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Granitgenuss über dem Grimselsee: Brünberg E-W-Traversierung


Published by lorenzo , 22 June 2017, 12h16.

Region: World » Switzerland » Bern » Oberhasli
Date of the hike:21 June 2017
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: AD
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE 
Time: 11:00
Height gain: 1255 m 4116 ft.
Height loss: 1255 m 4116 ft.
Access to start point:cff logo Grimsel Hospiz oder mit dem Auto
Access to end point:dito
Accommodation:Grimsel Hospiz
Maps:LK 1230 Guttannen, 1250 Ulrichen; U. Mosimann, Clubführer Berner Alpen V, SAC 1996

Die Hitzewelle seit Ende Mai hat einige meiner lang gehegten Projekte für Skiabfahrten und Hochtouren - und wohl die vieler Anderer - in wenigen Wochen die Aare und die Rhône hinunter und zurück ins Meer der Träume gespült. Aber zum Glück gibt es ja noch den guten alten Aare- und Grimselgranit, der zumindest über den Übergangszonen von Eis und Firn zum Fels, an den von den Gletschern geschliffenen Platten und an den Graten von der Klimaerwärmung z.T. verschont ist. Und je weiter man sich abseits der Passstrasse und Umkreise der Hütten bewegt, desto grösser ist die Chance, "unpluggeden" (sprich "unbolted") Fels anzutreffen, allerdings um den Preis langer und z.T. beschwerlicher, wenn auch dafür landschaftlich umso betörender Zu- und Abstiege.

So z.B. am Brünberg hoch über dem Grimselsee, der - abgesehen von der verwitterten N-Flanke, die wie andere Flanken dieser Exposition im Hasli- oder u.a. auch im Bedrettotal mit zunehmender Ausaperung steinschlaggefährlich wird - mit Granit von Gelmer- oder Salbitqualität aufwartet, aber trotzdem - so lassen zumindest die uralten Abseilstände aus verblichenen Schlingen und verrosteten Haken vermuten - vermutlich eher selten besucht wird. Zu- und Abstieg sind lang, aber beide Wanderungen entlang eigentlicher "Wasser-, Flora-, Fauna- und Panoramakraftorte".

Wieder war ein Hitzetag angekündigt und ich fragte mich, ob es angesichts von hohen Temperaturen, Quellwolken bei hoher Luftfeuchtigkeit und möglichen Schauern und Gewittern klug ist, eine solche Tour anzugehen. Einmal unterwegs, erwies sich die Wärme aber als angenehm, und nach zunehmender Quellbewölkung ging der Regen erst genau dann los, als ich vom Grimsel Hospiz zur Rückfahrt aufbrach. Und glücklicherweise begannen erst beim abkühlenden Bad im Brienzersee am Brienzergrat 
Blitze zu zucken und Donner zu grollen.

Zustieg über das Juchli
Vom Grimsel Hospiz (1980m) auf dem Lauteraarhüttenweg (weiss-rote Markierungen) bis vor den Juchlibach (ca. 1940m). Zuerst östlich von diesem, dann am W-Rand des Juchli über steile und z.T. moorige Gras- und Schrofenhänge hinauf bis ca. 2260m und nach W zum Plateau bei P. 2514. Auf der Geröllterrasse S von Brüngrat und- berg weiter nach W, nördlich am Seelein 2527 vorbei, und zuletzt ca. 300m westlich P. 2760 über einen steilen Gras- und Geröllhang hinauf zu einer Lücke ca. 2820m am Beginn des Brünberg E-Gipfel E-Grats, 3h, T4.

Brünberg E-Gipfel über den E-Grat
Die ersten Gendarmen werden nördlich auf  z.T. brüchigen Felsen umgangen. Von nun an in bestem Granit über den Grat (III) zu einer Gruppe von drei grauen Nadeln im Mittelteil: unter der 1. Nadel ca. 5m nach S in eine Rinne abseilen (Schlinge), die 2. Nadel durch einen Schrägriss abkletternd (III-) umgehen, und nach einer weiteren Querung in der S-Flanke nach der 3. Nadel zurück auf den Grat. Über diesen in schöner Kletterei (Stellen IV) südlich unter den Gipfelaufbau und schräg von W nach E über Stufen und durch Risse zum gespaltenen Gipfelblock. Von E zwischen die beiden Gipfelplatten: die nördliche kann von W, die südliche von E erklettert werden (III), 2h, ZS.

Traversierung zum Brünberg W-Gipfel
Vom E-Gipfel südlich entlang dem Verbindungsgrat unter die tiefste Scharte ca. 2920m (II) und  auf Fels- und Grasbändern, zuletzt drei markante Türme ebenfalls südlich umgehend, zum Gipfelaufbau. Durch ein enges Felsfenster (Rucksack ablegen) unter die Gipfelblöcke. Nun entweder auf den südlich vorgelagerten Granitkopf (III) und mit Spreizschritt auf die Gipfelplatte, oder unter der Platte nach NW und SW und über die Kante einer aufgestellten Stützplatte (IV) auf diese (2 Eisenstifte ev. von einem ehemaligen Signal, dessen Holzlatten hinunter gestürzt sind), 1h, WS.

Abstieg über die SE-Flanke und den Dôme d' Eldorado
Vom W-Gipfel südlich dem E-Grat entlang zurück unter den 2. Turm (wie Aufstieg) und durch die SE-Flanke über Fels- und Grasbänder hinab zum untersten Grasband westlich der von der tiefsten Scharte hinunterziehenden Felsschlucht. An einem 1. Stand (2 alte Schlingen an aufgestellter Platte) 15m nach E durch einen Kamin auf eine Felsleiste abseilen und weiter nach E auf ein Grasband pendeln. An dessen östlichem Ende an einem 2. Stand (2 alte Hk, verbunden durch eine alte Schlinge) nochmals 15m nach S auf eine Platte abseilen. Auf dieser nach W zu einem 3. Stand (neu eingerichtet mit einer Schlinge um einen grossen Block) und 25m weiter nach S abseilen. Zuletzt über leichte Felsen (I) zum Wandfuss (ca. 2780m) abklettern, 1h 30min, ZS. Nach S über Geröll- und Firnfelder sowie Gras- und Schrofenhänge hinunter zu P. 2514 und weiter auf dem SW-Rücken über Gras und Platten zum Dôme d'Eldorado (ca. 2380m). Auf einem Pfad (Steinmänner) kurz nach E, dann nach SE (einige Stellen II, zwei sind zum Abseilen eingerichtet) hinunter zum Lauteraarhüttenweg bei Mederlouwenen und auf diesem zurück, 3h, T4.

Material: übliche Kletterausrüstung mit 50m 7,5mm Seil (nur zum Abseilen gebraucht),  6 Express, 3 mittleren Friends und Kk-Set (nicht benötigt) sowie 6 Schlingen (eine davon für 3. Abseilstand gelegt), zudem klettertaugliche Bergschuhe, Stöcke und Leichtpickel (nicht gebraucht).

Fahrplan: 7 Uhr Grimsel Hospiz, 10 Uhr Einstieg, 12 Uhr E-Gipfel, 13 Uhr W-Gipfel, 14.30 Wandfuss, 18 Uhr retour.

Hike partners: lorenzo


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Comments (7)


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dominik says:
Sent 22 June 2017, 19h30
Coole Tour!

lorenzo says: RE:
Sent 22 June 2017, 20h46
Je heisser, desto cooler...

Sent 22 June 2017, 22h41
"Die Hitze seit Ende Mai hat einige meiner lang gehegten Projekte für Skiabfahrten und Hochtouren - und wohl die vieler Anderer - in wenigen Wochen die Aare und die Rhône hinunter und zurück ins Meer gespült."

Gewinner des Hikr - Schreibpreises Juni 2017.

lorenzo says: RE:
Sent 23 June 2017, 21h16
Gibt es das, und hast Du die Übersicht? In den Muscheln im Hikr-Meer sind doch sicher viele Perlen zu finden.

silberhorn says: RE:
Sent 23 June 2017, 22h09
Gibt es zum Glück nicht. War eine Anlehnung an die verschiedenen Nominationen und Gewinnenden der Literaturszene...

Hikr Berichtsperlen gibt es einige. Aber Abschnitte, Sätze, und sei es "nur" die Schlusspointe, welche mich dahinschmelzen lassen sind eher rar.

jfk says: Suuberi Sach
Sent 24 June 2017, 23h29
Ja, es ist erschreckend, wie weit die Ausaperung in diesem Sommer schon fortgeschritten ist. Eis und Firntouren kann man für diese Saison leider bereits definitiv vergessen.

Wie immer ein schöner und inspirierender Bericht von dir! Nach dem heutigen Bruch am Combin zwischen Tsessette und Bousine sieht der feste Grimsel-Granit schon sehr verlockend aus...

Gruess Jonas

lorenzo says: RE:Suuberi Sach
Sent 25 June 2017, 22h16
Hallo Jonas

tnx a lot!

Schon Winter und Frühling waren schneearm, und jetzt im Frühsommer sind die Verhältnisse schon so, wie sonst nur nach heissen und trockenen Sommern Anfang Herbst.

Die aktuellen Berichte sind wenig ermutigend: Regen am Mont Blanc, hüfttiefes Einsinken im nicht gefrorenen Firn an Viertausendern, bereits jetzt viele offene Spalten und freigelegter brüchiger Fels mit Steinschlaggefahr. Am Aletschgletscher soll die Eisdicke seit 10/16 um 4m abgenommen haben.

Aber wenn es zwischendurch wieder ein paar Mal richtig schneit (50-100cm) ist die Saison villeicht noch nicht ganz verloren. Schon ab Mitte nächste Woche soll es ja bis unter 3000m Schnee geben.

Vorläufig würde ich mich aber zur Erholung vom Combin-Bruch doch lieber an den Grimselgranit halten.

Hoffentlich machst Du von der Combinüberschreitung trotzdem einen Bericht, ich bin gespannt!

Grüsse

lorenzo


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