Vogelkarspitze (2523 m)


Publiziert von gero Pro , 12. Februar 2009 um 22:31.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:28 Juni 2008
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 1720 m
Abstieg: 1720 m
Strecke:Rißbachtal (P4) - Johannestal - Hochalmsattel - Vogelkarspitze
Kartennummer:FB WK 322 + AV-Karte 5/2

Mit diesem Bericht möchte ich Euch mitnehmen auf eine Bergtour, wie ich sie so richtig liebe: still, einsam, abgeschieden, vergessen, ein bißchen am Rande der (oberbayerischen) Welt ... in mein geliebtes Karwendel.

Kein richtiger Weg führt hinauf auf die Vogelkarspitze, dieses trapezförmige Karwendeldach, das man an klaren Tagen vom Münchner Olympiaturm aus sieht, ein Vorposten dahinterliegender höherer Berge, aber im Frühjahr dank südseitigem Anstieg schon begehbar, wenn der Hauptkamm des Karwendels noch unter den Schneeresten des Winters vergraben ist.

Mit meinem Freund Walter nächtigte ich am Parkplatz P4 im Rißbachtal - ein lauschiges Plätzchen, mit rauschendem Bach. Der Juni ist eine herrliche Bergzeit: die Tage sind so lang wie niemals sonst, schon um 4 Uhr lohnt es sich, loszugehen - in ein anstrengendes Abenteuer hinein, wie es seinesgleichen sucht.

Wir verließen den P4 (958m) in aller Herrgottsfrühe, um den langen Marsch durch das Johannestal zum Kleinen Ahornboden (1400m) hinter uns zu bringen. Und dann geht es gleich weiter hinauf zum Hochalmsattel (1803m): gut 9km Horizontalentfernung hat man hier geschafft, 850Hm, 3 Std wird man dafür schon veranschlagen müssen auf dieser Forststraße, die vor allem auf dem Rückweg kein Ende zu nehmen scheint.

Hat man den Hochalmsattel, hinter dem das Karwendelhaus steht, erreicht, dann beginnt die Tour eigentlich erst. Die Östliche Karwendelspitze und unser Ziel, die Vogelkarspitze, stehen genau vor bzw. über uns. Man verläßt so ziemlich an der höchsten Stelle des Hochalmsattels den Forstweg nach rechts (nordwestlich) und folgt dem Maximlianssteig, der zum Grabenkar und zur Östlichen Karwendelspitze hin leitet. Bis zu der Stelle, wo dann ganz deutlich der Steig zu letzterer hin ein ganz steiles Geröllfeld hinaufleitet, ist es immer noch ganz leicht und eindeutig. Danach aber braucht es zusehends Geländeblick und Orientierungsvermögen: man lasse sich nicht verleiten, zu früh hinaufzusteigen! Man folge weiter dem Steig fast horizontal, bis er dann von selbst zusehends ansteigt und etwas undeutlicher wird. Keinerlei Markierung, keinerlei Beschilderung!

So geht es durch Latschenfelder hindurch, um den von der Östlichen Karwendelspitze herunterführenden Südhang "Im Wank" herum und hinauf Richtung Vogelkar, das an seiner Untergrenze gequert wird. Es gilt, in dieser abenteuerlichen Landschaft den auffallenden rampenartigen Südhang, der vom Gipfel der Vogelkarspitze herunterzieht, an seinem Fußpunkt ganz unten zu erreichen. Der Steig verschwindet dort völlig, es gibt bestenfalls Steigspuren. So, und nun technisch einfach, aber ganz knackig steil, weglos und anstrengend diese riesige Grasrampe hinaufschnaufen! Sie steilt weiter oben noch mehr auf, geht in Schrofengelände über - hier sollte man sich nur bei Trockenheit aufhalten!

Zwischendurch sollte man auch mal die urwüchsige Gebirgslandschaft auf sich wirken lassen: gegenüber der Karwendelhauptkamm mit der Birkkarspitze (2749m), gleich nebenan die etwas höhere Östliche Karwendelspitze (2537m), die ein kleines bißchen weniger mühsam auf durchgehendem Bergsteig zu erreichen ist - und zusehends tief unten der Hochalmsattel und das Karwendelhaus.

Und irgendwann steht man dann droben auf der Vogelkarspitze (2523m), reicht sich zunächst heftig schnaufend, dann zusehends zufrieden mit sich und der Welt, die Hand zum "Berg Heil" .... Nur ein kleines, bescheidenes Holzkreuz ziehrt diesen einsamen Gipfel!

Wie lang haben wir insgesamt da herauf gebraucht? Um 11 Uhr waren wir auf dem Gipfel, also 7 Std. ab dem P4, aber da ist ein kräftiger Latschenverhauer drin enthalten - und VIEL Wegsuche, Fotografieren und Filmen. Jawohl, einen ganz netten Film hab ich dabei auch gedreht, hab das Stativ heraufgeschleppt und immer wieder Regie geführt. Es hat sich gelohnt, der Erinnerungswert eines Filmes übersteigt denjenigen von Fotos noch um ein Vielfaches. Vielleicht schafft man den Aufstieg bei optimalen Bedingungen in weniger als 6 Std., aber da muß man schon schnell sein.

Wir sind dann natürlich auch auf dem First dieses Berges herumgeturnt, sind 10 Minuten hinübergegangen zum etwas niedrigeren Westgipfel. Hier gibt es nur einen Steinmann. Und haben den gewaltigen Tiefblick nach Norden, 1300m hinunter ins Rohntal, auf uns wirken lassen.

Welch gewaltige Szenerien dürfen wir immer wieder in unseren herrlichen Bergen erleben!

Gleicher Weg zurück, die steile Schrofenrampe wieder abwärts und hinüber zum Hochalmsattel - nur der anschließende lange Hatscher zurück, vom Hochalmsattel hinaus ins Rißbachtal ..... der müßte nicht unbedingt sein. Aber was soll's, er gehört dazu, das weiß man vorher!

Tourengänger: gero

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Kommentare (3)


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bergclaus hat gesagt: Diskussion
Gesendet am 20. April 2010 um 07:11
Lieber Gero,
mich wundert, dass noch niemand einen Kommentar abgegeben hat?
Vor nicht allzulanger Zeit gab es einmal eine Diskussion auf tourentipp.de, als dort die Vogelkarspitze als Tipp eingestellt wurde. Darüber haben sich viele vermeindliche Karwendelliebhaber empört. Dieser Berg sollte einsam bleiben, war ihr Argument.
Mir scheint, dass sie hikr.org nicht kennen.
Auf alle Fälle war Deine Tour über das Johannistal eine anspruchsvolle und lange Unternehmung.
Viele Grüße, bergclaus

gero Pro hat gesagt: RE:Diskussion
Gesendet am 20. April 2010 um 18:55
Lieber Claus,

danke für Deine Rückmeldung zu unserer damaligen, recht anregenden Tour.

Die Vogelkar BLEIBT meines Erachtens einsam - sie ist zu sehr abgelegen, steht zu sehr im Schatten Ihrer namhafteren Nachbarn und ist letztlich für den Durchschnittswanderer zu beschwerlich.

So wie übrigens viele andere Karwendelgipfel auch, die vor allem unser Bergkamerad ADI sehr treffend beschreibt und mit tollen Fotos belegt ... wer kommt schon drauf, z.B. die Rauhkarlspitze oder die Larchetkarspitze zu erklimmen? Nur so karwendel-narrische wie Gunter, trainman .. oder ich. Habe sie nämlich eben meinem alpinen Wunschzettel hinzugefügt.

Viele Grüße vom Georg aus N

hawkeye hat gesagt: RE:Diskussion
Gesendet am 1. Juli 2010 um 20:25
Die Vogelkarspitz ist einsam geblieben.
Wir waren am Sonntag dort und eingedenk der angesprochenen Diskussion auf Tourentipp habe ich gezählt.
Im letzten Jahr waren es 26 Einträge im Gipfelbuch.



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