im Spätsommer etwas anspruchsvoller - das Daubenhorn
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Für meine Rekognoszierungstour, für welche ich vor geraumer Zeit „blindlings“ eine GA-Tageskarte erworben hatte, hatte ich recht viel Wetterglück: bis zur Gipfelbesteigung vorzügliches Wetter, während der Gipfelrast zog vom Wildstrubel her schnell die prognostizierte Schlechtwetterfront heran – bereits im Abstieg tröpfelte es zeitweise leicht. Die letzten Meter zum Gemmipass regnete es – und bei der Abfahrt der LSB fielen sogar Hagelkörner – in Leukerbad unten schien für eine kurze Zeit noch einmal die Sonne, bevor es wieder leicht zu regnen begann.
Der Sinn der Rekognoszierung hat sich erfüllt: ich weiss nun, dass ich bei völlig ausgeapertem Daubenhorngletscher nicht mit meinen drei Töchtern aufs Daubenhorn gehe.
Da der Bus in Leukerbad eine gute Minute zu früh ankam, schaffte ich es knapp auf die Gemmibahn (nach Fahrplan 7 min Zeit – diese reicht eigentlich kaum …), da die neue Bahn noch elektronische Umstellungsschwierigkeiten hatte, wartete ich dennoch ¼ h in der Gondel.
Doch dann ging’s auf dem Gemmipass los in zügigem Tempo, da ich ob der Meteos nicht ganz sicher war, wann dann die Schlechtwetterfront anrücken würde …
Erst kurz hinab zum Jägerboden, durch den Bunkertunnel und anschliessend in die Weite und Länge des Lämmerenbodens; ein interessantes und faszinierendes Werk, welches der Abfluss des Wildstrubelgletschers, die Lämmerendalu, hier, mäandrierend, bietet.
Auf dem vielfach sandig, feinschuttigen Untergrund gelange ich zur sehr gut signalisierten Abzweigung zum Daubenhorn; nach wenigen Metern beginnt der nun durchwegs gute, eine angenehme Steigung aufweisender, Pfad.
Nachdem ich beim Durchschreiten des Lämmerenbodens stets das Wildstrubelmassiv und das Steghorn vor Augen hatte, rückt nun erst einmal das Schwarzhorn ins Blickfeld - reizen tut mich dieses schon, wenn ich da nur wüsste, ob ich die luftige Bretterpassage meistere …
Gut markiert und angenehm gelange ich recht zügig aufwärts, stets gespannt, ob ich die mitgetragenen Steigeisen und Pickel benötigen werde. Auf dem Sattel vor dem Daubenhorngletscher angelangt, weisen mich auffällig grosse Markierungen direkt zu diesem – doch er ist derart blank, dass ich dankbar bin, die Varianten-Markierungen über die Felshöcker bei P. 2760 zu erblicken.
Frohgemut folge ich, nach einigen Metern zurück über schönes Felsgelände, ihnen in etwa in dieser Richtung weglos über felsiges Gelände, bereits hier darf bis zum abfliessenden Gletscherbach wahllos etwas gekraxelt werden. Ein passender Übergang ist schnell gefunden, ein, zwei Schneefelder in Felsmulden konzentriert (am Rande) überquert – danach wähle ich eine, wie sich herausstellen wird, doch anspruchsvollere Aufstiegsvariante:
Nach einer wunderschönen, gerade richtig steilen Plattenflucht, folgt ein längerer rutschiger Schutthang; diesen mag ich nicht zu Ende gehen und wähle so den Kraxelaufstieg über festeres Gestein. Doch nach einem weiteren Aufstieg nach links (nordöstlich) gelange ich an ein Felsband; dort suche ich mir eine möglichst gut gestufte Aufstiegsmöglichkeit – ohne zu wissen, wie es nach diesen ersten Metern ausschaut … Die abwechslungsweise etwas abschüssige, dann schuttige, damit rutschige und beide Hände erforderliche Traverse durch die Bänder fordert mich schon etwas … So bin ich denn froh, als ich in einiger Distanz die sehr steile Wegspur zum Gipfel erkenne und sie, nun wieder im flacheren Geröll und Fels, erreiche. Zeitweise ist der Schlusshang wohl gegen 45° steil – der feinsplittrige Schutt hält gerade noch, dann ist jedoch, noch bei schönstem Wetter, das kleine Gipfelplateau des Daubenhorns erreicht – welche Aussicht und welche atemberaubende Tiefsicht auf Leukerbad bietet es!
Ich geniesse die Sicht auf bekannte, ins Auge gefasste und mir unerreichbare Berge enorm – nicht allzu lange, sendet doch das sehr schnell aufziehende graue Wolkenband hinter dem Wildstrubel deutliche Zeichen für einen baldigen Abstieg. Dieser dauert weniger lange als befürchtet (hatte ich mich doch mental bereits auf das Anschnallen der Steigeisen vorbereitet): bis zum metallenen Wegweiser folge ich der Spur, welche mich danach direkt zum blanken Gletscher weiterleitet. Dort versuche ich meist seitlich des Gletschers, welcher an dessen Rand Einblick gewährt in darunter strömende Bäche (es rauscht lautstark), über Platten, Geschiebe und Bänder abwärts zu gelangen – im oberen Teil ist der Gletscher sogar recht gut zu begehen; weniger abfallend und mit darauf festgefrorenen Kieseln gut machbar. Nicht immer einfach, doch relativ zügig erreiche ich so die Plattenflucht des Aufstieges; diese hinter mir lassend darf ich mir einen neuen Übergang über den Gletscherbach suchen – dieser ist bereits so stark angeschwollen, dass meine vormittägliche Querung nicht mehr möglich ist. So halte ich es wie bidi35: ein Spagat etwas weiter unten bringt mich wieder ans andere Felsufer und zum Gegenaufstieg (der Wegvariante) und zum Weg zurück kurz vor dem besagten Sattel.
Der Abstieg verläuft noch um einiges schneller als der Aufstieg; die dunklen Wolken kommen schnell näher und bald einmal beginnt es zu tropfen. Unten in der Schwemmebene angelangt, sehe ich, dass ums Rinderhorn doch bereits intensiver Regen fällt – und der Wasserfall in der Steilstufe unterhalb des Daubenhorngletschers mächtig angeschwollen ist und sich dadurch sehr fotogen zeigt. Den Lämmeren- und Jägerboden lege ich sehr zügig zurück; es reicht nicht ganz: für den Aufstieg zum Gemmipass muss ich den Knirps aufspannen. Im leichten Hagel fahre ich mit der LSB nach Leukerbad hinunter, wo ich mir unter den Sonnen- und Regenschirmen ein grosses Bier gönne – LSB und Bus sind sehr schlecht aufeinander abgestimmt …
Ereignis- und erlebnisreich, diese Tour aufs Daubenhorn, wenngleich mit (beinahe erwarteten) Überraschungen!

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