Grenzwanderung Schweiz * Diepoldsau - St. Margrethen


Published by laurentbor , 6 May 2017, 19h27.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike:29 April 2017
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SG   CH-AR 
Time: 5:45
Height gain: 456 m 1496 ft.
Height loss: 462 m 1515 ft.
Route:22,4 km

Während der gesamten Wanderschaft im Alpenrheintal bin ich nicht direkt der Grenze gefolgt, da diese monoton dem Rheindamm entlang führt. Stattdessen bin ich der linken Talseite auf dem Rheintaler Höhenweg entlang. Auf der heutigen Etappe mache ich eine Ausnahme um die Auenlandschaft des Alten Rheins kennenzulernen. Daher beginnt diese Tour nicht wie üblich am Endpunkt der letzten sondern auf der Rheininsel Diepoldsau.

Durch die Rheinregulierung um 1900 wurde der Alpenrhein stark begradigt und Teile des alten mäandrierenden Rheins drohten zu verlanden. Durch Kiesabbau und Verbindungen zu diversen Binnenkanälen welche die Ebenen entwässert konnten die alten Flussläufe als weiherähnliche Biotope erhalten werden. Somit präsentiert sich Diepoldsau heute als "Rheininsel" in einer Schlaufe des alten Rheins gelegen und vom restlichen Schweizer Territorium durch den neuen Rheinkanal getrennt. Das stattliche Dorf wuchs dadurch enorm, da die Überschwemmungen ausblieben und die neu erstellte Strasse nach Hohenems brachte Handel und Gewerbe in den Ort. Noch heute führt ein immerwährender Strom von Autos und Lastwagen durch Diepoldsau und ich muss lange warten um die Hauptstrasse queren zu können. Vorbei am alten Dorfkern spaziere ich durch das locker bebaute Dorf. Immer wieder gibt es Felder dazwischen und zeugen vom vorhandenen Platz auf der Rheininsel.

Beim Sportplatz erreiche ich den Alten Rhein welcher hier einen Teil des Diepoldsauer Freibades formt. Schön eingebetet in die geschütze Naturlandschaft geht ein Fusspfad zwischen zwei Rheinarmen entlang. Früher schmuggelten als Badegäste getarnte Einheimische in Badetaschen Zigaretten und weiteres Schmuggelgut über die Grenze. Die Grenzsteine stehen überall herum und die Aufschrift OE für Österreich ist eine kleine Rarität auf meiner Grenztour. Überall gibt es versteckte Badeplätze und auch schöne Picknick-Wiesen. Beim Zollübergang Schmitter könnte man auch auf österreichischer Seite durch das Freibad Lustenau weiterwandern - ich bleibe jedoch linksrheinisch. Beim Unteren Spitz wechsle ich nun auf den neuen Rheindamm und spaziere bis zur Verbindungsbrücke Lustenau - Widnau auf österreichem Boden. Hier blühen im Frühjahr wunderbare Magerwiesen. Beim Überqueren des neuen "grossen" Rheins fühle ich mich in meiner Entscheidung dem Rheindamm nicht zu folgen bestätigt. Eingeklemmt zwischen Autobahn und Industrie fristet der mächtigste Fluss der Schweiz ein unwürdiges Dasein. also auf zu den Hügeln und dem Rheintaler Höhenweg - wobei der Abstecher zum alten Rhein hat sich durchaus gelohnt.

Nun folgt ein interessanter Spaziergang durch die Industriegemeinde Widnau - überall sind kleinere und grössere Binnenkanäle welche die fruchtbare Rheinebene entwässern. Ein Ausbreiten der Industrie war hier also erst ab 1904 möglich, als die Melioration abgeschlossen war. Bei der Nöllenbrücke überquere ich den Rheintaler Binnenkanal und marschiere durch Wohnquartiere zum Bahnhof Heerbrugg. Dieser wichtige Bahnknotenpunkt ist nicht gerade ein Schmuckstück auch wenn das Schloss Heerbrugg etwas Glanz versprüht. In diesem Anwesen und der angrenzenden Villa residierten einst die mächtige Unternehmerfamilie Schmidheiny. An besonderen Tagen öffnet das Schloss seine Türen für Konzerte und Vernissagen.

Mein Weg führt nun via Schlafenacker zum Buchholz. Hier in der kleinräumigen Hügellandschaft wechseln sich Wälder, Felder, Rebhänge und Bauerngehöfte ab. Ein kleines Schlösschen steht umrahmt von Obstbäumen ebenfalls auf einem sonnigen Hang. Vorbei am Kalkofen geht ein Pfad nach Husen. Hier sind prächtige Ostschweizer Bauernhäuser zu bewundern. Auf einer Panoramastrasse hoch über Heerbrugg geht es weiter durch die Rebhänge des Rosenbergs Richtung Berneck. Auf einer Aussichtskanzel steht ein Türmchen welches 1817 auf den Resten einer mittelalterlichen Burg erbaut wurde.

In einer klimatisch begünstigten Geländekammer liegt das stattliche Weinbaudorf Berneck. Hier auf dem Rathausplatz mache ich eine Rast an einem Holztisch mit Schnitzfigur und blicke auf das emsige Treiben im Nachbarsgebäude. In einem der vielen hübschen Herrschaftshäuser wird lokaler Wein ausgeschenkt. Mit 42 Hektaren ist Berneck die flächenmässig grösste Weinbaugemeinde des Kantons St. Gallen.

Nun geht es steil hinauf ins Appenzeller Vorderland. Um mit dem Kinderwagen durch die steilen Rebhänge von Berneck zu gelangen muss ich entlang der Autostrasse nach Oberegg/Walzenhausen die Höhenmeter erklimmen. Immer wieder belohnen herrliche Tiefblicke ins Rheintal für die Mühsal. Über Tigelberg und Tobelmühle gelange ich ins innerrhodische Büriswilen. Ein kleiner unbedeutender Weiler, jedoch für mich die einzigen Meter auf meiner Grenztour im kleinsten Schweizer Kanton. Nur ein paar Häuser weiter gelange ich nach Wilen und damit in den anderen der beiden Appenzeller Halbkantone. Ein wunderschöner Gratweg führt mich nun auf die Meldegg, mit ihren 638 Metern der Höhepunkt dieser Tour. Der Blick geht nun ein erstes Mal zum Bodensee und gegen Süden ins industrialisierte Rheintal. Durch den Wald geht es hinunter nach Leuchen - ein weiteres schönes Dorf mit typischen Appenzeller Häuser.

Nun ist das Ende nah und ich wähle für den Abstieg den Weg über den Heldsberg. Dieser Bergrücken schiebt sich wie ein Riegel zwischen Au und St. Margrethen, eignete sich damit natürlich bestens für eine strategisch günstig gelegene Festungsanlage. 1838 bis 1841 wurde die Festung errichtet und erst 1992 aufgegeben. Das heutige Museum in den 1000-Meter langen unterirdischen Gängen und Bunkern beherbergt zahlreiche Kanonen und Maschinengewehre aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Der letzte Abschnitt durch St. Margrethen bis zum Bahnhof führt durch ausgedehnte Industrie- und Wohngebiete.

Hike partners: laurentbor


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