Pic de Vignemale 3293m (abgebrochen), Gavarnie - Cauterets


Publiziert von pizflora , 22. Juli 2012 um 12:16.

Region: Welt » Frankreich » Pyrénées
Tour Datum: 7 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: E   F 
Zeitbedarf: 7:00
Zufahrt zum Ausgangspunkt:siehe text
Unterkunftmöglichkeiten:siehe text

Bei bestem Wetter und bester Wettervorhersage für den nächsten Tag starten wir von der Barrage d'Ossoue zur Refuge de Baysselance, um am nächsten Tag den Vignemale zu besteigen und dort einen Pflanzenliste der auf dem Gipfel wachsenden Arten zu erstellen (zum Vergleich mit solchen Artenlisten, die vor mehr als 100 Jahren in der Region aufgenommen wurden - siehe frühere Berichte von mir zu diesem Projekt). Leider war die Wettervorhersage total falsch, und wie die meisten der vielen Vignemale Aspiranten dieses Tages scheiterten auch wir. Aber nicht ohne es probiert zu haben...

Der einfachste und schnellste Zustieg zum Vignemale geht über Gavarnie und den Barrage d'Ossoue, ein Stausee, der über eine zuerst geteerte, dann ungeteerte und etwas holprige, aber auch mit einem Mietwagen manövrierbare Strasse erreicht werden kann. Von da könnte man den Berg auch in einer langen Tagestour machen (wohl ca. 6h Aufstieg), das liegt aber nicht drin, wenn man auch noch an einer Pflanzenliste arbeiten will... Wir steigen also am Nachmittag in etwa 3 bis 3.5h zum Refuge de Baysselance auf. Da es für unsere beabsichtigte zweite Übernachtung keinen Platz in der Hütte hat, reservieren wir nur das Essen, nehmen aber Campingzeug mit und campieren im Umkreis der Hütte auf einem der vielen kleinen Bivack-Plätze, die mit kleinen Steinmauern notdürftig windgeschützt sind. Für grössere Tunnelzelte wie unseres muss man etwas suchen, bis man einen gross genugen Platz findet. Dies haben wir leider nicht ausgiebig getan, was sträflich war, denn in der Nacht nahm der Wind stark zu und unser schlecht abgespanntes Zelt machte einen Höllenlärm, sodass wir kaum ein Auge zutun konnten.

Am Morgen dann das böse Aufwachen: whiteout statt (wie angesagt) grand bleu, und der Wind so stark wie in der Nacht. Wir zögern unseren Abmarsch heraus, probieren es aber dann doch. Man steigt von der Hütte wieder bis zur Moräne des Gletschers ab und erreicht auf einem mit Steinmännchen markierten Weglein die Gletscherzunge. Zwischenzeitlich sind wir unter der Nebeldecke, doch schon kommen uns die ersten Unglücklichen entgegen, die schon an der Zunge oder kurz danach aufgegeben haben wegen null Sicht. Wir hoffen, dass das Wetter vielleicht später noch etwas aufklart, und entschliessen uns, die ganze Sache für etwas Gletscherübung zu nutzen, auch falls wir nicht auf den Gipfel gelangen sollten. Also Steigeisen, Pickel, Gstältli und Seil montiert, und los gehts in den Nebel. Wir scheinen die einzigen, die angeseilt und gescheit ausgerüstet unterwegs sind, obwohl wir schon ab und zu Anzeichen von kleinen Spalten sehen. Aber zugegebenermassen sehen wir im Nebel auch nicht viel von anderen Teams - was uns darin bestärkt, dass unsere Vorsichtsmassnahmen nicht übertrieben sind.

Wir steigen über den Gletscher auf, weiter als wir gedacht hätten zu kommen, zuerst relativ steil, dann etwas flacher werdend. Vor dem Erreichen des Gletscherplateaus, auf ca. 3100m, nimmt der Wind wieder stark zu, und ein erfolgreicher Gipfelstürmer erzählt uns von extrem starkem Wind auf dem Grat zum Gipfel. Zwar sei der Grat nicht extrem ausgesetzt, aber uns ist nun klar, dass wir unter diesen Bedingungen zwar vielleicht den Gipfel erreichen, aber nicht auch noch unsere Pflanzenliste erstellen könnten, und drehen deshalb um. Wir haben schliesslich noch einige Tage Forschungsexkursion vor uns und wollen uns nicht schon beim ersten Gipfel total verausgaben. Das Wetter klart abends sogar noch auf, und wir nutzen die Zeit, um unsere Pyrenäenpflanzenkenntnisse zu trainieren am nahen Pass Hourquette d'Ossoue, von dem es ebenfalls historische Pflanzenlisten gibt.

Die Hütte ist am Abend knallvoll, und da wir in der ersten schicht essen, sind wir schon um 20h wieder draussen. Wir platzieren unser Zelt an einem grösseren und schön flachen Bivak-Platz und sind früh in den Schlafsäcken. Um ca. Mitternacht geht ein Höllengewitter mit Starkregen und Hagel los, und wir wissen bald auch, weshalb der Platz so flach ist - weil es sozusagen die Schwemmebene des darüberliegenden Hanges ist. Dank unseres heissgeliebten Hilleberg Nallo 3 bleiben wir einigermassen trocken, auch wenn wir wohl zwischenzeitlich einige cm tief im Wasser standen. Unseren zwei Botanikerfreunden geht es ähnlich, allerdings ohne guten Zeltboden... entsprechend wird es wieder eine ziemlich schlaflose Nacht für alle.

Am nächsten Morgen klart es auf,  bei immer noch sehr starkem Wind, aber wir beschliessen, die Flora des Vignemale unerforscht zu lassen und uns auf zwei Pässe mit ebenfalls botanischen Daten zu konzentrieren, den Col d'Estom Soubiran und die Hourquette d'Ossoue. Da sich bei mir erste Anzeichen von Schnupfen breitmachen, beschliesse ich, meinen Tag abzukürzen, indem ich die Hourquette fertig bearbeite und dann über das Vallée de Gaube nach Cauterets, unserem nächsten Ziel, absteige. Die drei Männer übernehmen den anderen Pass, holen das Auto und fahren danach von Gavarnie nach Cauterets, wo ich unterdessen die Unterkunft organisieren konnte.

Die Wanderung nach Cauterets geht entlang des GR10 und braucht hier nicht weiter beschrieben zu werden. Natürlich war der Vignemale ab ca. 10h total wolkenfrei und es erreichten wohl ca. 100 Leute den Gipfel... Und auf meinem Weg waren es gefühlte 1000 Leute. Vom Lac de Gaube nahm ich den Sessellift ins Tal, hinunter in die Nebelsuppe, und ging dann zu Fuss weiter bis Pont d'Espagne (Kabinenbahn nehmen lohnt sich nicht!) und stöppelte von da nach Cauterets.

Zusatzinfos:
Aufstieg von Barrage d'Ossoue in die Hütte sehr effizient und schön, vorbei an den Grottes de Bellevue, wo der englische exzentriker Henry Russel (zusammen mit unserem historischen Botaniker Vallot Gründer des Refuge de Baysselance) sich "Unterkünfte" hat in den Fels hauen lassen. Solche Höhlen gibt es auch oberhalb des Gletschers auf dem Weg zum Gipfel des Vignemales, und unten in Gavarnie, wo er wohl dauerhaft darin gewohnt hat.

Im Refuge kann man Steigeisen und Pickel (guter Qualität) mieten für 8 Euro das Set. Es ist durchaus üblich und erlaubt/erwünscht, dass man als "Campeur" dort zu Abend isst und die Toiletten benutzt. Da man sich im Nationalpark befindet, ist Campen nur von 19h bis 9h erlaubt, das Zelt muss also tagsüber abgebaut werden. Wir haben es, wie andere auch, "entgespannt", samt Inhalt flach gelegt und mit Steinen beschwert. Eine zusätzliche Regel im Park ist, dass man beim Campen 1h Fussmarsch von Strassen und Siedlungen weg sein muss. Einen guten Bivakplatz gibt es übrigens auch beim Barrage d'Ossoue.

In Cauterets wohnten wir 2 Tage im Hotel Asterides-Sacca (55Euro/Zimmer*Nacht, excl Zmorge), was ok war (ruhig, Balkon zum Trocknen der Sachen), aber nicht mindblowing. Viel lieber wäre ich hier hingegangen (leider wurde mein Anruf zu spät beantwortet). Sehr empfehlenswert ist die Bäckerei mit Salon de Thé in einer Parallelstrasse zum Fluss, wo der Bäcker Federer- und Schweiz-Fan ist und mich gleich über den Wimbledon Erfolg von King Roger aufklärte.

Tourengänger: pizflora


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