Kreuzstecken und Poneck Südgrat


Publiziert von Wagemut , 26. Dezember 2016 um 01:22.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum:30 November 2016
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1574 m
Abstieg: 1574 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz in Hinterthal östlich von Saalfelden bei der Kirche.

Ganz hinten im Tal oder ..Hinterthal, ein Dorf im südöstlichen Eck des Steinernen Meers! Blauer Himmel! Über dem Talkessel erheben sich die Gipfel Selbhorn, Poneck, Wildalmkirchl, Brandhorn und Hochsailer. Welchen nehmen wir? Einen der einsamen südlichen Randgipfel, das Poneck! Dessen Südgrat ist zwar schon ein bisschen angezuckert, aber noch nicht so viel, dass sich nicht eine schöne Kletterei ausgehen würde!


Nachdem leider dem "Yeti" Markus morgens sei Auto verreckt ist, begeb ich mich alleine auf die Reise nach Hinterthal, einem Dorf östlich von Saalfelden.
Nach einer langen Autofahrt geht es um 8:30 Uhr bei der Kirche los. Auf der anderen Talseite laufen die Schneekanonen vom Skigebiet Hochkönig bereits auf Hochtouren. Rundherum ist noch alles grün!

Für den ersten Abschnitt bis zur Jagdhütte am Finsteregg/ Finstereck bieten sich zwei Anstiege an. Entweder man steigt auf markiertem Weg zur Station der Sonnleitenbahn auf und von dort nördlich auf dem Bergrücken zur Jagdhütte oder man bleibt weiter östlich und verfolgt einen bald in einen zunächst undeutlichen Steig übergehenden Forstweg zum Bergrücken, Finsteregg (nur in der AV-Karte Steinernes Meer verzeichnet), und quert dann links hinüber zur Jagdhütte.
Letzteren Weg bin ich gegangen.

Hinweis: Das Waldgebiet, das man durchqueren muss, darf leider nur zwischen 9:00 und 17:00 Uhr betreten werden, denn es handelt sich um ein Wildschutzgebiet.
Ich vermute stark, dass der Weg über die Sonnleitenbahnstation ganzjährig unbeschränkt begangen werden darf.

Die Jagdhütte steht an einem traumhaften Aussichtspunkt. Hier sollte man Pause machen, den Tauernblick und den Blick hinauf zum nahen Steinernen Meer genießen! Doch der Ponecksüdgrat lockt schon. Ab der Hütte gibt es zwei Pfade, einer führt nach Nordwesten, der andere nach Nordosten. Ich folge letzterem, welcher ab der Jagdhütte deutlich ausgeprägt ist, südlich unter den Ameisköpfen vorbei leitet und schließlich nach links auf einen breiten Sattel zwischen Ameiskopf, 2068 m, und Kreuzstecken, 2200 m, führt. Die Ameisköpfe lassen sich aber auch unschwierig überschreiten.

Obwohl das Poneck mein eigentliches Ziel ist, weigt mich jetzt doch der nahe Kreuzstecken an! Ein steiler Felszahn ist das! Die Aufstiegslinie ist logisch; zunächst steigt man auf dem Südsüdwestgrat bis vor einen Steilaufschwung an, quert dann in der Westflanke ansteigend bis in eine kleine Scharte nördlich des Gipfels und von dort in wenigen Minuten hinauf. Da die Westflanke und der kurze Anstieg ab der Scharte nicht ausreichend verfestigten Schnee aufweist, also rutschgefährlich ist, steige ich über die sehr steile schrofige Südseite direkt südlich ab, I. ausgesetzt. Bald mündet das Schrofengelände in einem kurzen Kamin, III. Darauf folgt eine kurze plattige Stelle und eine winzige Scharte. Diese hats in sich, da es links und recht runterpfeift. Deshalb bietet sich nur die Flucht gerade weiter nach Süden. Schließlich wird es wieder schrofig und es lässt sich einfach nach rechts zum breiten Sattel vor dem Ameiskopf zurückkehren.

Aus dem Sattel gehts nordwestlich unschwierig in das kleine Wurmkar hinab und amschließend fast übergangslos links hinauf ins benachbarte Sandkarl. Am linken, oberen, begrünten Rand des Kars unter den ersten Felsen ist der Einstieg zum Südgrat des Boneggs. Links eines auffälligen großen Turms soll man in eine tiefe Rinne einsteigen. Diese finde bzw. erkenne ich nicht und halte mich noch ein Stück weiter links. In der Westflanke des Grats steige ich auf einem Band aufwärts und an geigneter Stelle nach rechts, II, hinauf in die Felsen. Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht ganz klar, wo der eigentliche Südgrat verläuft, aber da der Fels sich gut klettern läßt, geht es zunächst gerade empor. Bald sehe ich rechts das obere Ende der tiefen Rinne und identifiziere rechts davon die Felsen des Südgrats. Da es wo ich bin auch gut geht und es sich nicht bequem zum Südgrat hinüberqueren läßt, bleibe ich westlich von diesem und stoße erst weiter oben auf den Grat. Die tiefe Rinne schau ich mir beim nächsten Mal an.
Es liegt vermehrt Schnee und die letzten 30 hm zum Gipfel müssen gespurt werden.

Oben breitet sich das schöne Steinerne Meer zu meinen Füßen aus, dessen östlicher Teil noch ein bisschen einsamer ist. Der Watzmannblick und der Blick nach Osten zum formschönen Wildalmkirchl darf natürlich auch nicht fehlen! Der Wind weht eisig hier heroben und die Sonne steht schon tief, als ich gegen 16 Uhr den Abstieg antrete. Über festen Schnee geht es bequem westlich zur Wasserfallscharte hinunter. Dort treffe ich auf den markierten Weg und mit diesem übers Rötenegg, Braggstein/ Pragstein und Reiteralm zurück nach Hinterthal.

Fazit:

Eine interessante, wiederholenswerte Route in sehr annehmbarem Fels, quasi gebietstypisch.

Bei ähnlichen Verhältnissen würde ich die Tour beim nächsten Mal auf zwei Tage ausdehnen, da es sich anbietet, weitere Gipfel mitzunehmen.
Im Sommer lässt sich das auch im Rahmen einer langen Tagestour durchführen, z.B. östlich weiter zu Scharegg, Wildalmkirchl, Brandhorn, Niedere Torscharte und Hinterthal oder westlich hinauf zu Selbhorn und Schönfeldspitze.  
 
Der kleine Abstecher zum Kreuzstecken hat sich sehr gelohnt. Der AV-Führer hält zu diesem Gipfel keine Informationen bereit. Mit Schneeauflage war es zusätzlich spannend!

Schwierigkeiten:


Kreuzstecken: Aufstieg über Südsüdwestgrat und Westflanke I.-II.
Abstieg über die Südseite I., ausgesetzt, Stelle III-.

Route Südgrat Bonegg: II. ; meine Variante etwas weiter westlich ebenfalls II.

Tourengänger: Wagemut


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