Brenta-Durchquerung


Published by Kottan , 31 July 2017, 13h59.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike:26 July 2017
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD+
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Time: 2 days
Access to start point:Bus oder Auto, trampen klappt auch oft
Access to end point:Mit Bus
Accommodation:Rifugio Pedrotti oder Alimonta

Die den Dolomiten sehr ähnliche und im italienischen Sprachraum auch dazugehörende Brentagruppe ist bekannt für ihre Eisenwege, die Vie Ferrate. Ein Netz aus Klettersteigen durchzieht fast das gesamte Massiv, Hütten sind zahlreich vorhanden und so wundert es nicht, dass auch hier einiges los ist. Für unsere Tour wählten wir eine nicht ganz übiche Route, die von Norden bis zu unserer Unterkunft im Rifugio Pedrotti und wieder zurück nach Vallesinella führte. Im übrigen hat man es als Gipfelbergsteiger in der Brenta nicht ganz leicht, viele der Steige führen fast schon frustrierend knapp an den sonst schweren Gipfeln vorbei.

Start unserer Tour war am Passo Grosté, nach unserer Besteigung der Cima Presanella wollten wir uns vorher eine Entspannungsnacht unten im Tal gönnen. Wir folgten dem guten Weg nach Süden, Ziel war der Sentiero Benini, ein eher einfacher Klettersteig (B), der an den Osthängen der Brentagruppe entlangführte. Nach ein paar Minuten gewannen wir auf dem Steig rasch an Höhe, bis wir auf ca 2700m auf gleicher Höhe bleibend die typischen Bänder dieser Gruppe entlanggingen. In einer Schart war unser erstes Gipfelziel die Cima Grosté, laut Führer ein Einser. Umso erstaunter standen wir dann 20 Minuten später vor der senkrechten bis überhängenden Gipfelwand, bis kurz davor waren wir noch im I.Grad bis hierher gekommen. Nun aber suchten wir gute 15 Minuten lang nach einem Weg durch diesen Bestimmt-Nicht-Einser, ich versuchte ein paar Klettermeter, unter dem III.Grad ging hier aber nichts. Da wir nicht besonders gut für derlei Unternehmungen ausgerüstet waren und kaum Zeit hatten, kehrten wir hier um. Nun gewannen wir auf dem Band leicht an Höhenmetern, bis wir an einem verblassten Schriftzug mit der Aufschrift Cima Falkner und einem Pfeil ankamen, unser nächster Versuch stand an. Erst stiegen wir steil durch eine Schuttrinne hinauf, Markierungen waren vorhanden aber sehr verblasst und schwer zu sehen. Dann querte der Steig nach links auf den kleinen Gipfelaufbau der Cima Falkner, dessen Spitze man direkt aus der Einschartung zwischen den beiden Gipfelfelsen erreicht.

Von Oben genossen wir die Sicht über die Brenta bevor wir auf demselben Weg wieder zu unseren Rucksäcken zurückkehrten. Nun begann der erste "wirkliche" Klettersteigabschnitt, der uns etwa 50 Meter nach unten an einem Vorsprung klettern ließ (B). Dann ging es wieder auf einer Höhe bleibend an Bändern entlang, bis man wiederrum nach unten über gestuftes Gelände steigt. Laut Karte hätte hier ein Gletscherchen sein sollen, zu sehen war nurnoch ein etwa zimmergroßer Firnrest, sodass wir über den Schutt weiterstiegen. Nun erreichten wir eine Weggabelung, deren einer Zweig zur Tucketthütte führte und unserer, weiter in die Bocca di Tuckett. Hier ist aber vorher nocheinmal ein mittelschwerer, ausgesetzter Klettersteigabschnitt zu bewältigen, bevor wir in der Scharte rasten konnten.

Ab hier entschieden wir uns für die einfache, aber lange Querung zut Hütte anstatt der nocheinmal fordernden Bochette Centrali. Hierfür mussten wir ersteinmal ca 150Hm aus der Scharte absteigen, bevor der Pfad wieder relativ eben unter der Cima Brenta entlangquerte. Eine kurze Klettersteigeinlage führte zu einem Band, das am Ende wieder versichert, aber sehr ausgesetzt um einen Felspfeiler führte. Ab hier ging es dann aber nurnoch einfach und lange Zeit bergab in Richtung Hütte, nur ein ca 150HM hoher Gegenanstieg kurz vor der Hütte forderte dann nocheinmal alle Reserven. An der Hütte kamen wir dann am frühen Abend an und versuchten uns so gut es ging für den nächsten Tag zu erholen.

Weil wir einen Massenandrang am Klettersteig befürchteten, starteten wir schon um 7 Uhr in Richtung Bocca di Brenta. Nach einem kurzen Abstieg auf dem Gletscherrest (mehr ein Firnfeld), begannen wir mit dem Klettersteig Bochette Centrali. Zuerst wieder an Bänenr entlang, teilweise sehr ausgesetzt, führte der Steig auch ungesichert über Felsstufen durch das Massiv. Dabei umrundeten wir den Campanile Basso, bevor der längste Abschnitt der typischen Bänderquerung bevorstand. Hierfür stiegen wir nocheinmal hinauf auf ca 2800m. Dann erfolgte die lange und ausgesetzt Querung, die immer wieder schöne Blicke in die Dolomiten erlaubte. Am Schluss galt es noch in die Bocca dei Armi abzusteigen, an den 4 Leitern staute sich so einiges, sodass wir gezwungen waren hier 30 Minuten zu warten. An dem kurzen Gletscherübergang auf der Vedretta dei Sfulmini hatten viele ihre Probleme, kaum jemand Steigeisen dabei und nur eine Gruppe ein Seil, mit dem sie die extrem unsicher gehenden Mitglieder sicherten. Man merkte deutlich, dass hier ausschließlich Hobbybergsteiger und Unerfahrene unterwegs waren. Wir hatten unsere Steigeiesen dabei und waren daher im Nu über den Gletscher gestiegen.

Nun erfolgte der letzte Aufstieg des Tages: zur Spallone dei Massodi. Hierfür wählten wir den direkten Anstieg über dem Rifugio Alimonta. Ein kurzes Klettersteigelement führt über einen Pfad zu einer tiefen Einschartung. Leitern führten nun steil hinab und erlaubten eine Querung auf die andere Seite der Scharte (C). Von hier an führten wieder Leitern steil hinauf, am oberen Teil war eine Sicherung nicht möglich, da ein Stahlseil fehlte. Auf die Leitern folgte eine kurze Querung, dann stiegen wir erneut im Steig hinauf (B) bis kurz unter den Gipfel. Nun rechts einfach gehend hinauf auf den höchsten Punkt, der mit einem Steinmann markiert ist. Ob der Spallone dei Massodi nun als Gipfel bezeichnet werden kann, weiß ich nicht sicher, auf Karten ist er jedoch immer eingezeichnet und auch in der Literatur ist hier meißt von einem Gipfle die Rede. Nach einer Rast folgten wir dem Aufstiegsweg wieder hinab in die Scharte.

Ab hier gingen wir nun direkt weiter nach unten, rechts haltend über extrem ausgesetzte Leitern nach unten. 5-7 Leitern führen hier senkrecht und ohne Kompromiss nach unten, wer nicht schwindelfrei ist wird seine Probleme haben. Das Letzte Stück bergab erfolgte dann auf Trittstiften und einer letzten Leiter in das Geröllfeld unterhalb der vedretta dei Brentei. Nun hatten wir nurnoch den langen Talbstieg vor uns, der aber ab hier bestens markiert ist. Vorbei am Rifugio Brentei stiegen wieder weiter den nun breiten Weg zum Rifugio Casinei und schließlich zu Parkplatz Vallesinella. Von dort brachte uns ein Bus und ein Italiener trampend zuück zum Parkplatz am Passo Grosté.

Insgesamt ist diese Tour nicht schwer, viele viele Gegenanstiege und Kilometer machen die Tour aber anstrengender, als sie auf dem ersten Kartenblick wirken mag. Ein Klettersteigset ist hier empfohlen, ein Helm Pflicht und wer auf den zugegebenermaßen sehr kurzen Gletscherabschnitten eine gute Figur machen will, sollte auch an Steigeisen denken.

Hike partners: Kottan


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1 Sep 07
Brenta · Much-Wœlli
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