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Vagabundieren zwischen Birs- und Birsigtal


Published by Lactuca sativa L. , 8 May 2015, 23h09.

Region: World » Switzerland » Basel Land
Date of the hike: 6 May 2015
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BL 
Route:15km
Access to start point:cff logo Bottmingen, Fiechthag BVB 47
Access to end point:cff logo Aesch, Dorf BLT 11
Maps:map.geo.admin.ch

Am Morgen regnet es noch, deshalb wird's heute nur eine Halbtages-Exkursion, welche am Schluss dann doch gut 8 Stunden dauern sollte ...

Voll ausgerüstet und aufmunitioniert mit Fernglas, schussbereiter Kamera, Dschungel-Shorts und Schlapphut steige ich in meinen tarngrasgrünen SÖV 47 (BVB-Linie 47), der mich in knapp 20 Minuten an den Ausgangspunkt meiner Pirsch bei der Haltestelle Fiechthag auf dem Bruderholz bringt.

Mit schlechtem Gewissen, ob all des Schadens den ich anrichte, vagabundiere ich über den in der Karte nicht eingezeichneten matschigen Waldweg. Doch schon bald kommt ein betonierter Feldweg und ich kann mich gewissen- aber nicht knie-schonender fortbewegen.

Mein erstes Ziel ist das Biotop bei Pt. 356. Schon von weitem hört man das Froschkonzert. Frösche sind eine dankbare Beute, da sie meist regungs- und wehrlos im Wasser liegen. Die Girlitze im Baum über mir sind schon schwieriger zu erkennen, trotz ihres an eine rostige Velokette erinnernden "Gesanges". Das obligate Stockentenpaar ist es mir heute aber nicht wert, meine wertvollen Pixels zu verschwenden.

Bei den Weihern beim Hagendörnli solle es Ringelnattern geben aber ausser einem Fischreiher (die heissen so, weil sie den Fischern ihre rechtmässige Beute rauben) hats nichts. Vielleicht wars ja ein Schlangenreiher?

Beim Bruderholzhof nistet ein Turmfalk im Dach. Leider kann ich nicht mehr rechtzeitig anlegen und abdrücken, bevor er im Loch in der Hauswand verschwindet. Dafür muss ein Feldspatz dranglauben, der sich ganz frech in einem Nistkasten eingerichtet hat. Geschieht ihm recht.

Der auf dem Dach des Frohloo-Reservoir angelegte Trockenstandort ist schon sehr überwuchert, sodass sich sämtliche Beute geschickt getarnt hat. Ob der nahe Hochsitz eine gültige Baubewilligung hat?

Ich folge der Hochspannungsleitung zum Fiechterainholz. Da geschieht es, ich werde von drei blutrünstigen Raubtieren angegriffen. Geschickt bohren sie ihre Klauen in meine nackten Beine. Doch dank jahrelangem waidmännischer Erfahrung kann ich sie, unter Einsatz meines Lebens, besiegen. Sprich, ich schnippe die stecknadelkopfgrossen Zecklein einfach mit dem Finger weg.

Nun beginnt es zu dröhnen, bei Pt. 337 überquere ich die unsägliche Lärmquelle und lasse mich einige hundert Meter weiter im stillen Rebgarten auf einem Bänkli mit Brunnen nieder. Hier hört man nur noch die Sumpfmeise zwitschern. Für den Gartenrotschwanz hängen zwar ein paar Häuschen herum. Ein Exemplar lässt sich aber nicht blicken.

Ein kurzes Stück durch den Wald und ich bin beim Erlenhof. Via Hinter Schlatt an zahlreichen Hecken vorbei steil hoch zur Waldhütte mit lindgrünem BLKB-"Bänggli" im Leuwald. Mittlerweile ist's halb sechs und Zeit für ein Pic-Nic-Päuseli. Eine fette Hornisse surrt um mich herum. Leider habe ich keinen Giftspray dabei, mit dem ich hysterisch herumfuchteln könnte, so lässt sie mich in Ruhe und ich sie. Am Gebälk des Hüttleins hat ihr kleiner Verwandter ein kunstvolles Papierhaus gebaut. Wie lange das wohl noch dort oben bleiben darf?

Während ich so vor mich hinsiniere, trifft ein Pärchen älteren Datums ein. Sie mit Kopftuch, er mit grossem aber leerem Einkaufswägelchen. Naja, jedem das seine. Erst als ich beim Gehen den grossen Haufen gespaltenen Brennholz' sehe, macht sich ein gewisser Verdacht breit. Aber jä nu, nicht jeder Schweizer kann Polizist sein.

Beim Schlatthof mit "tiergerechter" Schweinemästerei (ein Oxymoron, welches nur noch vom, vorallem kleinen Mädchen aufgeschwatzten, "tierliebenden Ponyreiten" übertroffen wird) treffe ich auf eine Gruppe Ornithologen. Beim Schwatz erfahre ich nicht nur, dass im Hof Schleiereulen nisten, auch haben sie auf ihrer Tour Schwarzkehlchen, Goldammer und anscheinend sogar ein Neuntöter-Weibchen gesehen.

Routiniert suche ich die weiten Felder ab. Da! auf den vertrockneten Disteln bewegt sich ein kleiner schwarzer Fleck. Klick-klick-klick-klick und er ist im Kasten der Herr Schwarzkehlchen. Das besser getarnte Weibchen hat mehr Glück und kann meiner Bilderflinte geschickt entkommen.

Beim Versickerungsweiher Tannmatt finde ich dann ein paar leichte Opfer. Ein, im Sonnenlicht schon fast goldener, Grünfink strahlt mit einer echten Goldammer um die Wette, während eine wohl suizidgefährdete Amsel nur wenige Meter von mir weg auf dem Weglein herumhüpft.

An Pt. 311 und Pt. 335 vorbei geht's an den Waldrand hoch. Schon von fern höre ich seltsames Holzgeklopfe, immer wieder unterbrochen von lauten kikiki-Rufen. Beim Näherkommen sehe ich dann einen Möchtegern-Kendo-Kämpfer der mit einem Stock auf einen Baum eindrischt. Dass er damit den nahen Schwarzspecht an den Rand der Verzweiflung bringt, kann er wohl nicht wahrnehmen, da die Ohren zeitgerecht mit Kopfhöhrern zugestöpselt sind.

Ein paar Schritte weiter erspäht mein geübter Blick im Waldesinnern eine Ansammlung schwer übersehbarer Fuchsbauten. Im Zeitlupentempo und komplett geräuschlos schleiche ich mich näher ran, denn da bewegt sich etwas. Erst nur ein dunkler Schatten, dann zwei, dann drei. Anscheinend stört es die drei jungen Rabauken gar nicht, dass nur ein paar Meter weiter unten ein Wanderweg vorbeiführt. Sie tollen herum, rennen einander nach, beschnuppern jedes Blatt. Aufgrund der fortgeschrittenen Dämmerung (es ist mittlerweile schon viertel vor acht) lässt die Leistung meiner Kamera merklich nach. Hätte ich doch nur eine richtige Flinte dabei, dann könnte ich die Dinger abknallen und sie zu hause bei gutem Licht fotografieren. So bleibts leider bei den Eindrücken und ein paar grobkörnigen Fotos.

Weiter gehts auf den Chlusberg zum Chlusboden, wo ich hoffe ein paar Rehe beim z'Nacht zu erwischen. Die Lichtverhältnisse sind mittlerweile so miserabel, dass ich meine Kamera einpacke. Zwei späte Jogger sind noch unterwegs, als im Wald über ihnen furchterregendes Gebrüll und Gebell erschallt. Sie bleiben wie angewurzelt stehen, gestikulieren wild umher. Den Gesprächsfetzen die zu mir herübertönen, muss da mindestens ein Wolf, wenn nicht gar ein Bär sein Unwesen treiben. ;-)))

Mittlerweile ist's Nacht geworden und ich lasse die aufgescheuchten Rehe im Unterholz herumbellen, zum Vorschein werden sie so schnell nicht mehr kommen. So kann ich mich auch auf den Rückweg nach Aesch machen, um dann zu hause meine Trophähen zu präparieren und an den ihnen gebührenden Platz zu hängen, nämlich auf hikr. Einziger Unterschied zum richtigen Jäger, die bluttriefenden Hände.

NB:

Vagabund: von Spätlat. vagabundus, vermutlich aus Indo-europ. "vago" gehen, wandern und der endung "-bundus" gehen-d, wandern-d

Somit können wir stolz sein, Vagbunden - Wandernde zu sein.

Bei den Fotos hat's noch ein paar Trophähen von früheren Pirschgängen, zu denen ich keine eigenen Berichte erstellt habe.



Hike partners: Lactuca sativa L.


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Comments (6)


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burrito says:
Sent 9 May 2015, 07h21
Hahaha echt amüsant dieser bericht einfach köstlich

Sent 9 May 2015, 14h26
Als ich das letzte Mal auf dem Froloo-Reservior war präsentierte sich der Trockenstandort noch ziemlich neu gestaltet.

Henrik says: Well done!
Sent 9 May 2015, 15h23
Was weiss ich hier noch nicht: SÖV 47?

Danke und Gruss

silberquäki

Lactuca sativa L. says: RE:Well done!
Sent 9 May 2015, 15h35
- städtischer öffentlicher verkehr
- solange ös vahrt
- ...

fuemm63 says: Wunderbare...
Sent 10 May 2015, 16h24
Vaganten-Prosa, ein Genuss.
Herzlichen Dank.
Und mehr davon :-)

Sputnik Pro says:
Sent 10 May 2015, 20h53
Hallo Dani,

Super, ein echt lesenswerter Bericht mit tollen Fotos.

Gruss, Bergvagabund Andi


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