Von München auf den Ortler(3905m) und zurück-an einem Tag


Published by trainman , 6 August 2010, 20h26.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike:21 September 1986
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Time: 10:00
Height gain: 2070 m 6790 ft.
Height loss: 2070 m 6790 ft.
Route:Sulden-Payerhütte-Ortler-Sulden
Access to start point:PKW nach Sulden
Access to end point:siehe oben
Accommodation:Hotels in Sulden,Tabaretta Hütte,Payer Hütte
Maps:Kompass Karte 72 Ortler

Über den Sinn(oder Unsinn) einer Tagestour von München zum Ortler und zurück lässt sich durchaus streiten.
Eine Autofahrt über mehr als 600km in einem damals alten,stinkenden Golf GTI ohne Katalysator ist bestimmt nicht die einem "trainman" angemessene Reise zu einem Berg.
Nachdem mein Spezi Wolfgang,der in seinem Umfeld "Direktor" genannt wurde(beruflich war er ein solcher)
unermüdlich Überzeugungsarbeit geleistet hatte,ließ ich mich zu dieser Gewaltaktion überreden(als Beifahrer natürlich,ich lebe aus Überzeugung ohne Führerschein).So fuhren wir um 3Uhr früh in München los.Nach einer furchtbar langen Fahrt über Garmisch,Fernpass,Landeck,Reschenpass kamen wir kurz nach 8Uhr in Sulden an.Beim Verlassen des Autos musste ich feststellen,dass die Temperatur deutlich unter Null lag,für mich gar nicht lustig.Mit flottem Schritt ging es aufwärts über die Tabarettahütte zur Payerhütte,erstaunlicherweise stieg die Temperatur mit zunehmender Höhe.An der Payerhütte musste Wolfgang eine halbe Stunde Pause machen,die lange Anfahrt und der schnelle Aufstieg mit relativ schweren Gepäck forderten ihren Tribut.Dann aber war der Direktor wieder fit und stürmte los in Richtung des weissen Riesen.Auf ca.3200m versteckte er das mitgebrachte Seil,weil ein entgegenkommender Bergsteiger uns von guten Verhältnissen am Berg berichtete.(Nachdem wir zwei Chaoten nicht einmal einen Klettergurt dabei hatten,wäre das Seil auch wenig hilfreich gewesen..)Weiter ging es zum berüchtigten Tschierfeck-Wandl,eine sehr steile Passage,die mit guten Ketten versichert ist.Wolfgang demonstrierte seine Kletterkünste,indem er einen Grossteil dieses Geländes ohne Kettenhilfe bewältigte(III),aus meiner Sicht war das Leichtsinn.Anschliessend war noch etwas Hangeln an Platten notwendig,dann begann der Firnaufstieg über den Gletscher mit Steigeisen.Als Hochtourenneuling hatte ich natürlich an sehr steilen Passagen Probleme,es ging aber besser als erwartet.Die stets vorhandene gute Spur erleichterte den Aufstieg,sodass wir kurz nach 14.00Uhr den Gipfel erreichten.Bei bestem Wetter,Windstille und unglaublichen ca.14°C  hatten wir eine grossartige Rundsicht.Der Abschied von Gipfel fiel schwer,aber angesichts der schon kurzen Tage Ende September war Eile geboten.Kurz vor dem Ende des Gletschers dann die Beinahe-Katastrophe.
Wolfgang brach mit einem Fuss durch die Firnauflage in eine tiefe Spalte,nur ein gewaltiger Spreizschritt(den ich ihm nicht zugetraut hätte)rettete ihn vor dem Sturz in die grausige Finsternis.Dabei wurde seine Hose mitten durchgerissen...Nach diesem Schock schlichen wir mit unguten Gefühlen talwärts.Auf 3100m erlitt dann der an sich sehr konditionsstarke Wolfgang eine leichte Schwäche,sodass ich das sinnlos hochgeschleppte Seil tragen musste.
Wegen des reduzierten Gehtempos kamen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit zum Parkplatz.Die Rückfahrt nach München zog sich ewig hin,später dann auch noch Nebel auf der Garmischer Autobahn,erst nach 2Uhr war diese verrückte Tour zuende.

Hike partners: trainman


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Comments (7)


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marmotta says: (Un-)Sinn des Lebens
Sent 6 August 2010, 21h45
Was soll man dazu sagen? Grundsätzlich darf in unserer liberalen Gesellschaft natürlich jeder selbst entscheiden, wie er mit den Ressourcen unserer Erde umgeht. Ich will auch weder den Moralapostel spielen, noch behaupten, noch nie irgendeinen Blödsinn gemacht zu haben.

Doch wäre Dein "Direktor" nicht der Erste gewesen, der nach einer derartigen Gewalttour während der stundenlangen Heimfahrt in einen Sekundenschlaf fällt und einen schweren Unfall verursacht, der möglicherweise auch Unschuldigen das Leben kostet. Ganz zu schweigen vom unangeseilten Marsch über einen Gletscher mit grossen und tiefen Spalten Ende September...(neben den Hinterbliebenen wären da auch die Retter -oder Berger- die Leidtragenden gewesen).

Nix für ungut - ist ja zum Glück alles gut gegangen und die Geschichte lange her. Ich hoffe, Du nimmst mir die kritische Anmerkung nicht übel!

Ach ja, und Gratulation zum Gipfelerfolg!

G.
marmotta

trainman says: RE:(Un-)Sinn des Lebens
Sent 7 August 2010, 01h45
Hi,marmotta
Deine Kritik ist absolut berechtigt,in erschöpftem Zustand Autofahren ist alles andere als vernünftig.Nicht umsonst fahre ich grundsätzlich Eisenbahn.Warum ich mich damals überreden ließ ist nicht ganz klar,es war wohl der Reiz des Neuen.
Es war meine zweite Hochtour und der Fastviertausender Ortler war schon ein interessantes Ziel.Nachdem der Direktor vorher schon mehrmals oben war schien er ein erfahrener
Begleiter zu sein.(Einen Alleingang hätte ich in solchem Gelände nicht versucht)
Mit Gletschern habe ich schon mehrfach schlechte
Erfahrungen gemacht,glücklicherweise ohne Schaden zu erleiden.Als Konsequenz habe ich sie weitgehend aus meinem Programm genommen,außer in ganz aperen Zustand.
Grüsse trainman

Tef Pro says: ihr seids scho Hund...
Sent 8 August 2010, 20h15
...coole Sache, schön zu lesen,
das gehört ja fast ins Alpinlehrbuch ;-)

beste Grüße
Tef

Gemse says: RE:ihr seids scho Hund...
Sent 29 October 2010, 22h54
Hallo,

... auf die Seite wie man es nicht machen sollte.

Gruß
Karl

Gemse says: Ohne Seil am Gletscher
Sent 29 October 2010, 22h53
Hallo,
Du sagst, ohne Klettersteigset oder ähnliche Hilfsmittel kann man nicht am Seil gehen. Ich habe grundsätzlich zum Seil auch noch Reepschnüre dabei. So kann ich mich immer ins Seil einknüpfen. Für einen Spaltensturz ist es zwar ein Risiko, aber ein totaler Sturz wird vermieden. Schau bitte meine Hochtouren an, speziell auf die Hochvernagtspitze, da siehst Du die alte Einseiltechnik.
Bitte beachte auch, dass die Pioniere des Alpinismus sich auch nur direkt ins Seil eingeknotet haben.
Im übrigen bin bei meiner Tour auf's Zuckerhütl auch mit einem alten Hanfseil des Hüttenwirts aufgestiegen, da ich mein Seil im Tal auf meinem Auto liegengelassen habe. Es war zwar äußerst komisch, aber es ging. Sogar einen Spaltensturz hat mein Seilpartner überstanden (allerdings mit Schürfwunden im Hüft- u, Brustbereich). Mit Seil ist er 2m in die Spalte gerutscht, ohne Seil wäre es etwa 15m runtergegangen.

Gruß
Karl

Gemse says: RE:Ohne Seil am Gletscher
Sent 29 October 2010, 22h55
Hallo,

Hoffentlich bist Du mir nicht böse

Gruß
Karl

trainman says: RE:Ohne Seil am Gletscher
Sent 30 October 2010, 01h52
Hallo Gemse
Natürlich bin ich nicht böse,der"alpine Unfug" aus meiner Anfängerzeit hätte auch übel ausgehen können.Ungesicherte Gletscherbegehungen sind immer bedenkliche Unternehmungen,außer der Gletscher ist aper.In den letzten Jahren sind solche Touren bei mir selten geworden,das Gehen mit Steigeisen am Seil ist sehr mühsam und erlaubt meinen gewohnten schnellen Schritt nicht.Das hat dann oft eine Hüttenübernachtung im Massenlager zur Folge,was ich nicht so gerne mag.
Aber es gibt ja genügend eisfreie Berge.
Beste Grüsse trainman


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