Piz Mitgel (3159m) - via "Senda Diagonala"


Publiziert von Schneemann , 19. Juli 2015 um 09:19.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:18 Juli 2015
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Anfahrt nach Savognin - dann den Berg hinauf, den wenigen Schildern mit Kletter-Zeichen und Turn-Zeichen folgend. Erst gehts mega-steil auf asphaltierten Strassen hinauf, dann gemütlich über eine Forststrasse bis zum Parkplatz "plang la curvanera" (ca. 6km von Savognin)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Siehe Ausgangspunkt
Unterkunftmöglichkeiten:Savognin - idyllisches Dörfchen, das wohl im Winter belebter ist

Die Dauerhitze im Sommer2015 ist eigentlich ganz nett, aber für Bergtouren doch eher hinderlich. Wer sich nicht in Schweiss auflösen möchte, der hat keine andere Wahl als hoch hinaus zu gehn. Drum entschied ich mich für einen Bündner3000er, den Piz Mitgel (= jetzt mein höchster erstiegener Dolomit-Gipfel). Die Gegend des Parc Ela war für mich bislang ausserdem ein weiser Fleck auf der Karte. Gleich vorneweg: den anspruchsvollen Klettersteig “Senda Verticale” hab ich ausgelassen – es gibt eine einfachere Alternative: eine erstaunlich einfache und geniale  Überwindung der senkrechten Dolomit-Wände über die “Senda Diagonala” (= früherer Normalweg, bevors ein Klettersteig wurde).

Tour:
Startpunkt für die Autofahrer oder Velofahrer ist der Parkplatz Plang La Curvanera (1840m). Diesen erreicht man von Savognin, wenn man dort den (wenigen) braunen Schildern mit Kletterern (oder auch Turnern) folgt. Vom Parkplatz aus folgt man ganz einfach den weiss-blauen Markierungen, die zum Klettersteig weisen. Durch die Höhe sollte man denken es sei auch nicht mehr so heiss - das konnte ich heute aber nicht bestätigen.

Der erste Teil des Anstiegs ist ein schmaler Pfad über sehr blumige Alpwiesen. Durch die enorme Höhe scheint hier (im Juli) gerade erst der Frühling angebrochen zu sein – sehr beeindruckend.Da ich spät drann war und Sorge vor Gewittern hatte, hab ich mich sehr beeilt und hatte leider wenig Zeit für blumige Fotos – die Gesamtzeit von 5:30h war auch so ziemlich das Beste was ich bei den Sauna-Temperaturen hinbekommen konnte.

Auf ca. 2300m teilt sich der Weg in die beidene Varianten (gut beschildert). Ich folgte "Senda diagonala". Dieser Weg folgt ziemlich logisch einem Felsband dass sich diagonal steil durch die senkrechten Felswände zieht. Ich fands recht spektakulär, immer unter einer hohen senkrechten Felswand hinauf, manchmal steil und manchmal einfach das Band querend. Eigentlich ist dieser Part eher unschwierig aber vermittelt fantastische Eindrücke. Dennoch war ich froh über das durchgehende Stahlseil - denn es liegt fast durchgehend eine Geröll- Kiesel- Schicht auf den Felsen. Und wegrutschen wäre an ein paar Stellen ungünstig. Man erreich den Vorgipfel Piramida (2752m), wo sich die beiden Klettersteige vereinigen.

Von dort sinds nur noch 400 Höhenmeter auf den Gipfel - es zieht sich aber dennoch hin. Der Weg steigt an durch den gerölligen Kessel, bis man den Grat erreicht. Den Gipfel und das Kreuz hat man dabei schon früh im Blick. Dann folgt der Weg knapp unterm oder auf dem Grat bis zum Vorbau des Gipfels. Hier wirds steiler und ausgesetzter - aber hier findet sich wieder ein quasi durchgehendes Stahlseil bis zum Gipfel. Der Gipfel ist eng und schmal, aber bietet erwartungsgemäss einen tollen Blick übers Bündnerland bis weit nach Italien hinein. Naja, eigentlich sollte das so sein - heute sah es so aus, als wäre meine Brille beschlagen - auch wenn ich sie gar nicht mehr auf hatte (extremer Dunst).

Abstieg auf der Aufstiegsroute. Leider wurde ich hier noch Zeuge einer Bergrettung mit einem Heli.

Hinweise:
Mir ist nicht so ganz klar, ob man diese Tour als Klettersteig bewerten sollte. Nimmt man die Senda Diagonala für Auf- und Abstieg, dann gibts eigentlich keine Kletterschwierigkeiten und auch nur wenig Ausgesetztheit. Ich habs mal mit "L" bewertet. Andere habens auf hikr nur mit der Wanderskala bewertet. Obwohl eigentlich alle Ferraristi ein Klettersteig-Set benutzt haben, ist dieses definitiv nicht nötig für diese einfache Variante - ich habs nirgends vermisst.

Sehr empfehlenswert sind dagegen Handschuhe. Man hat viiiiel Stahlseil-Kontakt und an manchen Stellen ist dieses auch mal aufgerissen. Ohne Handschuhe hat man am Ende der Tour wohl kaum noch Haut auf den Händen. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Helm - es liegt einfach zuviel loses Gestein auf den Felsen und man kanns kaum vermeiden mal was loszutreten.

Fazit:
Die etwas mühsame Anreise hat sich gelohnt - eine Tour mit sehr viel Fels- und Stahlseil-Kontakt in einer  alpinen Umgebung. Man startet hoch und erreicht schnell die unüberwindbar scheinende Felswand. Das Felsband der Senda Diagonale bietet aber einen relativ einfachen Zugang. Nach dem Vorgipfel bleibts anspruchsvoll, vor allem am Gipfel. Die Aussicht ist bei der Höhe natürlich beachtlich. Kurz gesagt: Eindrucksvolle und anspruchsvolle Tour in felsigem Ambiente.

PS:
In der Siegfriedkarte steht der Gipfel noch als "Piz Michel" beschrieben. Daher ist wohl klar wie sich der Name ableitet. Ebenalls ist dort noch ein Firnfeld unterm Gipfel eingezeichnet, von dem heute aber tatsächlich nichts mehr übrig ist.

Tourengänger: Schneemann


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