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Versuch Aig. d'Argentière von der Cab. Saleina 1971


Published by FJung , 7 May 2017, 16h02.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:31 July 1971
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   F 
Access to start point:Orsières - Praz de Fort im Val Ferret
Access to end point:gleich

Auch diesmal erreichten wir den Gipfel, 3900 m hoch, wieder nicht, aber trotzdem war es ein schönes Wochenende voller Sonnenschein und Kameradschaft.
Am Anfang sah es aber nicht so aus, wir hatten verabredet, hinter Praz de Fort (Val Ferret) einer kleinen Straße weiter zu folgen, die bis zu einer Baustelle für ein Versorgungsteil der Emposson-Kraftwerke führte. Wir fuhren als Letzte von Montreux los und sahen in Praz de Fort nicht unsere Kameraden,e so daß wir den Weg Richtung Cabane de Saleine einschlugen. Auf dem Parkplatz, schon sehr weit vom Dorf entfernt, entdeckten wir auch keine bekannten Gesichter, und wir fuhren weiter, obwohl es verboten war. Am Ende der Straße angelangt, standen auch nhur Baufahrzeuge herum. Wir warteten auf die Kollegen, die ja auch einmal kommen mußten. Als es uns zu lange dauerte, fuhren wir die wieder Straße hinab und da standen sie auf dem Parkplatz und warteten auf uns. Wir wissen heute noch nicht, wie wir an ihnen vorbei fahren konnten, ohne sie zu sehen. 
So gingen wir mit 2 Stunden Verspätung von den Autos fort.
Vor uns lag die dreckige Gletscherzunge des Glac. de Saleina, rechts darüber stand der Clocher du Portalet eigenwillig in die Höhe, weiter rechts davon stieg in großen Kehren der Weg zur Cab. d'Orny an einem Steilhang hinauf, und links vom Gletscher mußten wir eine steile und glatte Felswand überwinden. Eingeschlagene Stufen und Ketten erleichterten den Aufstieg. Der Weg führte dann durch Strauchwerk. Plötzlich hatten wir eine schöne Sicht auf die Gruppe des Grand Combin, der mir von dieser Seite unbekannt war. 
Links und rechts des Wegen standen Blumen und flogen Schmetterlinge, ein süßer Duft lag in der Luft, es war herrlich, in dieser Gegend zu sein, denn rechts unter uns lag der Gletscher, darüber sahen wir den Gl. des Ravines Rousses und die Aig. Dorées. Nur als wir weit vor uns auf einem  Felsen eine Schweizer Flagge sahen, in dessen Nähe auch die Hütte stehen mußte, machten wir Halt, denn es war doch noch ein weiter Weg vor uns. 
Links von uns erhoben sich nun die Clochers des Planereuses, von denen der Petit Clocher aus gutem Fels besteht, während zu Füßen der anderen Gipfel riesige Steinhalden lagen und auf die Festigkeit des Gesteins schließen ließen.
Nach vier Stunden Marsch kamen wir bei der langen Holzhütte in 2691 m Höhe an. Wir beugten uns über den Brunnen und näßten unsere Haut. Claude lief Remy entgegen und trug seinen Sack, der Weg war für ihn doch anstrengend in dieser Hitze.
Hinter der Hütte erblickten wir die Aig. de l'A Neuve, la Grande Lui, Les Darreys, und auch die Pointes de Planereuses, während sich der Gl. de Saleina ausbreitete und seine Eismassen von der Aig. d'Argentière, Aig. du Chardonnet und der Grande Fourche bekam. In der untergehenden Sonne erkannten wir den Col du Chardonnet, den ich schon mit Skiern gemacht hatte, und wieder fiel mir die Plagerei beim Aufstieg von der französischen Seite ein.
Die Hütte war wieder einmal voll, aber nach dem Genuß von Wein und einem letzten Blick in die ruhige Bergwelt schliefen wir ein.
Schon viel zu früh wurden wir geweckt, und nach dem Frühstück gingen wir müde die Seitenmoräne hinab, bis wir auf den Gletscher traten. Meine Taschenlampe leuchtete aus irgendwelchen Gründen nicht, und als ich im Dunkeln auch noch auf Victors Lampe  trat, war er darüber nicht gerade glücklich.
Es war noch nicht nötig, die Steigeisen anzulegen, und über dem blanken Eis stiegen wir an offenen Gletscherspalten vorbei in Richtung einiger Felsen, die aus dem Eismeer ragten. Links davon war ein Durchgang nicht gut möglich, aber rechts bereitete der Aufstieg mit den nun aus dem Sack geholten Steigeisen keine Schwierigkeiten. Deswegen waren wir um so mehr überrascht, als wir Victor und Bernard plötzlich wieder 30 m unter uns sahen, so viel waren sie herabgerutscht, als Victor einmal nicht aufpaßte und ausrutschte.
Bald folgten wir den Spuren, die von dem Fenetre de Saleina und der Cab. de Trient den Col du Chardonnet erreichten. Es stellte sich für mich die Frage, ob es nicht einfacher wäre, den Col du Chardonnet von der Cab. de Trient zu erreichen, denn der Gl. de Saleina war sehr zerrissen, und wir bauchten vier Stunden bis zum Col.
Die Sonne beleuchtete die Felsen und Firne der beiden Aig. vor uns, die Grande Fourche wechselte ihre Farben und erschien Gelb und Orange.
Vor uns war noch der steile Anstieg zum Col. Vincent schlug Stufen ins Eis. Wir überquerten den Bergschrund. Darüber war Eis, so daß wir in leichter Kletterei auf der rechten Seite den Paß erreichten. Hier warteten wir noch lange auf die Nachzügler, die den Paß im Eis hochgingen und mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.
Der Gletscher und der Himmel waren immer noch in ihren morgendlichen Farben, es war 7 Uhr. Wir kletterten in den Felsen des Westgrates, der viel zu wünschen übrig ließ. Nirgends war man sicher, daß der griff hielt, aber die Kletterei war nicht schwierig, so daß wir gut bis zu dem großen Gendarmen kamen, wo wir uns berieten, denn es war schon eine Stunde später. Claude, der als erster ging, wollte den Felsen direkt angehen, im Führer von 1936 stand, man solle ihn rechts umgehen, dort waren die Felsen aber vereist, und ich weiß nicht, warum Claude nicht links um den Gendarmen herum wollte, was keine Schwierigkeiten bereitet hätte. Aber nun war es schon zu spät, Vincent erinnerte uns an Kollegen, die 15 Stunden für Auf- und Abstieg gebraucht hatten. Trotz strahlender Sonne, ohne Wind, keiner Wolke am Himmel, stiegen wir wieder ab. Nicht nur ich war traurig, aber Vincent hatte die Verantwortung für diese Tour, und er wollte und konnte kein Biwack riskieren.
Beim Abstieg ging ich als  erster. Bei einer Felsplatte, die etwa einen Meter aus dem übrigen Fels herausragte, hielt ich mich mit beiden Händen fest, um mit den Füßen Stand zu suchen. Die Platte war nur eta 5 cm dick, Mit einem Knirschen löste sie sich aus dem Felsen, und langsam kam sie mir entgegen. Mir blieb keine Wahl, um von der Platte nicht erschlagen zu werden. Ich ließ mich los und fiel einige Meter tiefer auf Geröll, der losgelöste Fels fiel auf meinen Rucksack und nahm mir den Atem, dann hörte ich nur noch das Gepolter der Steine, die auf dem Gl. du Chardonnet aufschlugen. Über mir stand Vincent, er fragte besorgt, wie es mir geht. Weil meine Beine irgendwo im Freien schwebten, rief ich ihm zu, er solle sich erst sichern, bevor ich mich rührte, denn das Geröll konnte immer noch mit mir abrutschen. Langsam kam ich wieder auf die Beine. Außer einer kleinen Prellung an den Knien war ich gesund. (An diese Episode erinnere ich mich nicht mehr. Es ist auch gut, daß die positiven Erinnerungen Vorrang haben). Vincent hatte sich bei meinem Sturz die Hand verbrannt, als er das Seil bremste. Er hatte mehr Schmerzen als ich, aber wir schauten uns dankbar in die Augen. Er hatte getan, was er konnte, und ich hätte auch so gehandelt. Ich war froh, einen so sicheren Seilgefährten gefunden zu haben, und, zuerst mit noch zittrigen Knien, ging ich im Felsen weiter hinab bis zu Col, wo wir tief Atem holten und auf die Kollegen warteten. Noch zweimal hörten wir Steine  poltern. Wir machten uns Sorgen um unsere Freunde, aber 20 Minuten später waren wir alle versammelt. Sie waren ein Couloir auf der französischen Seite abgestiegen und fanden in den Felsen herrliche Kristalle.
Wir schauten noch einmal hinüber zur Aig. Verte und Les Droites, dann stiegen wir wieder die Felsen hinab zum Gletscher. Einige wollten wieder im Eis absteigen. Sie kamen nicht weit, denn Emile kam ins Fallen, und auch Jean-Daniel verbrannte sich die Hände. Danach kamen auch sie die Felsen herab.
Wir gingen an der rechten Seite des Gletschers hinab. Unzählige Spalten übersprangen wir, über schmale Schneebrücken, die dazu noch schräg waren, gingen wir zurück zur Hütte.
Wir waren alle wieder heile zur Hütte zurück gekommen und es ging wieder zurück zu den Autos. 
Im Nachhinein betrachtet: der sicherste Weg war doch in der Eiswand  von der französischen Seite 1975.

Hike partners: FJung


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