Große Schlicke und Brentenjoch


Published by Tuppie , 30 August 2019, 16h50.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:18 August 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: A   D 
Time: 7:15
Height gain: 1600 m 5248 ft.
Height loss: 1600 m 5248 ft.
Route:19,15 km

Endlich mal wieder eine Tour im Tannheimer Tal. Die Bergziele rund um das Füssener Jöchle kenne ich noch gar nicht und das Brentenjoch fehlt mir auch noch. Zu viele Aufgaben für eine Tour, zumal mein Tourenzeitfenster heute nur bis 14 Uhr geöffnet ist. Der Plan: heute nehme ich mir die beiden exponiert liegenden Gipfel der Großen Schlicke und des Brentenjochs vor, dann kann man künftig im Rahmen einer längeren Tour einige Gipfel rund ums Jöchle und vielleicht noch den Lumberger Grat  angehen. Oder Letzteren als abermals seperate Tour. Man wird sehen…

Eine Woche nach dem schönen, aber anstrengenden Monschau-Marathon in der Eifel wird man eh schauen müssen, wie fit die Beine wieder sind.

Natürlich möchte ich die Bergwelt möglichst lange alleine und ohne Bergbahnbetrieb genießen, heute soll es einen heißen und sehr schönen Tag geben. Also: früh aufstehen! Der Wecker in Bad Hindelang klingelt um 4:45 Uhr, Frühstück, Kaffee, um 5:25 Uhr mit dem PKW übers Oberjoch nach Grän und zur noch verschlafenen Talstation der Füssener Jöchle-Bahn, die den Betrieb erst um 9 Uhr aufnimmt. Erste Überraschung: parken kostenlos! Das ist selten und ungewöhnlich. Danke!
Zweite Überraschung: die Bergstation ist mit einer Gehzeit von satten 2,5 Std. ausgeschildert. Für 600 Höhenmeter? Was soll das jetzt? Na egal, kurz nach 6 Uhr breche ich auf und gewinne auf breitem Weg rasch an Höhe. Im Winter fegen hier wohl die Skifahrer runter. Dabei lohnt der Blick zurück: alsbald geht die Sonne auf und die Felsflanken von Gais- und Rauhhorn zeigen sich in morgendlichem Rot. Die Bergstation ist schon während des gesamten Aufstiegs ständig zu sehen und rückt stetig näher. Ein Trailrunner, der mit mir unten an der Talstation gestartet ist, kommt mir derweil schon wieder entgegen. Sauber!
Nach 55 Minuten bin ich, trotz einiger Fotostopps, oben an der Bergstation, orientiere mich kurz und wende mich der Großen Schlicke zu, die sich mir wuchtig und mit der Morgensonne hinter ihrem Gipfel zeigt. Es geht zunächst wenige Meter bergab, um dann wieder gemächlich zum Raintaler Joch (1956 m) anzusteigen. Hier kann man Richtung Schartschrofen abbiegen, ich gehe aber geradeaus weiter Richtung Vilser Scharte. Hier genießt man einen großartigen Blick auf die Gipfel rund um die Kellenspitze – eine tolle Kulisse, man könnte meinen, man wandert in den Dolomiten. Der Weg verliert zunächst bis auf etwa 1770 m an Höhe, um dann wieder allmählich anzusteigen. Auf steinigem, aber gut zu steigendem Weg quert man die latschenbewachsenen Südhänge des Hahnenkopfs, bis man auf etwa 1920 m auf den von der Otto-Mayr-Hütte heraufziehenden Pfad trifft. Hier öffnet sich das Gelände und man kann schon das Kreuz der Großen Schlicke erspähen.
Von hier aus steigt man steil aber unschwer über die freien Südhänge hinauf bis zum 2060 m hoch gelegenen Gipfelkreuz. Um 8:10 Uhr erreiche ich das große Metallkreuz auf dem Gipfel und kann völlig alleine die großartige Rundsicht bei bestem Wetter genießen. Ein echtes Privileg, welches ich zu schätzen weiß! Eine gute halbe Stunde lasse ich mir Zeit, um Fotos zu machen, die Blicke schweifen zu lassen und mich zu stärken.
Der Rückweg wie gehabt: auch hier zunächst noch kein weiterer Menschenverkehr, bis es dann mit zunehmender Nähe zum Füssener Jöchle betriebsamer wird: die Bahn hat um 9 Uhr den Dienst aufgenommen. Nun gut, das war abzusehen und ich bin dankbar, den ersten Gipfel für heute in aller Ruhe genießen zu dürfen. Gegen 9:40 Uhr bin ich wieder am Füssener Jöchle und mache kurze Radlerpause. Nur kurz, denn der Touri-Ansturm ist mir too much und im Restaurant dudelt Volksmusik. Aua! Also nur rund fünf Minuten Stopp, dann möchte ich zum Gamskopf: ein kleiner Gupf, dem man wahrscheinlich nur deshalb ein Kreuz verpasst hat, damit die ganz fußfaulen Seilbahnfahrer die Chance haben, einen „Gipfel“ zu „besteigen“. Nach fünf Minuten streiche ich den Hügel ein, mache kurz ein paar Fotos, denn der Blick ins Tannheimer Tal ist schon schön. Dann weiter, damit ich dem Trubel wieder etwas entfliehe. Es wird rasch leiser und die Menschen verlaufen sich. Alsbald biegt der Tannheimer Höhenweg (in anderen Karten ist von „Gräner Höhenweg“ die Rede), wie die Verbindung in Richtung Bad Kissinger Hütte heißt, rechterhand in nördliche Richtung ab, und man verliert an Höhe. Der Lumberger Grat, den man nun immer imposanter bestaunen kann, versperrt zunächst die Sicht nach Süden, aber spätestens beim Anstieg zum Brentenjoch wird dieses Sichtfeld wieder frei.
In äußerst idyllischer Umgebung, immer imposante Blicke auf Aggenstein und Brentenjoch vor Augen, steige ich bis auf 1640 m, zur Sebenalpe, ab, wo sich die Wege teilen: links geht’s auf dem Höhenweg weiter Richtung Bad Kissinger Hütte, rechts steigt der Pfad zum Brentenjoch an. Brentenjoch: als Jugendlicher faszinierte mich der abweisende Anblick der Nordseite während meines Urlaubs im Sommer 1987 in Pfronten, Jahrzehnte später, im Herbst 2016, wollte ich das Trio Breitenberg, Aggenstein und Brentenjoch, endlich „abhaken“, doch bei sehr kühlen Temperaturen und starkem Wind fehlte mir zuletzt die Motivation für Gipfel Nr. 3. Nun also!
Auf einfachem Weg gewinne ich rasch an Höhe, doch die Mittagssonne lässt mich inzwischen ganz ordentlich schwitzen. Irgendwann kommt der Südrücken des Brentenjochs ins Bild. Noch 250 Höhenmeter… Um 11:05 Uhr habe ich den Gipfel des Brentenjochs erreicht, mache jedoch wegen des Menschenbetriebs nur rasch ein Kreuzbild und entschließe mich, einige Meter abseits auf dem Westgrat meine zehnminütige Rast einzulegen. Hier ist´s deutlich ruhiger und die Sicht ebenfalls schön!
Als Abstiegsweg entscheide ich mich für den Westgrat, der offensichtlich, wenngleich in den üblichen Wanderkarten nicht eingezeichnet, kein Geheimtipp ist: er wird heute im Auf- wie im Abstieg genutzt. Im oberen Teil flach und in freiem Gelände verläuft der zentrale Teil durch den Latschenbewuchs des Westgrats, stets nahe an der Gratkante. Bedächtiges Treten empfiehlt sich hier, wenngleich die Wegführung einfach ist. Den unteren Teil des Westgrates empfinde ich, zumindest im Abstieg, als unangenehm: immer wieder steilere, bröselige Passagen, die ein zügiges Absteigen verhindern. Erst kurz vor der Scharte zwischen Aggenstein und Brentenjoch, auf etwa 1715 m, trifft der Weg wieder auf den Tannheimer Höhenweg. Von hier sind es nunmehr nur noch wenige Minuten, bis die schöne Bad Kissinger Hütte auf 1792 m Höhe erreicht ist.

Die Hütte ist natürlich sehr gut besucht, auf der Sonnenterasse ist eine Menge Betrieb. Ich mache es mir in der Gaststube gemütlich und gönne mir die verdiente Erfrischung, führe mein Tourenbuch und freue mich, nach 2016 wieder hier zu sein. Nach etwa 20-minütiger Pause  mache ich mich an den gut begehbaren Hüttenabstieg Richtung Grän und bin nach 75 Minuten Abstieg wieder an der Talstation der Füssener Jöchle Bahn.
 
Durchgangszeiten:
06:08 Talstation Füssener Jöchle
07:03 Bergstation Füssener Jöchle
08:10 Große Schlicke
09:40 Bergstation Füssener Jöchle
09:55 Gamskopf
11:05 Brentenjoch
12:03 Bad Kissinger Hütte
13:40 Talstation Füssener Jöchle

Hike partners: Tuppie


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Comments (2)


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Manu81 says:
Sent 30 August 2019, 22h27
Schöne Tour auf die Schlicke, und tolle Bilder! Sonnenaufgangstouren haben ihren ganz eigenen Reiz. War letzten Herbst zum Sonnenaufgang auf der Roten Flüh. Das Erlebnis, auf so einem Gipfel ganz allein zu stehen, ist echt unglaublich intensiv. Grüsse Manu

Tuppie says: RE:
Sent 30 August 2019, 22h38
Grüß Dich Manu,

beim nächsten Mal stelle ich den Wecker noch früher ;-) Im Ernst: war ein Traumtag, zumal die Sicht für einen heißen Hochsommertag unglaublich klar war und auch am Nachmittag nicht schlechter wurde, wie es ja sonst oft der Fall ist. Die Tannheimer Berge sind schon eine schöne Ecke.
An sich stand eine Tour auf Biberkopf, Hochrappenkopf und Rappenseekopf auf der Wunschliste oben, dass hätte ich bis 15 Uhr aber nicht geschafft.

Jetzt ist erst mal wieder Arbeit angesagt und bis zum nächsten Bergurlaub wirds 2020...

Gruß
Thomas


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