Großer Krottenkopf (2656 m) - höchster Gipfel des gesamten Allgäu


Publiziert von ju_wi , 14. September 2008 um 19:19.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:26 August 2007
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 1100 m
Unterkunftmöglichkeiten:Kemptner Hütte
Kartennummer:BayLV Allgäuer Alpen

Der Große Krottenkopf ist mit 2656 m der höchste Gipfel der gesamten Allgäuer Alpen. Er liegt - anders als viele seiner wenig niedrigeren Kollegen wie Mädelegabel, Hochfrottspitze oder Hochvogel - nicht auf dem Deutsch-Österreichischen Grenzverlauf sondern vollständig auf Tiroler Boden. Genauer befindet er sich in der langen, ursprünglichen Hornbachkette, die nahe der Kemptner Hütte vom hufeisenförmigen Allgäuer Hauptkamm nach O nach Tirol zum Lechtal abzweigt.

Der Große Krottenkopf ist mit einem sehr schönen Steig erschlossen, der gut 300 Hm durch den Fels der Südflanke des Berges in einfacher Kletterei (nicht über I) - z.T. ein wenig ausgesetzt - hinaufführt. Vom Schwierigkeitsgrad der Tour würde ich ihn (subjektiv) mit dem Zustieg zum Hochvogel über die Kreuzspitze gleichsetzen, wenngleich am Krottenkopf kein Drahtseil / Klettersteig vorhanden ist - dessen bedarf es allerdings auch nicht. Alternativ kann man nur noch über den Nordgrat (s. Foto) in Kletterei bis III den Gipfel erreichen.

Wir haben uns für die Besteigung ein schönes August-Wochenende um einen freien Montag verlängert. Freitag abends sind wir schon nach Holzgau aufgebrochen und Samstag zur Kemptner Hütte aufgestiegen. Hierbei haben wir einen Abstecher zum Muttlerkopf unternommen. Am heutigen Sonntag wollen wir zum Großen Krottenkopf und wieder zurück zur Kemptner Hütte, in die wir uns für 2 Nächte einquartiert haben. Je nach Lust, Wetter und Energie ist evtl. nach dem Krottenkopf noch ein wegloser Abstecher auf die Hornbachspitze (2533 m) geplant.

Gegen 7:15 Uhr früh verlassen wir nach Hüttenfrühstück die Kemptner Hütte (1844 m). Da wir am Vortag vom Oberen Mädelejoch hinabkamen, nehmen wir an der ersten Verzweigung heute nicht wieder diesen links abzweigenden kürzesten Weg sondern gehen rechts hinauf Richtung Heilbronner Weg und dann links zum Mädelejoch (1973 m). Wir haben einen herrlichen Spätsommer-Tag erwischt und die Aussicht ist bei klarer Luft fantastisch. Beim Abstieg vom Mädelejoch biegen wir bei erster Gelegenheit in einer Kehre links ab auf einen kaum erkennbaren Pfad, der oberhalb des Roßgumpenbaches durch üppiges Kraut verläuft. In welliger Führung durch Matten und zuletzt etwas Geröll stoßen wir an einer Kreuzung auf den Weg vom Oberen Mädelejoch, auf dem man südlich zur Jöchlspitze und Richtung Lechtal abbiegen kann.

Wir behalten hingegen unsere Richtung bei und steuern die Krottenkopfscharte an. Der Weg dorthin ist zum teil schon etwas anspruchsvoller und kein einfacher Bergwanderweg mehr. Es geht durchaus schon sehr steil durch Rinnen unter Benutzung der Hände empor und bei ein paar Querungen sind manche der Bergwanderer hörbar an ihren Grenzen. Zuletzt durch viel Geröll erreichen wir dann die Krottenkopfscharte (2350 m). Hier biegen wir links in den felsigeren Teil ab, zu dem man zunächst nochmal steil durch Geröll in ein paar Serpentinen gelangt. Jetzt folgt das subjektiv vielleicht schwierigste Stück, bei dem man die Rippe nach links in eine Flanke verlässt und etwas ausgesetzt durch den Fels in eine Mulde quert. In einem Bogen geht es in der Mulde dann nochmal in leichter Kletterei über eine Schrofenstufe und kurz danach scharf rechts nicht mehr ausgesetzt über eine Felsrippe zu einem plattigen Bereich östlich vom Gipfel. Nach der Überschreitung der schrägen Felsplatte (zumindest bei unserem trockenen Wetter einfach) ist man schon fast am Ziel. In den letzten Metern ist dann noch eine schmale Stelle am Grat etwas ausgesetzter zu überwinden und wir stehen gegen 10 Uhr am Gipfelkreuz des Großen Krottenkopf (2656 m). Der Blick ist - insbesondere an einem Traumtag, wie wir ihn haben - einfach genial, denn schließlich steht der Krottenkopf als höchster Berg auch geographisch sehr zentral im Allgäu.

Nach ausgiebigem Gipfelgenuß steigen wir auf gleichem Weg wieder ab zur Krottenkopfscharte und weiter bis zur erwähnten Wegkreuzung. Hier nehmen wir den Weg Richtung Oberes Mädelejoch, den wir am Vortag schon bei der Besteigung des Muttlerkopfs gegangen waren. Am Abzweig des Steigs zum Muttlerkopf biegen wir auch heute wieder rechts ab, da wir früh dran sind und uns die Hornbachspitze noch anschauen wollen. Nach ca. 10 Minuten auf diesem Steig - ungefähr dort wo dieser in Serpentinen stärker nach links hoch zum Muttlerkopf zieht - biegen wir dann weglos (Trittspuren kann man nur vermuten) rechts ab in das Öfnerkar. Über grasige Hügel und zum Teil auch durch mühsames Geröll- und Blockwerk folgen wir dem Verlauf des geräumigen Kars in den hinteren östlichen Winkel. Zuletzt geht es recht steil und mühsam über Schrofen und Geröll weglos in die Scharte zwischen Öfnerspitze und Honbachspitze. Auf dem recht schmalen, brüchigen Grat, der nach N zum Hornbachtal vertikal abfällt, ist der Wegverlauf hinauf zur Hornbachspitze gut zu erkennen. Allerdings ist es inzwischen recht windig und zugezogen und so einfach wie im AV-Führer dargestellt sieht der Geröll-/Felsaufbau zur Hornbachspitze nun auch nicht aus, so dass wir von der Besteigung absehen und weglos zurück zum Steig und über das Obere Mädelejoch (2030 m) hinabsteigen zur Kemptner Hütte.

Uns bleibt der Große Krottenkopf und die schöne Tour bei bestem Wetter dort hinauf als ganz großer Höhepunkt im geliebten Allgäu in Erinnerung.

Tourengänger: ju_wi

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