Lauterbrunner Breithorn 3780 m


Publiziert von Cubemaster , 29. Februar 2024 um 22:37.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 9 Juli 2023
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m

Das Lauterbrunner Breithorn stand schon jahrelang auf meiner Wunschliste, aber ich hatte auch ordentlichen Respekt vor dieser anspruchsvollen und langen Tour. Nachdem wir uns im Vorjahr noch für das einfachere Blüemlisalphorn entschieden hatten, wollten wir das Projekt dieses Jahr endlich angehen. Wettervorhersage und Bedingungen waren gut. Meine anfänglichen Bedenken, ob vielleicht noch zuviel Schnee am Grat liegen könnte, waren schnell zerstreut.

1. Tag: Zustieg ins Inners Tal
Wie üblich holte ich Raphael zuhause ab und wir fuhren zusammen ins Lötschental. Vom Parkplatz an der Fafleralp ging es dann mit schwerem Zeltgepäck los. (Die Mutthornhütte hatte geschlossen und wäre ja sowieso ein großer Umweg.) Wir hatten uns für den Weg durch das Inners Tal entschieden, alternativ könnte man genauso gut über das Uisters Tal aufsteigen. Bis zum Kreuz bei P. 2219 folgten wir dem Wanderweg, danach ging es rechts über mehr oder weniger gut sichtbare Schafspuren ins Tal hinein.

Auf etwa 2420m gibt es hinten im Tal (kurz vor dem Schriftzug "Nasse Schluichen" auf der Karte) einen super Zeltplatz auf einem perfekt ebenen Wiesenplateau mit toller Sicht zum Breithorn. (Schafscheiße darf einen allerdings nicht zu sehr stören...) Nach einem gemütlichen Abendessen ging es früh ins Bett, denn der nächste Tag würde lang werden.

2. Tag: Gipfel und Abstieg
Bereits um 2:30 klingelte der Wecker und wir kämpften uns für einen frühen Start aus den warmen Schlafsäcken. Zuerst in westlicher Richtung den Schuttrücken hinauf, dann ein Plateau überqueren und in nördlicher Richtung über (im Dunkeln recht unübersichtliche) Felsen zum Gletscher hinauf. Dieser war unerwartet weich und wir kamen nicht so schnell vorwärts, wie wir gehofft hatten.

Der große Felsriegel zwischen P.2990 und P.3105 muss noch westlich umlaufen werden, dann am Fuß des Tschingelhorns vorbei, etwa 50m absteigen um einen Felssporn unten zu umlaufen und über den flachen Gletscher zur Wetterlücke. Dort erwartete uns ein wundervoller Sonnenaufgang, die Sonne stand direkt neben der Jungfrau. Gegen 6:30 stiegen wir dann in den langen Westgrat des Lauterbrunner Breithorns ein.

Nach einer halbwegs anspruchsvollen Passage direkt am Anfang geht es erstmal relativ einfach hinauf bis zur ersten Schlüsselstelle, dem roten Turm. Diese schmale und ausgesetzte Gratstelle (III) ist mit einigen Bohrhaken gut abzusichern und wir gingen hier am laufenden Seil. Danach wieder leichter hinauf bis zur Markierungsstange bei P.3418. Diesen umliefen wir rechts über Geröll und kraxelten dahinter leicht in die kleine Scharte hinauf.

Bald erreichten wir daraufhin eine kleine Rinne, die man queren muss. Normalerweise wohl kein wesentliches Problem, zwang uns das Eis am Rinnengrund nach rechts zu einem ausgesetzten Eck hinaus. Gut griffig kletterbar, aber schlecht abzusichern meisterten wir diese Passage vorsichtig. Kurz darauf erwartete uns die zweite Schlüsselstelle, der erste Absatz im Grat. Eine rinnen- bzw. kaminartige Struktur durchzieht die Steilstufe nach rechts oben. Ein völlig senkrechter und glatter, etwa 2 Meter hoher Block muss dabei erstiegen werden. Die dort angebrachte Schlinge empfand ich mal wieder als eher hinderlich und kletterte frei hinauf (III+).

Die nächste Passage war teilweise schneebedeckt, noch recht hart gefroren im Schatten am frühen Morgen. Die kurzen Stellen überbrückten wir nur mit den Pickeln, einmal kamen aber auch die Steigeisen aus Sicherheitsgründen kurz zum Einsatz. Die dritte Schlüsselstelle, der zweite Absatz im Grat, war glücklicherweise wieder schneefrei. Hier wird über ziemlich abschüssiges, mit genug Vorsicht aber gut machbares Gelände (keine Sicherungsmöglichkeit) nach rechts gequert bis zu einem instabilen Kamin, der mit einem dünnen Stahlseil entschärft wurde.

Wir kletterten wieder frei und nutzten nur die Verankerungen des Stahlseils zum Sichern, eine Stelle zwingt einen, sich etwas nach hinten zu lehnen (III+). Das Stahlseil führt noch über ein paar unangenehme Platten hinauf zu einem Band, welchem man wieder nach links bis zum Grat folgt. Hier hat es Sicherungsstangen, die man bei trockenen Bedingungen aber nicht unbedingt benötigt. Das "Gipfelfirnfeld" wird nur noch kurz betreten, schon bald muss man wieder dem teils schmalen Felsgrat folgen. Dieser war noch teilweise überfirnt und so ging es mit Steigeisen und Pickeln über kombiniertes Gelände hinauf.

Um 10:30 erreichten wir den höchsten Punkt, der durch kein Kreuz oder sonstiges Zeichen markiert ist. (Toll: richtiges Erstbesteiger-Feeling!) Ich sog den kurzen, unbeschreiblich schönen Moment am Gipfel regelrecht auf und bei einem Blick hinüber zu Eiger, Mönch und Jungfrau hatte ich auch auf diese große Tour richtig Bock! Aber zuerst einmal mussten wir nun heil von diesem schwierigen Berg wieder hinunter kommen. Eine nachfolgende Seilschaft sahen wir auf einmal nicht mehr, wir stellten dann fest, dass sie am Beginn des Gipfelfirnfeldes umgedreht waren.

In dem Kamin kletterten wir das Stahlseil hinunter, um etwas Zeit zu sparen. Raphael löste dabei am oberen Ende einen größeren Stein aus, der am unteren Ende nicht weit von mir vorbeiflog. Dadurch bereits etwas angespannt, beobachtete ich eine absteigende Zweier-Seilschaft über uns, die mit irrer Geschwindigkeit auf dem Band unterwegs war und dabei etwas Kleinschutt löste. Als sie dann wenige Augenblicke später am oberen Ende des Kamins ankamen, baten wir sie, wegen der Steinschlaggefahr kurz zu warten. Raphael fand hinterher heraus, dass sie eine Speed-Begehung von der Hollandiahütte aus über 3 Gipfel gemacht haben. Wir haben ihnen wohl 2 oder 3 Minuten auf die Bestzeit gekostet, daher umso mehr vielen Dank fürs Warten! Hätten wir das rechtzeitig gecheckt, hätten wir die beiden natürlich noch vor dem Kamin durchgelassen.

Die zweite Schlüsselstelle seilten wir ab, während einem bei der ersten wenig übrig bleibt, als sie in die andere Richtung nochmal zu klettern. Nach fast 8 Stunden Kletterei (inklusive Pausen) standen wir dann gegen 14:30 wieder auf dem Gletscher. Nun wartete noch ein langer Abstieg zum Zeltplatz, wo wir nach einer kurzen Pause alles zusammenpackten (mit so wenig Schafscheiße wie möglich) und Richtung Fafleralp hinuntermarschierten. Um 18:30 erreichten wir schließlich enorm kaputt, aber sehr zufrieden den Parkplatz.

Tourengänger: Cubemaster, Raphy


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