Gartner Wand (2377 m) - eine herrliche Gratüberschreitung


Publiziert von ju_wi , 31. Oktober 2008 um 00:08.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Tour Datum:25 Oktober 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:21,5 km
Unterkunftmöglichkeiten:Lähn - Zimmer in Haus Bleispitze
Kartennummer:WK352 Freytag&Berndt

Unser erster Lechtaler - und was für eine großartige Tour! Die Gartnerwand ist nach Norden hin eine gewaltige, bis zu 500 m abfallende, mehr als 3 km breite Felswand, die mit ihrer regelmäßigen Bänderstruktur von S sehr auffällt. In einer großen Tour kann man ihren Grat komplett überschreiten.

Wir sind endlich wieder zu einem Wochenendtrip in den Alpen und haben uns in Lähn (Tirol) einquartiert. Das Wetter ist an diesem Spätoktoberwochenende fantastisch und so gehen wir Samstags die lange Rundtour von Lähn über den Grubigstein mit Überschreitung der Gartnerwand und Abstieg nach Bichlbächle an.

Wir folgen morgens der Dorfstraße bis zur Einmündung überqueren die Landstraße und folgen dahinter dem Wanderweg durch etwas Wald und Wiesen in den Weiler Obergarten (1100 m). Es ist noch neblig im Tal und die Stimmung ist wie im Spätherbst. Hinter Obergarten steigen wir gemächlich an ins Gartnertal. Bald schon verlässt der Wanderweg den breiten Kiesweg rechts durch das Bachbett und steigt nun steil in ein paar Serpentinen in den steilen Talhang. Von hier folgen wir auf sehr schmalem und auf den Herbstblättern rutschigem Pfad, der hin und wieder steil nach unten abbricht, dem Talhang hinauf Richtung Gartneralm. Ein Stück vor Erreichen der Alm treten wir aus der Nebelsuppe in Sonnenlicht. Ein Blick zurück eröffnet den Traumblick auf das Nebelmeer.

Bei der Gartneralm (1399 m) folgen wir - GPS-unterstützt - dem mittleren, kleinen Pfad durch erdiges Gelände. Immer wieder staunen wir über die Bänderstruktur der Gartnerwand, die direkt vor uns in den Himmel ragt. Nach rechts hingegen - in schönem Kontrast - ist der grüne Wiesberg der Bleispitze zu bewundern. Wir folgen dem Pfad, doch bald schon schickt uns unser GPS nach links. Es ist hier aber kein Weg zu erkennen. Dennoch folgen wir dem Gerät und nach ca. 100 m finden wir eine Andeutung von einer Trittspur, die ein Stück weiter sogar uralte, verwaschene Markierungen ansteuert. Allerdings werden wir durch ein Stück dichter Latschen geführt und in Serpentinen der Trittspur folgend erreichen wir schnell einen deutlicheren Wanderweg, der hier nun sehr gut markiert ist. Offenbar ist die Wegführung inzwischen etwas anders gelegt.

Nun wieder in bestem Einklang mit GPS folgen wir dem markierten Weg steil und in vielen Serpentinen durch schönste Landschaft und erklimmen eine Stufe, bis wir kurz oberhalb der Wolfratshauser Hütte (1751 m), den Rand des Talkessels erreichen und in die Sonne treten. Wieder belohnt uns ein Traumblick auf die Zugspitze und Mieminger Kette im Nebelmeer.

Per Wegweiser folgen wir dem schwarzen Punkt Richtung Grubigstein. Durch schmale schrofige Stufen führt der Weg weiter steil hinauf, unter dem Sessellift her, und auf eine grasige Rippe unterhalb der Grubigsteinhütte. In Serpentinen steigen wir durch Gras zur Hütte empor. Wir folgen ein stück dem Fahrweg und sehen, dass weiter oben der Pfad zum Grubigstein verläuft. Wir hätten hinter der Hütte hochgemusst. Querfeldein steigen wir durch das Gras empor bis wir auf den Weg treffen. Er führt durch ein paar Schrofen in die großen Lawinenverbauungen oberhalb der Grubigstein-Bergstation. Hier gibt es viele dicht gesetzte Markierungen, denen man jedoch nur mühsam durch die dichten Lawinennetze kletternd folgen kann - eine echt merkwürdige, surreale Wegführung. Kurz später zweigt ein Pfad ab zum Grubigstein Vorgipfel mit dem großen Kreuz. Den kurzen Abstecher sparen wir uns jedoch und steigen stattdessen vollends zum Grat empor und gehen auf breiterem Grasrücken zum Hauptgipfel des Grubigstein (2233 m) - ebenfalls mit etwas kleinerem Kreuz.

Hier machen wir kurz Rast und genießen den Blick. Der Weiterweg wird nun etwas anspruchsvoller. Insbesondere auch weil wir nach einigen Metern nicht mit de Markierung in die Südflanke ausweichen, sondern einen Buckel auf dem direkten Grat überklettern. Hinter der kleinen Spitze wird es äußerst schmal und in felsigen Stufen geht es hier sehr ausgesetzt wieder hinab, wo wir in dem nächsten kleinen Sattel wieder auf die Markierungen treffen. Einige Meter weiter eher horizontal beginnt dann mit dem Gipfelaufbau des Hauptgipfels der Gartnerwand ein letzter steiler Anstieg von knapp 150 Hm. Außer Atem kommen wir nach insgesamt gut 4 Stunden am Gipfel der Gartnerwand auf 2377 m an. Natürlich machen wir hier wieder eine Rast. Der Rundumblick ist gigantisch. Vom Allgäu über Ammergau, Wetterstein, Mieminger Kette, Karwendel, Stubai, Ötztaler zu den Lechtalern.

Wir wollen die Gartnerwand überschreiten und folgen dem Pfad Richtung Bichlbacher Jöchle. Kurz später zweigt der Gratweg zum Sommerbergjöchle rechts ab. Nun folgt das klar anspruchsvollste Stück der Tour - vor allem deshalb, weil die auf den nächsten 20 Minuten entfernten Drahtsicherungen durch plattiges Steilgelände in unserem Fall aufgerollt sind. Ohne diese Sicherungen sind einige Passagen für uns schon recht heikel - erstaunlicherweise wird Margit diesmal etwas zittrig. Es geht durch Risse, ein bis zwei Kamine mit I-er Stellen über einer plattigen Steilflanke. Von einem Sattel klettert man dann nochmals recht vertikal (auch hier bei uns leider ohne Sicherung) empor zum Westgipfel. Dort ist das schwierige Stück geschafft.

Nun geht es weiter am Grat entlang und später durch eine äusserst steile Geröllflanke hinab und durch Latschen zum Bichlbacher Jöchle (1943 m), dem Pass zwischen Gartnerwand und Rotem Stein. Auch vom Pass bleibt der Weiterabstieg nach Bichlbächle zunächst steil, etwas rutschig und schrofig. Nach einer langen Steilstufe erreichen wir den Talkessel mit Stockachbach und wandern vorbei an Bichlbächle und dem Weiler Klein-Stockach zur Straße nach Berwang. Hier biegen wir kurz vor der Straße rechts auf einen Wanderweg, queren per Brücke den Bach und gelangen an den Ortsrand von Bichlbach. Rechts an der Pastkapelle vorbei und durch den Ort stoßen wir am Ortseingang auf die Landstraße, wo wir auf der Via Augusta parallel zur Straße bis zum Abzweig nach Wängle und durch Wängle auf der Dorfstraße wieder Lähn und unsere Pension erreichen.

Was für ein Auftakt zu den Lechtalern - das könnte der Beginn einer wahren Liebe werden !


Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 288.gpx Gartnerwand

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Kommentare (2)


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obadoba hat gesagt: Sehr schön
Gesendet am 31. Oktober 2008 um 11:16
Tolle Überschreitung, feiner Bericht. Die Gartnerwand hab ich mir auch schon oft angeschaut, dann ist es aber doch immer eine andere Tour geworden. Ich seh schon, das müssen wir auch mal machen.

Grüsse,
obadoba

ju_wi hat gesagt: RE:Sehr schön
Gesendet am 1. November 2008 um 08:40
Danke schön! Ja, es war eine wirklich gelungene Tour zumal das vom Wetter sicher eins der schönsten Wochenenden dieses Jahr war.

Grüße, Jürgen


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