Next level auf dem Schnüerliweg - ein Klassiker geht in die Verlängerung


Published by Mueri , 3 September 2015, 11h46.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike:27 August 2015
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SG   Churfirsten 
Time: 9:00
Height gain: 1075 m 3526 ft.
Height loss: 1075 m 3526 ft.
Route:Rugg - Paxmal - Sitzstein - Alp Tschingla - Chammsässli - Tieregg - Schnüerliweg - Stollenfurgge - Fortsetzung Schnüerliweg - Paliis Nideri - Paliis - Alp Tschingla - Chlaffenboden - Alp Schrina Obersäss - P. 1480 - Rugg
Access to start point:mit dem PW nach Hochrugg (oberhalb Walenstadtberg beim Paxmal)

Die meisten von uns dürften diese Erfahrung nur allzu gut kennen: Da kommt man bei einer Bergtour in den Genuss einer herrlichen Passage und wünschte sich, dieses Highlight würde etwas anhalten, doch ist es so oft bereits man wenigen Metern bzw. Minuten zu Ende. Wer beim klassischen Schnüerliweg etwas enttäuscht ist, schon beim Stollenfurgge angelangt zu sein, nachdem das Abenteuer so richtig beginnen wollte, der kann frohlockend in die Verlängerung gehen. Nach dem Motto "anspruchsvoller, schmaler, abschüssiger" kann er nach der klassischen Querung des Hinderruggs und Schibenstolls vom Valsloch zum Stollenfurgge auch noch die Querung des Zuestolls ab dem Stollenfurgge zum Paliis Nideri anhängen. Es ergibt sich eine fantastische Rundtour auf der Südseite der Churfirsten, die mit Abwechslung und Höhepunkten nicht zu sparen braucht.

Wer Höhenmeter sammeln will, startet seine Tour vorzugsweise in Walenstadtberg (P. 754). Wir entschliessen uns, mit dem PW bis Rugg hochzufahren. Nach einem Besuch des Paxmals steigen wir damit gleich über einen klettersteigähnlichen Weg hoch zum Sitzstein und von dort weiter zur Alp Tschingla. Nach einem Morgenkaffee ziehen wir dem Wanderweg entlang hoch zum Chammsässli und verlassen diesen (s. gpx-Track), noch bevor er ins Valsloch einbiegt. Über Schroffengelände erreichen wir, steil ansteigend, bald den Fuss der Hinderrugg-Südwand und befinden uns bereits auf dem Schnüerliweg, der sich an der Tieregg vorbei bis zum Stollenfurgge (Stollensattel zwischen Schibenstoll und Zuestoll) zieht, sich dabei zusehends verjüngend. Auf dem weitgehend horizontal verlaufenden Schnüerliweg geniessen wir die Einsamkeit und begegnen nebst drei Basejumpern, die ohne Gruss tollkühn an uns vorbeizischen, keiner Menschenseele. Problemlos erreichen wir auf Pfaden von Steinwild schon bald den Stollenfurgge, wobei es kurz vor dem Ausstieg zum Stollenfurgge etwas schmaler wird. Diese letzten Meter bis zum Stollenfurgge sind jedoch mit Ketten versehen und zumindest technisch nicht schwierig.

Beim Stollensattel angelangt sind wir uns einig, dass dies noch nicht das Highlight unserer Tour gewesen sein sollte. Bewaffnet mit einem Foto und dem entsprechenden Bericht von 3614adrian machen wir uns beim Stollensattel auf die Suche nach diesem Drahtseil ... und erspähen es. Schon bald ist auch die Abseilstelle gefunden. Der Fortsetzung des Schnüerliwegs steht damit nichts mehr im Wege. Wir können uns die nördliche Umgehung des Zuestolls damit sparen, um zum Paliis Nideri zu gelangen (eine Option für all jene, die den klassischen 'Schnüerliweg ohne Verlängerung' als Rundtour vorziehen).

Ganz westlich vom Stollensattel (P. 1954) seilen wir am dortigen Stand durch die steinschlägige Runse ca. 8-10m ab, wie in Adrians Bericht bestens beschrieben - einmal mehr herzlichen Dank dir, Adrian! Zwar haben wir eine Reepschnur dabei, doch benötigen wir diese beim Abseilstand nicht. Die beiden Sicherungspunkte sind mehrfach mit Reepschnur verbunden. Wir entschliessen uns, nicht bis runter zum Grasband abzuseilen, um anschliessend diesem entlanggehend und über einen Grasrücken hochkraxelnd das erste Fixseil zu umgehen. Zukünftig würde ich aber wohl diese Variante vorziehen. Stattdessen peilen wir nach der Abseilaktion das dicke Drahtseil an und steigen mit dessen Hilfe hoch zu einem schmalen Felsband und auf diesem westwärts.

Nach grosszügigem Terrain folgt schon bald ein weiteres abschüssiges, technisch aber nicht schwierig zu bewältigendes Band, das kein Fixseil oder Ähnliches aufweist. Generell lässt sich sagen, dass sich schmale Passagen, in denen Runsen gequert werden, abwechseln mit relativ grosszügigen, meist grasigen Passagen. Und so steht uns schon bald die nächste Runse bevor, die mit einen dünnen Drahtseil abgesichert ist. Um das Risiko zu minimieren, seilen wir uns für die ca. 50 Meter lange Querung dieser Runse an. Schliesslich muss eine Stelle in abdrängendem Gelände und ohne Boden unter den Füssen überwunden werden. Und ganz möchten wir uns dabei nicht auf das Drahtseil verlassen. Wir haben für diese Querung, die bei der Schlüsselstelle technisch nicht ganz einfach ist, sofern man sich als 'Vorsteiger' nicht vollends auf das Fixseil verlassen will, sieben Expressschlingen sowie ein 50m-Seil und Bandschlingen zur Errichtung der Standplätze benötigt.

Nach einfacherem Gelände vorbei an Kletterrouten an der Südwand des Zuestolls erfolgt fast zum Schluss eine letzte ausgesetzte Querung. Diese ist m. E. jedoch deutlich einfacher zu passieren als die oben beschriebene, weshalb wir uns nicht mehr anseilen, sondern und mit dem Karabiner im dortigen Fixseil einhängen. Einen Blick zurück, und schon haben wir den Sattel zwischen dem Zuestoll und dem Brisi erreicht.

Von Paliis Nideri steigen wir einem im oberen Teil teils gesicherten Bergweg folgend ab zu P. 1641 (Paliis). Dort angekommen, beschliessen wir, die Alp Tschingla nochmals etwas zu unterstützen und werden dafür mit einem feinen Birnenweggen belohnt. Um die Tour noch etwas auslaufen zu lassen, steigen wir nicht mehr über den klettersteigähnlichen Weg zum Auto ab, sondern via Alp Schrina Obersäss.


Tour mit Otmar. Danke für deine Spontaneität, mich auf dieser Tour zu begleiten. Es war mir eine Freude, wieder einmal mit dir unterwegs sein zu dürfen. Die Verlängerung des Schnüerliwegs ist m. E. weniger im Alleingang zu empfehlen.


Fazit: Herrliche Rundtour entlang den Südwänden vom Hinderrrugg, Schibenstoll, Zuestoll und Brisi. Mit der Verlängerung des Schnüerliwegs beginnt tatsächlich ein neues Level des Schnüerliwegs: anspruchsvoller, schmaler, abschüssiger. Um diese Verlängerung zu geniessen, sollte man schwindelfrei sein und einen Helm, 50m-Seil, Abseilmaterial, 6-7 Expressschlingen, einige Bandschlingen und etwas Reepschnur mit sich führen. Punkto Bewertung entzieht sich diese Tour wohl den üblichen Kategorien. Technisch anspruchsvoll ist sie lediglich und zwei bis drei Stellen (und dies in Abhängigkeit davon, wie sehr man sich auf die angebrachten Fixseile verlassen will). Dafür muss an einer Stelle abgeseilt werden und nicht zuletzt bewegt man sich auf teils sehr schmalen Passagen in sehr abschüssigem Gelände. Aus diesem Grunde habe ich mich für eine T5-Tour entschieden und dafür die Kletterschwierigkeit bei III angesetzt, da sie kaum eine T5-Referenztour sein dürfte...
 


Hike partners: Mueri


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