Weissmies - "weisses Moos" - hinterrücks


Publiziert von amphibol Pro , 1. August 2016 um 22:16.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:25 Juli 2016
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1130 m
Abstieg: 860 m
Strecke:Almagellerhütte SAC - Zwischenbergpass -Weissmies SSE-Grat - Weismiess - Hohsaas
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Saas-Almagell
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Hohsaas
Unterkunftmöglichkeiten:Almagellerhütte SAC / Hohsaas / Weissmieshütte SAC
Kartennummer:1329 / Saas 1:25'000

Das Weissmies ein Moosberg?


Was das Weissmies mit Moos zu tun hat, dass kann ich mir in meinen kühnsten Vorstellungen nicht ausmahlen. Aber die "Üsserschwiizer" können - so scheint es - manch Begrifflichkeit nicht nachvollziehen die im Wallis verwendet werden um Orte, Flure und andere geographische Punkte zu beschreiben. Wie dem auch sei, das Weissmies stand nach der (*Dri Horlini-Überschreitung) auf unserem nächsttägigen Tourenplan.

Die Weissmiesüberschreitung über den Zwischenbergpass und den SSE-Grat gilt als ebenfalls unschwierige Alternative zum Normalweg von Hohsaas. Leichter 4000er heisst aber nicht unbedingt nicht gefährlich, was im Weissmies insbesondere zutrifft. Der Gletscher auf der Normalroute - in unserem Fall auf dem Abstieg - von Hohsaas ist in einem erbärmlichen Zustand, so dass die Betrachtung dessen fast schmerzt.


Das Wetter, obwohl die Lage immer noch stark von der feuchten Atmosphäre geprägt war, meinte es sehr gut mit uns, denn am Vorabend bereits gegen die Dämmerung zu, verschwanden die Wolken des spätnachmittäglichen Regenwetters wieder. So legten wir uns müde relativ früh hin, in der Aussicht um 04.00 Uhr zu frühstücken.

[25.07.2016] Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg gegen den Zwischenbergpass. Weil auch die Überschreitung über den Südsüdostgrat eine sehr oft begangene Tour ist, erübrigt sich die Beschreibung der Route zum Zwischenbergpass. Wir folgten den Wegspuren und gelangten ca. nach einer Stunde über ein relativ hartes aber einfaches Schneefeld und im letzten Abschnitt über Gneisblöcke auf den Zwischenbergpass. Dort befindet sich ein Wegweiser der u.a. die Wegzeit nach Zwischenbergen angibt. Nach Zwischenbergen beträgt die Abstiegszeit rund 6h und bis Gondo wohl noch eine gute Stunde mehr.

Die Dämmerung war bereits im Gange obwohl die hohen Gipfel der Mischabel und der Monte Rosa noch keine Sonnenstrahlen aufgefangen hatten. So folgten wir in blockigem Gelände dem SSE-Grat und stiegen nach wenigen 100m etwas ab, damit wir den Firn erreichten. Dort seilten wir an und legten die Steigeisen an. Dies nur, dass wir das weiter oben nicht tun mussten. Der untere Teil hätte man auch noch ohne Steigeisen laufen können doch weiter oben und zu gegebenen Bedingungen ist man dann schon froh. Im Moment kann alles auf Firn unterhalb Pkt 3268 aufgestiegen werden und der Aufstieg ist nur moderat steil. So gelangten wir relativ gemütlich zum Einstieg unterhalb des Pkt 3597 und sprachen etwas mit unseren österreichischen Mitgipfelaspiranten, die auf fast drängen von berggiis eine Waffel abgaben, "weil sie die Waffeln ja so gern habe..." ;-)

Danach folgt man dem einfachen Blockgrat, der mit nur wenigen Kletterstellen versehen ist. Ab und zu kommt wieder ein steilerer Aufschwung den man oft auch umgehen kann. Wir versuchten - auf den Geschmack gekommen - alle Teile ziemlich direkt zu erklettern. Oft hat es genügen Griffe und Tritte um einfach darauf los zu steigen.

Irgendwie war das alles dann fast zu schnell durch und oben auf dem Vorgipfel (unterhalb von Punkt 3972 bei Firnzustieg) angekommen machten wir sicher rund 50 Minuten Pause und genossen das wunderbare Panorama ins Saastal zu unserer Linken und die durch Feuchtigkeit in der Atmosphäre geprägte Sicht bis zum Lago Maggiore und weiter zum Gardasee. 

Danach folgt ein flacher Firnaufstieg der sich etwas verengt und ein bisschen ausgesetzter wird. Über einen ganz kurzen weiteren Felsteil erreichten wir bereits den letzten Firngrat, der uns nur in wenigen Minuten zum Gipfel führte. 




Wir freuten uns auf dem Weissmies zu stehen und begutachteten das immer noch in schönem Wetter unter uns liegende Wallis. 

Der Abstieg zog sich dann so dahin und ist wie gesagt nicht ungefährlich. Noch letztes Jahr hat der SAC eine Warnung herausgegeben, dass die Route weiter weg vom Abbruch führen solle. Doch dem wird bereits wieder keine Rechnung mehr getragen. Die Route zieht sich zuerst dem teils überwächteten Südwestgrat entlang (der gegen das Trifthorn weiterzieht), danach vor Pkt 3815 mehr oder weniger direkt runter, teils über Spalten. Etwa auf Höhenlinie 3620 dreht die Route dann gegen den Abbruch zu und einige Spalten und grosse verrissene Gletscherstellen sind zu passieren.

Dieser Abstieg ist nicht schwierig aber mit grosser Vorsicht zu passieren. Insbesondere sollte man diese Stellen auch so schnell wie möglich begehen, damit man sich diesen effektiv objektiven Risiken nicht zu lange exponieren muss.

Nach einem Sérac drehten wir unten durch und stiegen ziemlich direkt steil ab und gelangten so weg von der heiklen Abbruchzone auf den flachen Gletscher und zogen über diesen gegen Westen bis an sein Ende wo man über Fels und Eis vom Gletscher absteigt.

Im Hohsaas gönnten wir uns das wohlverdiente Bier und genossen das schöne Wetter bevor wir gemütlich mit der Bahn ins Tal runter fuhren. Solche Berge haben auch ihre Vorteile! ;-)

Fazit: 
Das Weissmies ist in seiner Erscheinung ein interessanter Berg und durchaus einfach zu begehen auf den zwei beschriebenen Routen. Der Berg darf aber nicht unterschätzt werden, er ist zwar einfach aber sicher um einiges gefährlicher als andere 4000er die ja bei weitem nicht alle wesentlich schwieriger sind (Normalrouten von u.a. Bishorn, Lagginhorn, Breithorn-West, Pollux, Castor, Allalin, Strahlhorn etc.). Allerdings sind halt die meisten dieser mit etwas mehr Aufwand verbunden (Auf- und Abstiegslänge) und bergen natürlich auch die üblichen Gefahren wie etwa Spalten o.Ä. Die Kombination über den SSE-Grat macht die Tour zum Weissmies sicher um einiges lohnenswerter. Interessant wäre sicher die Überschreitung über den Nordgrat und der Abstieg zum Zwischenbergpass, sicher ein Ziel, wenn nochmals Weissmies.   

Tourengänger: amphibol, berggiis


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