben. Dennoch erreichen wir nach einem Gang durch das Dorf das Postauto in Gasenried mit einer Reserve von 5 Minuten.


Eine schöne Dreitagestour unter hervorragender Leitung und mit spektakulären Ausblicken auf den Nadelgrat. Prinzipiell ist die Tour in zwei Tagen machbar, dann muss das Steilstück unter dem Balfrin Nordgipfel im Abstieg begangen werden. Damit erspart man sich jedoch die Durchquerung vom Gletscherbruch auf dem Riedgletscher, die bei den vorgefundenen Verhältnissen Schlüsselstelle der Tour war. Die Zeitangaben verstehen sich inklusive Pausen.

Tourengänger: Chrichen


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Kommentare (3)


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mb4 hat gesagt: Sehr schöne Bilder
Gesendet am 3. Februar 2018 um 20:44
Erst dachte ich Ulrichshorn im Februar?
Dann sah ich das Datum. Ok, ein Bericht für das Erinnerungsalbum.
Hab mich dann durch deine Bilder geklickt.
Und nur noch gestaunt.
Super Aufnahmen!
Drei Bilder find ich Extraklasse: am Morgen vor der Bordierhütte, das folgende im Aufstieg zum Bigerhorn, die Bergsteiger in der Blockhalde.
Sie wecken Sehnsucht...

countryboy Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Februar 2018 um 07:40
Top. Alles.

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. Februar 2018 um 19:39
da schlägt das Herz höher - Gratulation zu dieser tollen Tour und dem hervorragendem Bericht, mit ebensolchen Fotos!

diese Tour möchte ich liebend gern auch machen - ich merke sie mir ...

lg Felix


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