Le Grand Château


Publiziert von rojosuiza , 10. Oktober 2015 um 23:03.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum: 1 Oktober 2015
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-VD 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 2200 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ovronnaz, car postal
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Fully-Charrat, CFF-SBB
Unterkunftmöglichkeiten:Ovronnaz, Fully, Cabane Lui d'Août, Cabane de Fenestral

Le Grand Château - projet et réalisation
 
Geplant ist Ovronnaz – Euloi – Fenestral – Montagne de Fully  - Le Dxeman – Le Mont – Collognes.

Realisiert wird Ovronnaz – Euloi – Überschreitung des Grand Château – Querung zum Pass von Fenstral – Montagne de Fully – Fully l’Église.

Am interessantesten sind, wie meistens, die Abweichungen von der vorgesehen Route.
Warum weicht der Mensch von der vorgesehenen Route ab: Zu viel Verkehr bzw. Gegenverkehr, Lust auf etwas mehr Spannung als der vorgezeichnete Weg. rojosuiza trifft schon vor dem Eingang vom Tal von Euloi auf eine lärmige Klasse beim Schulausflug, und dann gleich auf noch eine – bietet sich eine spannendere Route, ist rojosuiza weg.

Bei Petit Pré führt vor ihm eine einladende Rinne hinauf Richtung Berge. Die Rinne ist weglos und daher unbesucht. Im Tälchen dahinter, bei Lui Profonde, erhebt sich ein steiler Zahn und neben dem Zahn gibt es wieder eine Rille, die zum Ersteigen herausfordert.

rojosuiza ist zum zweiten Mal unterwegs in der Gegend von Ovronnaz. Das erste Mal war er ausgerüstet mit der prachtvollen 1:100.000 Karte der Landestopografie und hat damit vieles gefunden, was er nicht gesucht hat. Sie ist wieder dabei, denn die Karte 1:25.000 hat sich zu Hause versteckt. Die 1:100.000-Karte bringt mich dazu, den Durchstich zu versuchen zwischen Euloi und dem Gebiet von Montagne de Fully. Wie sich später herausstellt auf der genaueren Karte, wäre das durchaus möglich gewesen, aber das Bild, das sich mir bot nach der Eroberung des Chateau hat den Eindruck geweckt, es würde nur gehen mit grossen Mühen – hätte ich es so gemacht, hätte das viel Spannung und Freude erzeugt, aber es hätte mir auch die schöne Traverse zum Fenestral und den Besuch der Cabane de Fenestral genommen.

Mein Weg über das Chateau verläuft hauptsächlich über die Richtung Südwest. Von den Seiten sieht das Chateau für den Kleinbergsteiger unerkletterbar aus. Aber durch die Rinne ist der Gipfel leicht zu gewinnen. Nur ganz oben wird das Klettern etwas heikler, bei dem kleinen Sporn im Bild. Ist der Berg erstiegen, befindet sich der Bergheld auf einer hundsgewöhnlichen Wiese, kein Stein zu sehen; man darf aber den Rändern nicht zu nahe kommen... In der selben Richtung, SW, findet sich dann der Abstieg; der ist sogar etwas leichter als der Aufstieg.

Können Steinböcke lachen? - Dann hätten sie wohl gelacht. Beim letzten Stück meines Anstieges stehen zwei Steinböcke über mir, zehn Minuten lang und mehr, und schauen zu, wie ich mich abmühe. Man schämt sich fast, wenn man unter ihren kritischen Blicken emporkreucht, mit seinen zwei lächerlichen Beinen, wo sie auf ihren vieren ungleich stärker stehen in diesem Gelände. Am Schluss bin ich höher oben als sie, und erst dann wenden sie sich ab. Das Jungtier flirtet sogar mit rojosuiza, so habe ich den Eindruck.

rojosuiza hasst es, Höhe zu verlieren. Darum ist er froh, jetzt, wo er gerade beschlossen hat, wild zu queren Richtung Fenestral, dass er einen kleinen Pfad entdeckt, der das ebenfalls vor hat. Er folgt ihm. Er ist ohne Markierung, aber meistens deutlich zu erkennen am Boden. Gerade wo rojosuiza ihn verloren meint, wird er unterbrochen in seinem Lauf. Es kommt eine Rippe, die unterklettert werden muss. Der Pfad ist nicht sichtbar, aber die Route, die rojosuiza nimmt, drängt sich auf – und es ist wohl der Weg, denn der Ortskundige und damit ein Weg auch nehmen würden. Denn danach folgt eine lange, lange Querung im Geröll. Das Geröll ist lästig, aber wo weiter vorne noch etwas Schnee liegt, läuft es wie ein schwarzes Bändchen. Es ist der Pfad – und das schwarze Band ist der Rand, denn tausend Füsse im Schutt gebildet haben. Der Schnee zeigt: vor kurzer Zeit ist ein anderer Wanderer rojosuiza hier vorgegangen.  Die Bestätigung ist hochwillkommen, es geht wirklich, hier kann man queren bis zum Pass. So geschieht es denn auch, zur vollen Zufriedenheit von rojosuiza ist der Höhenverlust schliesslich etwa Null.

Der Pass von Fenestral ist windumtost. Es bläst ein straffer Nordwind, schon die ganze Zeit, aber am Pass bleibt keiner stehen. Die Aussicht wäre hier fantastisch, aber man würde glatt von der Bise weggeweht. Ein paar Schritte unter dem Pass, im Lee, hat man Zeit zu einem ersten Aufatmen. Knapp unter einem steht auf einem kleinen Platt eine prachtvolle Hütte, die Cabane de Fenestral, unten leuchtet einem Blau entgegen der Lac Superieur de Fully. In  der Ferne, auf der gegenüberliegende Talseite des Unterwallis, grüssen Schneeberge sonder Zahl, ganz rechts der Mont Blanc.

Die Hütte ist entweder ganz neu, oder toll renoviert. Sie steht einsam in Stein und Geröll, wie ein Rauchquarz von der Farbe her. rojosuiza rastet in ihrem Innern. Sie ist zur Stunde nicht bewartet, aber der Gastraum ist offen. Er ist hochisoliert und innen ist es wohlig warm. Ist der Hüttenwart schon weg, oder kommt er gleich wieder zurück?

In der Talkammer 'Montagne de Fully' sind die beiden Seen, Lac Superieur und Lac Inferieur, und am unteren Ende eine Menge Alphütten. Ein paar Strässchen laufen hin und her dazwischen.

rojosuiza aber zieht's hinab. So schnell es geht, eilt er jetzt auf fast ebenem Weg hinaus, zur Kante der 'Montagne de Fully'. Am Rand angekommen, öffnet sich plötzlich der Blick ins Rhonetal hinab; man übersieht ungehindert die volle Breite; rechts in der Ferne liegt Martigny. Hier geht es nun in alle Richtungen.  rojosuiza wählt Fully l'Égilise, abweichend vom ursprünglichen Plan. Schon nach wenigen Metern weiss er, er hat gut gewählt.
Der Weg ist von grosser Schönheit. Er verläuft auf einer mageren, ausgesetzten Rippe. Er ist exklusiv dem Wanderer vorbehalten, intakt und nirgends verschlimmbessert; neben dem Menschen vielleicht dem Maultier noch zugänglich. Gleich am Anfang hängt er voller Ketten, wohl nötig bei Schnee und Eis, aber bei trockenem Wetter nicht
.
Er verläuft im Südhang und beginnt bald, kräftig nach Wallis und Sommersonnenwärme zu riechen. Nach wenigen Metern geht ein winziges Wegstück ab und führt auf eine 'Terrasse', wovon aus man in die Flanken blicken kann: ein haarsträubender Blick.

Dann geht es hinab, Höhenmeter um Höhenmeter um Höhenmeter... Es hört nimmer auf. Nach 500 Hm ist die Exklusivität zu Ende. Man muss sich das Gelände mit einer Forststrasse teilen, die einem das Alleinrecht streitig macht und die das Gelände stört. Wieder 500 Hm weit geht das. Dann ist auch das vorbei. Ist man auf dem Talgrund? - Das ist man nicht, denn immer noch geht es hinab, Höhenmeter um Höhenmeter um Höhenmeter. Wenn man gerade ausruft: 'Nimmt das denn kein Ende!' erreicht man die ersten Weinberge von Fully. - Ist man jetzt unten? - Nein, WeinBERGE sind's! und durch sie hinunter muss man noch, mehr Höhenmeter um Höhenmeter. Schliesslich ist man  Châgtainier, fast schon in der Ebene, und bald danach im Dorfkern von Fully selber.

Im unteren Teil gibt es  noch eine interessante Zugabe: die Funiculaire
http://standseilbahnen.ch/fully-le-chateau.html. Gut erkennbar im Gelände verläuft eine atemraubend steile Standseilbahn. Worum handelt es sich da? - Internet gibt zu Hause Auskunft:

Für den Bau des Stausees Lac de Fully wurden 1912 zwischen Fully und dem Stausee 5 Standseilbahnen nacheinander errichtet. Viele Jahre lang hatte das Kraftwerk Fully die grösste Fallhöhe weltweit.

Cappuchino bekommt rojosuiza in Fully nicht. Er lässt sich wohl in der Gartenwirtschaft in einen Stuhl fallen und liest da die Zeitung, aber nach einer halben Stunde ist keine Bedienung gekommen. Macht nichts, ausgeruht ist auf komfortabele Weise, rojosuiza macht sich auf dem Marsch quer durchs Tal zur Bahnstation auf der anderen Seite, wo bei seinem Erscheinen auch gleich der Zug nach Brig einfährt.

Zehn Stunden Weg; alles T2, Exkursion über das Grand Château T5.

Tourengänger: rojosuiza


Galerie


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