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Liaisons contagieuses...du Combin de Corbassière au Petit Combin


Published by lorenzo , 10 May 2020, 21h57.

Region: World » Switzerland » Valais » Unterwallis
Date of the hike:10 April 2020
Hiking grading: T1 - Valley hike
Mountaineering grading: F
Ski grading: D+
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 9:30
Height gain: 2395 m 7856 ft.
Height loss: 2395 m 7856 ft.
Access to start point:Parkplatz Notre-Dame de Lorette oder cff logo Bourg-St-Pierre, Commune (5-10min länger)
Maps:LK 1345 Orsières, 1346 Chanrion; www.camptocamp.org

Nachdem ich den Combin de Corbassière schon von verschiedenen Seiten, nämlich vom Petit und Grand Combin, den Maisons Blanches und zuletzt vom Tournelon Blanc bewundert hatte, und mir vor Jahren meine Kollegin von einer gelungenen Sommerbesteigung über den S-Grat von der Cabane FXB Panossière aus erzählt hatte, wollte ich diese formschöne Pyramide auch einmal besteigen. Bei meiner Tour zum Tournelon Blanc hatten die Verhältnisse auch dort gegenüber gut ausgesehen, und bei trotz Coronakrise anhaltend schönem Wetter und günstiger Lawinensituation boten sich schon eine Woche später die Ostertage für einen Versuch an. Ich studierte verschiedene Zustiegsmöglichkeiten auf www.camptocamp.org und entschied für die einfachste von Bourg-St-Pierre aus über die W-Seite. Aber wie es so ist, ergab ein Ziel bereits das nächste...: bis zum benachbarten Petit Combin schien es nur ein Katzensprung zu sein, und mit einer direkten Abfahrt nach Westen ergab sich eine verführerische Alternative zum Auf und Ab des Zustiegs. Ich kramte alte Ausdrucke vom Glacier Pendant hervor und studierte die verschiedenen Einfahrtsmöglichkeiten. Falls ein Augenschein vor Ort ungünstige Verhältnisse zeigen würde, könnte ich immer noch zur Aufstiegsroute zurückkehren und über diese abfahren. Sollte die Abfahrt aber gelingen, würde sich damit eine einzigartige und faszinierende Runde ergeben.

Am Karfreitag war es dann so weit, und nach zwei Stunden Fahrt auf praktisch leerer Autobahn und Strasse erreichte ich um sechs Uhr Bourg-St-Pierre, wo ich in der Dunkelheit zuerst einmal den Ausgangspunkt Notre-Dame de Lorette suchen musste. Als ich endlich auf dem richtigen Weg war, erfolgte schon die nächste Überraschung: anders als vor einer Woche in Fionnay auf ca. 1500m, wo bis unten noch mindestens ein halber Meter Schnee gelegen war, waren hier die Hänge aller Expositionen bis 2000m hinauf aper. Ich nahm es sportlich und buckelte die Ski bis nach Creux du Ma hinauf, wo dann genügend Schnee lag. Dieser war zwar hart gefroren, aber mit Harscheisen ging der Aufstieg auf dem Weg bis zur noch abgebauten Brücke, wo bereits das Couloir des Glacier Pendant ins Blickfeld kam und gute Verhältnisse versprach, und weiter der Moräne entlang problemlos. Der Sonnenaufgang an dem sich immer weiter entfaltenden Massif du Mont Blanc im Rücken tat ein Übriges...Unterhalb und auf der Zunge des Glacier de Boveire machte mir dann ein eisig kalter Talwind zu schaffen, so dass ich unter Le Mérignier froh war um die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und das Abflauen des Windes. Auf guten Spuren erreichte ich den Col de Panossière, wo ich erstmals eines meiner Tagesziele, den Combin de Corbassière erblickte, und, aus einer neuen Perspektive, einmal mehr vom Ausblick auf die Gipfel rund um den Glacier de Panossière überwältigt war. Grösstenteils auf guten Spuren gelangte ich auf den Combin de Corbassière und genoss hier das Panorama auf die Gipfel des Chablais, der Haut Savoie, das Massif du Mont Blanc, den Grand Combin und die westliche Couronne Impériale. Nebenbei warf ich einen sehnsüchtigen Blick über die E-Flanke hinunter, die exzellente Verhältnisse aufzuweisen schien, aber eben: "Honi soit, qui bien y pense" und das Auto in Bourg-St-Pierre parkiert hat...Nun, die Abfahrt über die griffige und zuunterst sogar angesulzte W-Flanke war auch nicht zu verachten und zudem eine gute Aufwärmübung für das geplante Opus magnum dieses Tages.

Nach einem kurzen Wiederaufstieg über den obersten Glacier des Fôllats studierte ich nördlich P. 3634 die Einfahrtsmöglichkeiten zum Glacier Pendant. Südlich fand ich zwar Abstiegs- und Abfahrtsspuren, und zudem schien es hier weniger steil zu sein, dafür war der Schnee noch gefroren. Nördlich unter dem NW-Grat schienen das 1. und 2. SW-Couloir zwar schon Sulz aufzuweisen, wirkten aber abweisend steil, so dass ich mich vorläufig doch für eine südliche Einfahrt entschied. Da traf ich auf dem Gipfelfirst des Petit Combin den ersten anderen Skifahrer an diesem Tag, der zudem noch über den Glacier Pendant aufgestiegen war und sich gerade bereit machte, dort auch wieder abzufahren. Er riet mir, nördlich einzufahren, aber meine Frage, ob es dort nicht zu steil sei, schien er als Crack nicht so recht zu verstehen...Nach einem Abstecher zum Gipfel und einigen hastigen Fotos glitt ich aufgeregt und mit einem ziemlich grossen Kack in den Skihosen dem Gipfelfirst und dem NW-Grat entlang zu den beiden Einfahrtscouloirs, die ich von oben inspizierte. Das 1., das der Kollege benutzt hatte, und wohl auch schon andere, schien mir zu abgefahren, steil und eng zu sein, so dass ich kurz nach W zum 2. weiterfuhr, das auf mich einladender wirkte. Tatsächlich gelangte ich nach ein paar vorsichtigen Probeschwüngen "wy düren Anke" auf schönstem Sulz zum Glacier Pendant hinunter. Dort ging die Fahrt am N-Rand des Gletschers bzw. Couloirs auf ebenso griffigem Sulz oder angesulztem Hartschnee mit ungewohnter Leichtigkeit weiter, umrahmt von steilen Felsen zur rechten und linken und einem Ausblick auf das Massif du Mont Blanc, der seinesgleichen sucht. Ich war dann ziemlich überrascht, als ich gegen zwei Uhr im unteren Drittel drei sorglosen jungen Jurassiern im Aufstieg begegnete, die um diese fortgeschrittene Tageszeit weder Schneerutsche noch Steinschlag zu befürchteten schienen, und als ich ihnen die Ausstiegsmöglichkeiten und Schneeverhältnisse erklärte, letztere "sympa" fanden...Ich verabschiedete mich mit einem "ne trainez pas et faites attention aux cailloux!"

Unter dem Couloir traf ich dann den Crack aus Vevey wieder, der dort auf einem Stein Rast hielt und Landschaft und Sonne genoss. Wir begrüssten und gegenseitig mit "Daumen nach oben", ich bedankte mich für seinen Tip, und wir sprachen über die soeben befahrene und weitere Routen - z.B. machten die Couloirs und Flanken über La Fouly z.Z. auch einen verlockenden Eindruck - und vieles Andere mehr. Während er es vorzog, noch ein wenig zu "sünnele", statt schon wieder in die Quarantäne zurückzukehren, machte ich mich, noch einen längeren Fussabstieg und die sich hinziehende Heimfahrt vor mir, an die Abfahrt. Bis Creux du Ma durfte ich nochmals drehfreudigen Sulz geniessen, dann musste ich für den restlichen Abstieg wieder die Ski schultern. Die Freude über die gelungene Tour, überall blühende weisse und violette Krokusse, Leberblümchen und Steinbrech, der herbe Duft von Fichten, plätschernde Schmelzwasserbäche und zwitschernde Vögel liessen mich aber alle Mühen vergessen und in Kurzweil schwelgen. Nur das angenehme Summen und Brummen der Insekten vermisste ich: waren sie schon so arg dezimiert, oder war es für sie auf dieser Höhe noch zu früh im Jahr? Erst auf dem menschenleeren Parkplatz vor geschlossenen Hotels, Motels und Restaurants wurde ich schiesslich von der Coronakrise wieder eingeholt. Was mich schon damals mehr beunruhigte als das Virus selbst, waren das Rätselraten über seine Herkunft, die Unverhältnismässigkeit der dagegen getroffenen Massnahmen, die grosse Teile der Weltbevölkerung in Armut, Hunger, andere Krankheiten und Elend stürzen, der damit verbundene Abbau der Demokratie, sowie die Frage, welche Absichten und Interessen dahinter stecken könnten. Ich sehnte mich nach einem duftenden Espresso, der meine Lebensgeister für die Heimfahrt wieder geweckt hätte, kippte lustlos einen faden Energydrink von Migros hinunter und fuhr los.


Combin de Corbassière
Aufstieg über den Glacier de Boveire und den Col de Panossière: von Notre-Dame de Lorette (1609m) auf dem weiss-rot markierten Fahrweg über Creux du Ma (1973m) bis zur Brücke ca. 2135m unterhalb Boveire d'en Bas (2227m), T1/L. Entlang dem Bach S der Moräne von Boveire hinauf, am W-Rand des Glacier de Boveire bis ca. 3200m und S der Felsinsel 3341 nach E zum Col de Panossière (3457m). Abstieg zu Fuss nach E bis ca. 3420m (ev. Bergschrund) und wieder mit Ski E ausholend abfahrend bis ca. 3380m und wiederaufsteigend zum Col 3565. Abfahrt bis ca. 3520m N P. 3603 auf dem Glacier des Fôllats (ev. Spalten) und Wiederaufstieg nach E und SE in den flachen Sattel ca. 3545m. Zuerst über die NW Begrenzungsrippe, dann über die W-Flanke, die letzten Meter ev. zu Fuss, auf den z.T. felsigen Gipfelgrat und über diesen zum N-Gipfel (Kreuz), 5h 45min, WS+. Über den Gipfelgrat nach S zum tiefsten Punkt (Skidepot) und weiter zum S- oder Hauptgipfel (3716m), 15min, L (Hochtourenskala). Insgesamt 6h.

Abfahrt zum Glacier des Fôllats: vom Skidepot direkt über die W-Flanke (30-35 Grad) und entlang der Aufstiegsroute zurück und bis ca. 3500m auf dem Glacier des Fôllats, 15min, WS+.

Petit Combin
Aufstieg über den Glacier des Fôllats: von ca. 3500m auf dem Glacier des Fôllats nach NW zum Grat N P. 3634 und Reko der verschiedenen S und N Einfahrtsmöglichkeiten zum Glacier Pendant. Abfahrt und Wiederaufstieg nach NE zum Gipfelfirst und über diesen nach E auf den Gipfel (3668m), 30min, L.

Abfahrt über den Glacier Pendant: über den Gipfelfirst nach W und abhängig von Tageszeit, Sonneneinstrahlung, Temperatur und Schneeverhältnissen entweder nach SW und N P. 3634 Abstieg an geeigneter Stelle über einige Felsen zum S-Rand des Glacier Pendant, oder entlang dem NW-Grat und durch das 1. oder 2. SW-Couloir (bis 45 Grad) zum N-Rand des Glacier Pendant hinab. Nun entsprechend der Schneebeschaffenheit am N- oder S-Rand des Gletschers bzw. Couloirs nach W und ab ca. 3250m nach SW hinunter und Ausfahrt E und S von P. 2977 (ca. 700Hm 40-45 Grad), S+. Entlang und auf der Aufstiegsroute zurück, 2h 15min, WS, T1.

Verhältnisse: sonnig, praktisch wolkenlos und mild. Je ca. 45min Portage bis und ab Creux du Ma, oberhalb ca. 2000m dann zunehmend geschlossene Schneedecke. Unterhalb ca. 2800m hart oder Sulz, darüber verfestigter trockener oder angefeuchteter Pulver. W-Flanke oben hart und griffig, unten angesulzt, Glacier Pendant um 14 Uhr am S-Rand vermutlich noch hart, am N-Rand schöner Sulz. Einige ältere Lawinenzüge. Gletscher gut eingeschneit, bzw. Spaltenzonen umgehbar. Überall Auf- und Abstiegs- sowie Abfahrtsspuren.

Material: Helm zu üblicher Skihochtourenausrüstung

Fahrplan: 6.15 Start, 12 Uhr Combin de Corbassière, 13.15 Petit Combin, 15.45 retour.

Hike partners: lorenzo


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Comments (2)


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rojosuiza says:
Sent 23 May 2020, 16h57
Ich hätte Dir sogar einen Cappuccino gegönnt!

lorenzo says: RE: Das wäre natürlich...
Sent 23 May 2020, 18h52
...das Non plus ultra gewesen!


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