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Freitag, der 13. - Eisklettern in der Taschachschlucht


Published by ZvB , 15 March 2020, 21h18.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Date of the hike:13 March 2020
Snowshoe grading: WT2 - Snowshoe hike
Ice climbing grading: WI3
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Height loss: 550 m 1804 ft.
Route:3,2km
Maps:AVK 30/6 Ötztaler Alpen, Wildspitze

Beim Frühstück ist alles in heller Aufregung. Auch die Riffelseehütte soll wegen Corona geschlossen werden. Was, wann, wie und wo weiß niemand so genau. Argwöhnisch beachte ich jeden Huster meiner Mitmenschen. Für ein Stückchen schädlicher DNA liegt schließlich nur eine winzige Flugstrecke zwischen Desinformation und Desinfektion…

Uns interessiert die Aufbruchsstimmung nur wenig. Wir wollten ohnehin weiterziehen. Die bevorstehende Wetterentwicklung und die Eissituation lassen die Nordwände der Ötztaler nicht zu. Meinetwegen könnten wir gleich heimfahren und unseren erkrankten Paco (nein, nicht Corona) mit der übrigen Winterraumverpflegung  verkochen … einkochen … bekochen ... wie auch immer.
Aber Berni hatte gestern noch nicht genug Auslauf. Er will unbedingt zum Eisklettern. Der Hütten-PC spuckt die Taschachschlucht gleich neben unserem Parkplatz aus. Aber zuerst müssen wir mal ins Tal.

Heute tauschen wir die Schneeschuhe. Das zuvor an Berni ausgeliehene Paar weist sogleich zwei kaputte Clips für die Riemen auf. Er kann also nicht nur Skispuren zerstören. Bei der Querung einer schwarzen Skipiste fällt mir dann auch noch die schlechte Seitenführungskraft der linken Seite auf. Eine Niete ist also auch noch abgeflogen. So dackel ich hinter Berni her. Hoffentlich halten die Dinger bis ins Tal!

Bei der Taschachalm hat Berni das Eisklettern leider noch nicht vergessen. Er zählt die Brücken über die Schlucht ab. Erste? Zweite? Von welcher Seite? Vielleicht finden wir den Einstieg ja gar nicht…

Am Parkplatz erlebe ich dann mein nächstes, persönliches Corona. Berni gibt mir zwei Schneeschuhe mit zusammen drei Frontalzacken zurück. Eine ausgelassene Runde betrinkt sich am Vormittag im Umfeld ihrer VW-Bully-Parade. Dazu spielt Sonnentanz in voller Lautstärke. Und ich muss immer noch zum Eisklettern…

Irgendeine Spur am Boden führt uns zu einem Schild. Eiskletterwelt Taschachschlucht. Mist!
Der dort hängende Strick gibt den Blick auf den Kern des Kernmantelbergseils frei. Wir nehmen dann doch lieber das eigene Seil.

Wir durchkreuzen eine Eiskletterkursgruppe und steuern flussaufwärts durch die Schlucht. Dünne Schneebrücken leiten im Zickzack über den Bach. Berni verliere ich aus den Augen. Sein Schrei wird dann plötzlich durch die mannigfach gefalteten Wände der Schlucht mit einem Nachhall versehen. Das klingt irgendwie wie ABBA. ♫Hier ist die Wandaduu, Wandaduu!♫

Er macht sich gut im Vorstieg, der Kamerad. Das Sichern ist wahrscheinlich noch der einfache Teil. Dann bin ich dran bzw. fällig. Ich spreize die Beine noch zu weit. Nicht jeder Hieb mit den Eisgeräten sitzt gleich. Das ist im Firn der Nordwände deutlich anders. Und plötzlich stehe ich oben am Umlenker. Beim zweiten Mal verlängert Berni die Route im rechten Sektor auf 20m. Jetzt geht es schon besser. Wir könnten abbauen und heimfahren…

Aber nein, es gibt ja noch den linken Sektor und die Mitte. Und was soll ich sagen, so langsam finde ich Gefallen an den Eisfällen. Es fühlt sich immer besser an. Nun gut, wenn das Eis hohl klingt oder Wasser darunter fliest, dann sollte man doch innehalten.

Berni ist ein Glückspilz. Sein Handschuh segelt aus der Wand in das einzige Loch im Eisfall, bleibt jedoch so liegen, dass er durch den gezielten Hieb des Pickels an der richtigen Stelle wieder aus dem Eis geborgen werden kann.

Jetzt ist aber gut. Der Paco verhungert sicher schon. Wir fahren endlich heim. Ob uns an der Grenze in Kufstein dieses Mal Maschinenpistolen oder Fieberthermometer erwarten?

Nachtrag:
Auch der Winterraum des Taschachhauses ist ab dem 16.03.20 wg. Corona verschlossen.
Es beginnt eine ungewohnt stille Zeit in den Bergen…
 

Hike partners: ZvB


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Geodata
 47827.gpx Abstieg von der Riffelseehtt.

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